Der Pandemie zum Trotz

Ökumenische Essensausgabe startet auch im Corona-Winter

In bis zu fünf Durchläufen versorgen die christlichen Kirchen in Hannover Wohnungslose. Das Problem: Viele von ihnen halten die Einrichtung wegen des Lockdowns für geschlossen.

Hannover. Die Ökumenische Essensausgabe für Wohnungslose in Hannover ist auch im Corona-Winter erneut gestartet. Bis Ende Februar erhalten Hilfsbedürftige im Foyer und im Gemeindesaal der Evangelisch-reformierten Kirche in der Lavesallee werktags von 10.30 bis 13.30 Uhr eine kostenlose warme Mahlzeit, teilen die christlichen Kirchen in der Landeshauptstadt mit. „Wegen der Corona-Pandemie ist die Lage in diesem Jahr besonders schwierig“, sagte Hannovers evangelischer Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes. „Deshalb ist es umso wichtiger, Räume zu haben, wo es etwas Warmes für den Körper und für die Seele gibt.“

Das Diakonische Werk koordiniert den Angaben zufolge das seit mehr als 30 Jahren bestehende Angebot. Zu den Kooperationspartnern zählen zudem die Reformierte Kirchengemeinde, die katholische Gemeinde St. Heinrich, die Neustädter Hof- und Stadtkirche, die Heilsarmee, die Johanniter und die Malteser. Die Gesamtkosten in Höhe von rund 60.000 Euro finanzieren sich vor allem aus Spenden.

Auch Einsamkeit ist groß

Zwischen 60 und 90 Menschen im Alter von 25 bis 75 Jahren sind nach den Worten von Koordinatorin Elke Walpert-Niemann bereits täglich zur Essensausgabe gekommen. Im vergangenen Jahr waren es im Schnitt zwischen 200 und 300. Die geringeren Besucherzahlen liegen der Diakonie zufolge daran, dass viele schlicht nicht wissen, dass die Essensausgabe trotz des harten Lockdowns geöffnet ist. In den Kirchenräumen können aufgrund der Corona-Auflagen höchstens 26 Menschen gleichzeitig zu Mittag essen. Vier bis fünf Durchläufe sind täglich möglich.

Stefanie Ganser von der katholischen Pfarrgemeinde St. Heinrich sagte, dass die Gäste ein großes Verständnis für die Hygiene-Maßnahmen zum Schutz vor dem Corona-Virus zeigten. „Sie sind dankbar, dass es dieses Angebot gibt, und nehmen alles andere dafür gerne in Kauf.“ Christine Tursi von der Heilsarmee erläuterte, dass für die meisten von ihnen nicht allein das Essen ausschlaggebend sei, sondern auch die Möglichkeit, sich zu treffen und miteinander zu reden: „Nicht nur die Not, sondern auch die Einsamkeit ist groß.“

Ehrenamtliche im Einsatz

35 Ehrenamtliche helfen den Angaben zufolge in zwei Arbeitsschichten bei der Essensausgabe. Gekocht werden auch typisch hannoversche Gerichte wie etwa Calenberger Pfannenschlag mit Kartoffeln. Das Essen stammt von Köchen wie Cord Kelle vom Verein „Kochen für Obdachlose“ oder aus der Suppenküche „Lindener Tisch“. Tageweise werde das Essen auch in der Kantine der Norddeutschen Landesbank sowie im diakonischen Krankenhaus Friederikenstift zubereitet.

Rund 3.000 Menschen gelten nach den Worten von Rainer Müller-Brandes in Hannover als wohnungslos. Schätzungen zufolge übernachteten im Winter etwa 300 von ihnen im Freien. (epd)

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