Hamburger Kunsthalle zeigt Wirkungsgeschichte des Künstlers

Raffael – Kult um ein Genie

Er war schon zu Lebzeiten ein Star – und die Verehrung hat über Jahrhunderte hinweg angehalten. Jetzt widmet sich die Kunsthalle dem italienischen Maler.

Begeisterter Besucher: Die Hamburger Kunsthalle zeigt die Wirkungsgeschichte Raffaels

von Thomas Morell

Hamburg. Über 500 Jahre lang hat der italienische Renaissance-Maler Raffael (1483-1520) die Kunstgeschichte entscheidend geprägt. Mit ihrer neuen Ausstellung „Raffael. Wirkung eines Genies“ verfolgt die Hamburger Kunsthalle seine Wirkungsgeschichte durch die Jahrhunderte. Wie kein anderer Maler sei Raffael kopiert und anverwandelt worden, sagt Kurator Andreas Stolzenburg. Die Romantik um 1800 habe dann „den Thron noch etwas höher gesetzt“. Bis zum 3. Oktober werden rund 200 Druckgraphiken, Zeichnungen, Gemälden, Fotografien und Bücher aus dem eigenen Bestand gezeigt.

Von Raffel selbst sind nur fünf Zeichnungen zu sehen, darunter der prominente Cherubskopf. Die selten gezeigten Werke aus dem eigenen Kupferstichkabinett wurden eigens für die Ausstellung mit neuer Technik untersucht. Einige weitere Kupferstiche sind unter Raffaels Anleitung in seiner Werkstatt entstanden.

Sein letztes Werk hängt im Vatikan

Im Mittelpunkt steht allerdings die Wirkungsgeschichte prominenter Werke wie die „Verklärung Christi“. Es ist sein letztes Werk und hängt heute im Vatikan. Vor allem Kupferstiche und Lithografien sorgten für die europaweite Verbreitung, ehe sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts von der Fotografie abgelöst wurden. So zeigt die Ausstellung fünf Kopien, auf der das Publikum die unterschiedlichen Herangehensweisen der Künstler entdecken kann.

Diese Bücher sind mit Raffaels Werken illustriert Foto: Philipp Reiss / epd

Warum dagegen die berühmte „Sixtinische Madonna“ von 1512/13 anfangs nur geringe Resonanz zeigte, ist nach den Worten von Kurator David Klemm nicht genau nachvollziehbar. Dies habe sich umgehend geändert, als das Gemälde 1780 nach Dresden kam. Vor allem die lausbubenhaften beiden Engel am unteren Bildrand sind in den vergangenen Jahren zum beliebten Kitsch-Motiv für Werbung und Postkarten avanciert.

Auftakt für den Raffael-Kult in der Romantik war die Aufsatzsammlung von Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders“ von 1796, die sich unter anderem der „göttlichen Kunst“ Raffaels widmet. Zahlreiche Kunststudenten übten an Raffaels Portraits ihre Zeichenfertigkeiten. Maler wie Philipp Otto Runge, Jean-Baptiste Regnault oder Johann Friedrich Overbeck verwendeten Motive Raffaels. In dieser Zeit weckte auch das Leben des Renaissance-Künstlers zunehmendes Interesse.

Ausstellung verschoben

Die Ausstellung war ursprünglich für das Jubiläumsjahr 2020 aus Anlass des 500. Todestages geplant, musste wegen Corona jedoch verschoben werden. Im Nachhinein sei sie durch die längere Vorbereitungszeit deutlich besser geworden, sagte Kurator Stolzenburg. Es handele sich um eine der umfangreichsten Ausstellungen in Europa zum Raffael-Jubiläum. Der Katalog umfasst über 600 Seiten. Die gezeigten Werke sind Teil des Hamburger Fundus mit rund 1.500 Werken. Die Kunsthalle macht ihre Schätze auch im Netz zugänglich. (epd)

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