Fall Olaf Latzel

Präsidentin Bosse äußert sich erstmals öffentlich

Auf die Kritik folgt nun eine Videobotschaft der Präsidentin des Kirchentages Edda Bosse zum Fall des Pastors Olaf Latzel.

Bremens Kirchenpräsidentin Edda Bosse

Bremen. Die Präsidentin des Kirchentages (Synode) der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), Edda Bosse, hat sich in dem auf YouTube eingestellten Video unter dem Motto „Hass, der uns trifft“ erstmals öffentlich über Latzel geäußert. Unter anderem sagte sie in ihrem Video: „Die Art der Lehre, wie sie in diesem unseligen Eheseminar geäußert wurde, erzeugt Hass.“ Ihre Sympathie und Liebe gelte „jetzt ganz besonders den homosexuellen Menschen in meiner Familie“, sagt Bosse weiter: „Sie gelten meinen homosexuellen Freundinnen und Freunden, den homosexuellen Pastorinnen und Pastoren in unserer BEK – den gleichgeschlechtlich lebenden Paaren im Pfarrhaus, die von diesen Pfeilen getroffen wurden.“

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Aus Solidarität trage sie Tag und Nacht ein Regenbogen-Armband. Sie berichtet ferner von
Hasszuschriften bibeltreuer Christen. Manche hätten ihr eine Steinigung gewünscht:
„Beleidigungen und Beschimpfungen überschwemmen in Massen das Haus der Kirche,
Tatsachenverdrehungen und Lügen – per Mail, per Brief, durchs Telefon.“ Was sie dabei
verwundere, sei „der totale Gegensatz zwischen der frommen, angeblich gottesfürchtigen und bibeltreuen Attitüde und die absolut jedes Maß sprengende Aggressivität der Kommentare und Zuschriften“.

Petition an Bremische Kirche übergeben

Mehr als 19.000 Unterzeichner aus ganz Deutschland haben in einer Petition die Bremische Evangelische Kirche (BEK) aufgefordert, das Disziplinarverfahren gegen den evangelikalen Pastor der Bremer  St.-Martini-Gemeinde, Olaf Latzel, einzustellen. Der Initiator der Petition, der Theologiestudent Jonas Eberhardt aus Bergneustadt bei Gummersbach, übergab die Unterschriften dem Leiter der Kirchenkanzlei, Johann Daniel Noltenius. Wie die BEK-Pressesprecherin, Sabine Hatscher, der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, nimmt die Kirche eigentlich keinerlei Petitionen entgegen: „Aber wir wollten die Petenten, als sie vor der Tür standen, nicht vor den Kopf stoßen.” Deshalb habe man sich das Material doch aushändigen lassen.

Die BEK hat am 14. Mai ein Disziplinarverfahren gegen Latzel eingeleitet. Begründet wurde es mit Äußerungen zur biblischen Beurteilung über gelebte Homosexualität im Rahmen eines Eheseminars im Oktober 2019. Er hatte darin Homosexuelle als Verbrecher bezeichnet. Die Staatsanwaltschaft prüft den Vorwurf der Volksverhetzung. Latzels Kirchengemeinde hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Aufgrund der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wurde das Disziplinarverfahren zunächst ausgesetzt.

Die Bremer Martini-Kirche Foto: Dieter Sell / epd

Der 52-jährige Theologe hatte in einem Eheseminar, das auf Youtube veröffentlicht wurde, unter anderem über Homosexuelle gesprochen. Dabei sagte er: „Überall laufen diese Verbrecher rum vom Christopher Street Day.“ Für die Verwendung des Wortes „Verbrecher“ entschuldigte er sich später öffentlich. Er habe damit nicht allgemein homosexuell lebende Menschen gemeint, „sondern militante Aggressoren, die uns als Gemeinde in den letzten Jahren immer wieder angegriffen und gotteslästerlich diffamiert haben“.

Die Audio-Datei mit seinen Äußerungen wurde inzwischen auf Youtube gelöscht. Latzel hatte darauf verwiesen, dass seine Gemeinde seit Jahren Ziel von Anfeindungen geworden sei. Die Kirche sei beschmiert, sein Auto beschädigt, Gottesdienste gestört und Besucher zum Kirchenaustritt aufgerufen worden. Er selbst habe zwei Morddrohungen erhalten. Die Übergriffe seien angezeigt worden.

„Unglückliche Wortwahl“

Wie Eberhardt, der an der Biblisch-Theologischen Akademie des Forums Wiedenest (Bergneustadt) studiert, sagte, „kann ein Disziplinarverfahren ausschließlich bei Dienstvergehen, schwerwiegenden Verletzungen des Dienstrechts und strafrechtlichen Verurteilungen eingeleitet werden“. Solche Verstöße lägen bei Latzel nicht vor. Es dürfe nicht sein, dass die Kirche eine unglückliche Wortwahl Latzels als Deckmantel ausnutze, um geltendes Recht auszuhöhlen: „Die Kirche versucht dadurch, massiv Einfluss auf das Recht der Meinungs- und Lehrfreiheit zu nehmen.“ Es müsse im Interesse jedes Bürgers sein, diese Rechtsstaatlichkeit zu wahren.  (idea)

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