„Städtebaulicher Vandalismus“

Propst protestiert gegen Büroklotz an Kieler Förde

Mit einem offenen Brief wendet sich Lienau-Becker an den Oberbürgermeister und die Ratsversammlung. Er lehnt das geplante siebenstöckige Gebäude ab.

Blick auf die Kieler Förde

Kiel. Der Kieler Propst Thomas Lienau-Becker will den geplanten Neubau eines Bürokomplexes an der Hörn verhindern. Die Hörn ist die Hafenspitze als südlicher Abschluss der Kieler Förde. In einem am Freitag veröffentlichten Brief wendet sich der leitende evangelische Geistliche unter anderem an Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) und die Ratsversammlung der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein. Die aktuelle Planung sei "städtebaulicher Vandalismus", schreibt Lienau-Becker.
In seinem offenen Brief argumentiert der Propst, dass durch den siebenstöckigen Bürokomplex der letzten verbliebenen Blickachse auf die Kieler Altstadt ein Riegel vorgeschoben würde. "Kiel liegt an der Förde – das macht diese Stadt seit ihrer Gründung aus", erläutert Lienau-Becker. "Das geplante Gebäude zerstört die letzte Möglichkeit, Kiel als eine Stadt am Wasser zu sehen." Jahrhundertelang sei Kiel in Stadtansichten aus genau dieser Richtung, aus Süden kommend, dargestellt worden.

Mehr als eine beliebige Investition

Der Propst räumt ein, dass es dringend notwendig sei, das Areal an der Kieler Kaistraße in ummittelbarer Nähe der Hörn zu gestalten. Er kritisiert aber insbesondere die Höhe des geplanten Gebäudes und stellt zugleich fest, dass es sich um mehr als eine beliebige Investition handelt. "Es geht hier um den Respekt vor Menschen, die über Jahrhunderte hinweg unserer Stadt gestaltet und belebt haben."
Die Empfänger des offenen Briefes fordert Lienau-Becker auf, die geplante Bebauung der Kaistraße zu verhindern. "Sie wäre ein Vergehen gegenüber dem, was unsere Stadt einzigartig macht."
Kirchlich gehört Kiel zum Kirchenkreis Altholstein. Lienau-Becker ist der leitende Geistliche in der Propstei Nord, Propst Stefan Block in der Propstei Mitte und Propst Kurt Riecke in der Propstei Süd. Der Kirchenkreis hat rund 220.000 Gemeindemitglieder und 140 Pastoren. (epd)

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