Kongress in Bremen

Palliativ-Experten fordern lückenlose Hilfen für Sterbende

Die Zahl der Palliativstationen in Kliniken ist während der Pandemie zurückgegangen. Das kritisieren Experten – und nehmen die Politik in die Pflicht.

Ein Engel auf einer Palliativstation

Bremen. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) fordert einen flächendeckenden Auf- und Ausbau der palliativen Versorgung für lebensbegrenzend erkrankte Menschen in Deutschland. „Wir sehen die Politik in der Pflicht“, sagte die Münchner Klinikdirektorin und DGP-Präsidentin Claudia Bausewein zu Beginn des bundesweiten Palliativkongresses der Gesellschaft in Bremen. Zu dem Treffen, das noch bis Samstag andauert, sind nach Angaben der Initiatoren 1.000 Teilnehmende in die Hansestadt gekommen, weitere 300 verfolgen den Kongress online.

Jedes Krankenhaus mit mehr als 200 Betten sollte einen auskömmlich finanzierten Palliativdienst haben, verdeutlichte Bausewein. Allerdings sei die Zahl der Palliativstationen in Deutschland nach 25 Jahren des Zuwachses in den Jahren der Corona-Pandemie zurückgegangen und betrage jetzt bundesweit 340. Gründe dafür seien unter anderem Personalmangel und unzureichende Finanzmittel.

Eine neue Erfahrung

Die Schließungen seien „eine neue Erfahrung“. Gleichzeitig seien die ergänzenden multiprofessionellen spezialisierten Palliativdienste an Krankenhäusern längst nicht in dem im Hospiz- und Palliativgesetz vorgesehenen Maße auf- und ausgebaut worden. Eine gute palliative Versorgung sei aber gerade auch mit Blick auf eine wirksame Suizidprävention wichtig, betonte Bausewein.

Auch Händehalten kann eine Hilfe sein Foto: Pixabay

Suizidprävention und Suizidassistenz stehen genauso wie Fragen einer noch besseren Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen etwa durch eine Digitalisierung und Telemedizin im Fokus des Kongresses. Er gilt als größte Veranstaltung zur Palliativmedizin in Deutschland und ist nach 2018 zum zweiten Mal in Bremen.

Wie wichtig eine gute palliative Versorgung ist, bekräftigte auch DGP-Geschäftsführer Heiner Melching. Er belegte seine Argumentation mit den Anfragen zum Thema Suizidassistenz in der Geschäftsstelle der Gesellschaft. Das Gefühl, bei Bedarf nicht ausreichend versorgt oder begleitet zu werden, sei in den meisten Fällen der Grund für eine Kontaktaufnahme: „Es geht um einen Rettungsanker, die Angst vor dem was kommt ist der Hauptmotor.“ Auffällig dabei sei, dass viele Menschen die Möglichkeiten der palliativen Versorgung gar nicht kennen würden.

Ambulante Versorgung im Fokus

Um das zu ändern, hat die DGP eine Informations- und Aufklärungskampagne gestartet, zu dem unter anderem ein Wegweiser mit Angeboten der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland gehört. Eine zentrale Forderung, um die Arbeit noch wirkungsvoller machen zu können, richtet die DGP auf eine Verbesserung der ambulanten Versorgung sterbenskranker Menschen. „Da muss was passieren“, mahnte die Bremer Pflegewissenschaftlerin Henrikje Stanze. In den vorgesehenen Zeitkontingenten sei die Versorgung „kaum zu schaffen“.

Unter Palliativmedizin wird die Begleitung unheilbar kranker und sterbender Menschen verstanden, unter anderem, um Schmerzen zu lindern. Ziel der Versorgung ist es, den Patienten ein Sterben in Würde zu ermöglichen. Das bedeutet: Nicht mehr Heilung und Lebensverlängerung stehen im Vordergrund, sondern der bestmögliche Erhalt der Lebensqualität. Die Palliativmedizin umfasst neben der ärztlichen Versorgung mit Schmerzmedikamenten auch die pflegerische Betreuung der Patienten. Zudem begleiten Psychologen, Seelsorger und Sozialpädagogen die Sterbenden. (epd)

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