Umweltverträgliches Fest funktioniert auch ohne Verzicht

O du fröhliche und klimafreundliche Weihnachtszeit

Wer das Fest in Zeiten von "Fridays for Future" klimaschonend feiern will, kommt schnell ins Schwitzen. Doch Experten sagen: Klimafreundlich Weihnachten feiern ist möglich.

Dieses Jahr ist der Baum grün und umweltfreundlich, hier an einem Stand für Bio-Weihnachtsbäume

von Jörg Nielsen

Oldenburg. Weihnachten steht vor der Tür. Für die einen beginnt mit Glühwein, Lebkuchen und Bachs Weihnachtoratorium die Vorfreude auf das Fest, bei anderen rührt sich das schlechte Gewissen: Wie ist es in Zeiten der weltweiten „Fridays for Future“-Bewegung möglich, klimaneutral, zumindest aber klimafreundlich, das Fest zu begehen? Die Klimaschutz-Experten haben Vorschläge, mit denen Weihnachten ganz klimafreundlich und ohne Verzicht gelingen kann.

Mathias Aßmann von den niedersächsischen Landesforsten etwa wird sich zum Fest einen frischen Baum schlagen. „Das ist absolut klimaneutral“, sagt der Förster. Ein Baum könne nur soviel CO2 freigeben, wie er im Verlauf seines Lebens gespeichert hat. „Und wenn er nach dem Fest im Kaminofen verbrannt wird, spendet er noch Energie in Form von Wärme.“ Wer nebenbei noch etwas Gutes für den Wald tun will, verzichtet auf die beliebte Nordmanntanne und kauft beim regionalen Förster eine „wilde Fichte“. Die säen sich von selbst unkontrolliert aus und müssen vom Förster regelmäßig aus dem Wald entnommen werden, damit andere Pflanzen genug Licht abbekommen.

Außerdem gibt es Weihnachtsbäume mit einem Bio-Zertifikat. Die sind nicht gegen Schädlinge gespritzt und geben in der warmen Weihnachtsstube keine Insektengifte ab. Aßmann rät jedoch dazu, den Händler nach der Herkunft der Bäume zu fragen. „Kommen sie aus der Region, ist das prima. Mussten sie jedoch erst Hunderte Kilometer im Lastwagen zurücklegen, wäre das schon wieder klimaschädlich.“

Ein Baum mit einem Bio-Zertifikat Foto: Thomas Rohnke / epd

Sind kleine Kinder im Haus, rät die Klimaschutz-Managerin Maria Karnagel von der evangelischen Landeskirche Hannovers zu einer Lichterkette mit LED-Leuchten für den Baumschmuck. Die verbrauchen im Vergleich zu den früheren Ketten mit Glühlampen nur sehr wenig Strom. Allerdings sollte darauf geachtet werden, woher die Ketten kommen, sagt die Expertin. Wurden sie in Fernost produziert, haben sie bereits eine Seefahrt um den halben Globus hinter sich, was nicht gut für das Klima ist. Toben keine kleinen Kinder durch die Stube, bevorzugt sie echte Bienenwachskerzen vom Weihnachtsmarkt. Denn die meisten herkömmlichen Kerzen werden aus Erdöl-Produkten oder Palmfetten hergestellt.

Auch Geschenk-Tipps hat Maria Karnagel parat. Sie empfiehlt nachhaltige Präsente: Neben Zeitgeschenken wie etwa einem gemeinsamen Kinoabend könnten auch Reparaturen verschenkt werden. „Fast jedem Teenager geht über kurz oder lang das Handydisplay kaputt.“ In solchen Fällen sei ein Reparatur-Gutschein hilfreich. Als Verpackung für andere Geschenke könnten auch passende Kombi-Präsente genutzt werden. „Ein neues Küchen-Utensil kann man prima in ein schönes Geschirrhandtuch verpacken.“

Klimaschutz als Geschenk

Auch der Schutz des Klimas selbst lässt sich verschenken: Zahlreiche Umweltverbände und Firmen bieten mittlerweile CO2-Zertifikate gegen Kompensationszahlungen an, mit denen klimaschonende Projekte auf der ganzen Welt gefördert werden. Die kirchliche „Klima-Kollekte“ in Berlin bietet beispielsweise einen Emissionsrechner an, mit denen Menschen, die nicht auf ihr Auto verzichten wollen, ihre täglichen Emissionen berechnen können. Nach einer Formel wird eine Kompensation berechnet und nach Bezahlung ein Zertifikat erstellt, das sogar steuerlich absetzbar ist.

So wichtig wie die Geschenke ist das Festessen. Für Christina Graf von der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Hannover gilt hier das Motto „Lieber Klasse statt Masse“. Sie gibt regionalen und saisonalen Lebensmitteln den Vorzug: „Wie wäre es mit Karpfen, Bratäpfeln und Winzersekt statt Lachs, Erdbeeren und Prosecco?“ Wer nicht auf die Weihnachtsgans oder den Rinderbraten verzichten mag, solle wenigstens zu Biofleisch aus der Region greifen. „Hier ist weniger Masse oft mehr im Geschmack.“ Übrigens gibt es inzwischen auch etliche Klima-Kochbücher mit leckeren Rezepten. (epd)

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