Jüdischer Zukunftskongress

Junge Juden debattieren über ihre Zukunft in Deutschland

Zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 treffen sich junge Juden aus Deutschland zu einem Zukunftskongress in Berlin. Die junge Generation will das Land mitgestalten.

In Berlin treffen sich junge Juden, um über ihre Zukunft in Deutschland zu debattieren.

In Berlin treffen sich junge Juden, um über ihre Zukunft in Deutschland zu debattieren. Foto: epd-bild / Christian Ditsch

Berlin. Junge Juden aus ganz Deutschland debattieren seit Montag auf einem mehrtägigen Kongress in Berlin über ihre Zukunft in Deutschland. Zu dem Jüdischen Zukunftskongress unter dem Motto "Weil ich hier leben will?" haben sich nach Veranstalterangaben 1.000 Teilnehmer aus Deutschland und Europa angemeldet. Auf dem Programm stehen Podiumsdiskussionen, Workshops und Zeitzeugengespräche unter anderem zum jüdisch-muslimischen Dialog, zum Jüdischsein außerhalb von Synagogen und Gemeinden oder zu Flucht und Migration 1938 und heute.

Jüdischer Zukunftskongress mit breiter Unterstützung

Als Referenten und Podiumsteilnehmer werden Akteure aus Politik, Wissenschaft und Kunst erwartet. Darunter sind die Antisemitismusbeauftragten von Bundesregierung und EU-Kommission, Felix Klein und Katharina von Schnurbein, Zentralratspräsident Josef Schuster, der Erziehungswissenschaftler und Publizist Micha Brumlik und die Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin, Léontine Meijer-van Mensch. Veranstalter des Kongresses sind neben der Leo Baeck Foundation die Berliner Senatskulturverwaltung und die Bundeszentrale für politische Bildung. Zudem beteiligen sich jüdische und nichtjüdische Institutionen, darunter das Centrum Judaicum, der Zentralrat der Juden, die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschland, die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und der Deutsche Kulturrat.

"Es geht um den Blick nach vorn"

Die Idee, zum 80. Jahrestags der NS-Pogrome vom 9. November 1938 einen Jüdischen Zukunftskongress zu veranstalten, sei bei einem Glas Wein mit dem Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) entstanden, sagte Homolka. Lederer erklärte, Ziel sei es, die klassischen Formen des Gedenkens an den Holocaust zu ergänzen oder "gar aufzubrechen". "Es geht um den Blick nach vorn", sagte der Kultursenator. Die heutige jüdische Community in Deutschland sei bunt und vielfältig und habe eine neue Identität, die sich nicht nur aus dem Rückbezug auf die Schoah entwickelt.

Tragfähige Zukunft gestalten durch Erinnerung

Die Sozialwissenschaftlerin Anastassia Pletoukhina sprach von einem "Spagat zwischen Erinnern und Zukunft", in dem sich junge Juden in Deutschland häufig befänden. Diese Generation suche eine neue Identität, in der das "Narrativ der Opfer" abgelegt werde. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Gideon Joffe, sprach sich für neue Formen des Gedenkens an die NS-Verbrechen aus. Ohne Erinnern sei eine tragfähige Zukunft nur schwer möglich, sagte Joffe. Aber möglicherweise müsste das Gedenken auf weitere Opfergruppen ausgeweitet werden, beispielsweise auch auf die deutschen Opfer der NS-Zeit, um die Mehrheitsgesellschaft mehr mitzunehmen. Ein Gedenken in der bisherigen Form habe keinen Sinn, wenn gleichzeitig der Antisemitismus weiter zunehme. (epd)

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