Nur ein Wort

Diesem einen Wort schenkt der Mann Glauben, schreibt Roland Springborn. Er lebt als Pastor i.R. in Greifswald.

Der Predigttext des kommenden Sonntags lautet: „Der Mensch glaubte
dem Wort“
aus Johannes 4, 46-54

Unsere jüngste Enkeltochter lernt gerade sprechen. Es ist noch ein ziemliches Kauderwelsch. Die Worte purzeln durcheinander; von uns mehr zu erahnen als zu verstehen, was sie uns sagen will. Aber jedes Wort ist ein wichtiger Schritt zur Verständigung.
Mancher mag sagen: Was ist schon ein Wort? Ein Laut im Rede-Schwall. Wie viele Worte sagen und hören wir täglich?! Belanglose Worte, Redensarten, nicht so gemeint, gesagt und dann widerrufen. Mag sein. Doch da sind auch freundliche, liebe, tröstende Worte, die halten, was sie versprechen. Ein Wort kann tief verletzen. Ein Wort kann die reine Glückseligkeit sein. Es kommt viel darauf an, wer es sagt.
Das hat auch dieser königliche Beamte erfahren, von dem Johannes erzählt. Er ist nicht nur Beamter, ein Mann der Gesetze und Vorschriften, den andere um Hilfe bitten. Er ist hier vor allem ein Vater, der sich um sein krankes Kind sorgt. Dessen Wohl und Wehe lässt ihn alle Bedenken und Vorschriften vergessen. Als er hört, dass Jesus kommt, geht er zu ihm und bittet ihn, zu seinem todkranken Sohn zu kommen. Er, der sonst die Leute zu sich zitiert, geht selbst los und wird zum Bittsteller. Jesus hält ihn hin. Doch der königliche Beamte lässt nicht locker. Es ist wirklich dringend: Mein Kind stirbt!
Jesus entlässt ihn mit einem Wort; mehr nicht. Welche Enttäuschung! Kein: Dann wollen wir schnell gehen. Kein: Natürlich helfe ich Dir! Nur ein Wort: Geh hin, dein Sohn lebt! Was für eine Zumutung! Ja, er mutet ihm viel zu.
Doch der Mensch nimmt im Mut zu, nicht im Mut der Verzweiflung, sondern im Mut zum Glauben. So geht er mit leeren Händen, aber mit einem Herzen voller Vertrauen.
Diesem einen Wort schenkt er seinen Glauben. Er geht über die Brücke, die das Wort ihm baut. Es versichert ihn des Lebens. Es gilt unbedingt, ohne Bedingungen. Es trägt. Es hält, was es verspricht. Mein Sohn wird leben.
Dieses Wort ist für uns Mensch geworden in dem Kind in der Krippe, dessen Geburt wir zu Weihnachten gerade gefeiert haben. Wie gut, dass es mit seiner einladenden Zumutung zum Glauben mitten unter uns ist.
Unser Autor
Roland Springborn
lebt als Pastor i.R. in Greifswald.
Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.