Donald Trumps Kontakt zu Religionsvertretern

Stets offene Türen für evangelikale Christen

Der US-Präsident hat seine Türen weit für evangelikale Kirchenführer geöffnet. Andere Religionsgemeinschaften bekommen wenig bis keinen Zutritt ins Weiße Haus.

Ins Weiße Haus kommen nicht alle Religionsgemeinschaften

Ins Weiße Haus kommen nicht alle Religionsgemeinschaften Foto: Matt H. Wade / Wikimedia Commons

von Thomas Spang

Washington. Patrick Carolan erinnert sich noch sehr genau an die beiden Amtsperioden von Barack Obama. In den acht Jahren traf sich der Exekutivdirektor des "Franziskanischen Action Netzwerks" regelmäßig mit Mitarbeitern des 44. US-Präsidenten. Seit Donald Trump im Weißen Haus residiert, wird Carolan nicht mehr vorgelassen.

Die amtierende Regierung interessiert sich nur am Rande für die Umweltfragen, die dem Netzwerk des Franziskanerordens am Herzen liegen. "Wir haben noch nie zu irgendeinem Treffen eine Einladung erhalten", sagt Carolan. Das ist auch im Vergleich zu früheren Republikanern wie George W. Bush ungewöhnlich. Nie zuvor habe ein Präsident sich so einseitig informieren lassen.

Die Erfahrung des Ausgeschlossen-Seins machen auch andere religiöse Organisationen. Allein für Evangelikale findet sich stets ein Ansprechpartner im Weißen Haus, zuweilen der Präsident höchstpersönlich. Der "National Catholic Reporter" wittert Methode hinter der Ausgrenzung. Als Beleg zitiert die Zeitschrift eine Einladung zum interreligiösen Dialog im Dining Room des Weißen Hauses, die nur evangelikale Kirchenführer erhielten.

Muslime lehnen Einladung ab

Zu Beschwerden über eine privilegierte Behandlung einer einzelnen religiösen Gruppe erklärte die Regierung gegenüber dem "Religions News Service", man setze sich weiterhin "für die Belange von hunderten von Glaubensführern und zu verschiedenen Themen ein, die sich direkt auf ihre Gemeinschaften auswirken".

Grundsätzlich belastet ist das Verhältnis der muslimischen Gemeinschaft zur US-Regierung. In den ersten Monaten der Amtszeit Trumps herrschte absolute Funkstille zwischen islamischen Organisationen und dem Weißen Haus. Was auf Gegenseitigkeit beruhte. Aus Protest gegen eine anti-muslimische Politik Trumps sagte etwa der Leiter der muslimischen Gemeinde von Nord-Virginia, Imam Mohamed Magid, noch im Mai eine Einladung ins Weiße Haus zum nationalen Gebetstag ab. Derweil gibt es zumindest bei einigen Ministerien einen Austausch mit US-Muslimen. Darunter auch ein Treffen mit dem US-Botschafter für internationale Religionsfreiheit, Sam Brownback, über die Notlage der muslimischen Rohinga-Minderheit in Birma.

Besser ergeht es den Repräsentanten der jüdischen Gemeinden. "Unabhängig davon, wer im Weißen Haus regiert, konnten wir immer sicherstellen, dass die reformierte jüdische Bewegung einen Platz am Tisch hat und unsere Anliegen mit Respekt berücksichtigt werden", sagte der Direktor des "Religious Action Center of Reform Judaism", Rabbi Jonah Dov Pesner.

Keine Probleme für Orthodoxe Juden

Mehr Aufmerksamkeit erhält allerdings die Orthodoxe Jüdische Gemeinde Amerikas, der Trumps Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner angehören. Nathan Diamant, Exekutiv-Direktor der Union orthodoxer Gemeinden, lobt Trumps Einladung zum jüdischen Lichterfest, zum Nationalen Gebetstag im Rosengarten und eine Telefonkonferenz vor dem jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana.

Ganz andere Erfahrungen machen die Sikhs. Die Kontakte mit dem Weißen Haus seien "sehr begrenzt bis praktisch nicht existierend", sagt der Führer des Sikh-Rates, Kavneet Singh. "Wir haben versucht, die Trump-Regierung zu kontaktieren, aber ohne Erfolg."

Was die Evangelikalen sagen

Die evangelikalen Christen möchten ihrerseits von einer Sonderbehandlung nichts wissen. Johnnie Moore, der als inoffizieller Sprecher der Evangelikalen diente, die für Trump im Oval Office gebetet haben, behauptet, er sei Zeuge mehrere Zusammenkünfte mit anderen Religionsgemeinschaften gewesen. "Ich war bei Treffen im Weißen Haus mit katholischen, orthodoxen, protestantischen und evangelischen Christen sowie mit hinduistischen, jüdischen und muslimischen Bürgern und Geistlichen", sagt er.

Der Chef des Franziskaner-Netzwerks, Carolan, beobachtet etwas ganz anderes. Katholiken und andere Religionsgemeinschaften hätten nicht ansatzweise den Zugang zum Weißen Haus, wie ihn die Evangelikalen haben. "Ich kenne keine einzige nicht-evangelikale Organisation, die regelmäßig mit der Trump-Regierung in Kontakt steht." (KNA)

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