Brief an Spitze der evangelischen Kirche

Pastoren gegen EKD-Teilnahme an Großem Zapfenstreich

Der Abschlussappell des Afghanistan-Einsatzes sei unvereinbar mit dem religiösen Gebot der Neutralität. Den Brief haben auch Theologen aus dem Norden unterschrieben.

Der Große Zapfenstreich ist in der Kritik (Archivbild)

Hamburg / Bremen. Evangelische Theologen haben sich gegen eine Teilnahme von Repräsentanten ihrer Kirche am Abschlussappell nach dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr an diesem Mittwoch, 13. Oktober, ausgesprochen. Der „Große Zapfenstreich“ ist vor dem Reichstagsgebäude in Berlin geplant. Dieses höchstrangige staatliche Ritual sei zynisch gegenüber den Opfern einer gescheiterten Politik, heißt es in einer Erklärung.

Zu den Unterzeichnern gehören auch Pastoren aus dem Norden – und zwar Propst Thomas Drope aus Pinneberg, der ehemalige Theologie-Professor Hans-Martin-Gutmann, der ehemalige Studienleiter für Erinnerungskultur an der Evangelischen Akademie, Ulrich Hentschel, der aktuelle Direktor der Evangelischen Akademie, Jörg Herrmann, und Theo Christiansen (alle Hamburg). Außerdem haben Klara Butting (Uelzen) und Hans-Gerd Klatt (Bremen) unterschrieben. Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan endete am 27. August mit einer unter schwierigen Umständen ausgeführten Evakuierungsoperation von deutschen Staatsbürgern und besonders gefährdeten Afghanen.

„Religiöse Überhöhung“

Ihre Bedenken haben sie in einem Brief formuliert, den sie eigenen Angaben zufolge Ende September an die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, und an den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm geschickt haben. Sie verweisen darauf, dass die Zeremonie auf der religiösen Überhöhung und Weihe militärischer Bereitschaft und militärischer Einsätze aufbaue. Sie grenze zudem Menschen ohne Religions- oder Kirchenzugehörigkeit aus und sei deshalb unvereinbar mit dem religiösen Neutralitätsgebot der Verfassung.

20 Jahre im Einsatz

Statt sich am Zapfenstreich zu beteiligen, solle die Kirche diejenigen, die am Krieg in Afghanistan eingesetzt waren, in seelsorglichen und gottesdienstlichen Angeboten begleiten, hieß es. Hilfreich wäre auch eine „Nach-Denk-Veranstaltung, die die (Vor-)Geschichte der militärischen Einsätze und Kriege in und um Afghanistan, die deutsche Beteiligung, deren Begründung und Auswirkungen kritisch, also auch in dezidiert nicht-militärischer Perspektive thematisiert“.

Nach der Eroberung des Landes durch die radikal-islamischen Taliban wurde die Bundeswehr ab Mitte August wieder am Flughafen Kabul eingesetzt, nachdem Ende Juni die letzten deutschen Soldaten das Land bereits verlassen hatten. Die Bundeswehr war etwa 20 Jahre in Afghanistan im Einsatz. Insgesamt haben rund 160.000 deutsche Soldaten Dienst in Afghanistan geleistet, 59 verloren dabei ihr Leben. Die internationale Militärmission begann nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA. (epd)

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