Fragen und Antworten zum Tag der Wohungslosen

Ohne Dach über dem Kopf

Was kann man gegen Obdachlosigkeit machen? Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen wohnungslos und obdachlos? Die wichtigsten Antworten zum Tag der Wohnungslosen an diesem Freitag.

von Jana-Sophie Brüntjen

Was ist der Unterschied zwischen Obdach- und Wohnungslosen?
Die Begriffe werden oft synonym verwendet, meinen aber eigentlich etwas anderes. Obdachlosigkeit ist ein Teil der Wohnungslosigkeit. Obdachlos sind Menschen, die weder einen festen Wohnsitz noch eine Unterkunft haben. Sie übernachten auf der Straße, in Parks, Bushaltestellen oder U-Bahnstationen. Wohnungslose kommen hingegen bei Freunden oder Bekannten, in Notunterkünften oder staatlich finanzierten Wohnheimen unter.

Warum werde Menschen wohn- oder obdachlos?
Wohn- und Obdachlosigkeit hat vielfältige Gründe und kann im Grunde jeden treffen. Besonders gefährdet sind drei Gruppen. Zum einen sind es Menschen in kritischen Lebenssituationen, also zum Beispiel nach einer Trennung. Zum anderen Personen mit gebrochenen Biografien, die schon früh am Rand der Gesellschaft gelebt haben. Dazu gehören auch Menschen mit hoher beruflicher Mobilität wie etwa Seeleute. Die dritte Gruppe sind junge Menschen, die ungeregelt aus der Jugendhilfe entlassen werden.

Hilfsorganisationen und Wohlfahrtsverbände sehen das Problem hauptsächlich darin, dass bezahlbarer Wohnraum fehlt. Viele staatlich geförderten Wohnungen wurden verkauft und der soziale Wohnungsbau zurückgefahren. Gleichzeitig steigen deutschlandweit die Mieten. Die meisten Wohnungen sind also schlicht zu teuer. Besonders problematisch ist dies, wenn die Betroffenen in Armut leben, kein starkes soziales Umfeld haben und Hilfsangebote fehlen.

Wie viele Menschen ohne feste Wohnung gibt es?
Die Zahl der wohnungs- und obdachlosen Menschen wird in Deutschland nicht zentral und einheitlich erfasst. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schätzt, dass im Laufe des Jahres 2018 rund 678.000 Menschen ohne Wohnung waren. In Berlin wurde in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar dieses Jahres erstmals systematisch die Zahl der Obdachlosen erhoben. Freiwillige zählten knapp 2.000 Menschen, die in der Hauptstadt auf der Straße leben. Die tatsächliche Zahl dürfte allerdings deutlich höher sein.

Wie ist die Lage von Obdach- und Wohnungslosen?
Grundsätzlich können sie zentrale menschliche Bedürfnisse wie ausreichendes und gesundes Essen, Wärme, Erholung und Austausch nicht befriedigen. Außerdem leiden sie oftmals unter schwierigen hygienischen Bedingungen und einem erschwerten Zugang zu gesundheitlicher Versorgung. Für manche führt die Perspektivlosigkeit zu einer Alkohol- oder Drogensucht. Auch die häufige soziale Kälte und Abneigung macht ihnen zu schaffen. Zudem erschweren ihnen bürokratische Hürden die Rückkehr in ein geregeltes Leben. Wer keine Wohnung hat, bekommt nur schwierig Arbeit – und wer keine Arbeit hat, hat es auf dem Wohnungsmarkt schwer.

Darüber hinaus erleben Menschen, die auf der Straße übernachten, immer wieder gewalttätige Übergriffe. Sowohl auf der Straße als auch in vielen Notunterkünften können Wohnungslose außerdem wichtige Habseligkeiten wie Ausweispapiere, Dokumente oder Erinnerungsstücke nicht schützen.

Was kann getan werden?
Eine Idee ist die Strategie „Housing First“ aus den USA. Jede Person, die ihre Wohnung verliert, bekommt sofort und dauerhaft eine neue. Versuche laufen in Berlin und Hamburg. Damit es eine belastbare Datenbasis für mögliche Maßnahmen gibt, fordern Verbände bundesweite Zählungen und Statistiken. Jobcenter könnten zudem bei drohender Kündigung Mietschulden übernehmen. Zudem müssten Wohnungsbaugesellschaften verpflichtet werden, ausreichend bezahlbaren Wohnraum anzubieten. (epd)

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