Ökumenische Essensausgabe in Hannover

Aus der Notlösung ist ein Dauerbrenner geworden

Eigentlich war die ökumenische Essensausgabe in Hannover nur für zwei Jahre geplant. Doch jetzt ist sie in die 30. Saison gestartet. Und längst kommen nicht nur Obdachlose.

Bedürftige bekommen eine warme Mahlzeit

Bedürftige bekommen eine warme Mahlzeit Foto: Diakonie Hannover

von Björn Schlüter

Hannover. Die ökumenische Essensausgabe in Hannover teilt in diesem Jahr zum 30. Mal kostenlose warme Mahlzeiten an Wohnungslose und andere Menschen in Not aus. "Gemeinsam können wir mit dieser Arbeit der Anwalt für die Bedürftigen in unserer Stadt sein", sagte der römisch-katholische Pfarrer Johannes Lim. Bis März wollen ehrenamtliche Helfer rund 16.000 Mahlzeiten ausgeben. Nach Angaben der Initiatoren kommen täglich im Schnitt etwa 190 Menschen. Am Monatsende steige die Nachfrage oftmals rapide an, weil dann bei vielen Menschen das Geld nicht mehr reiche.

Katholische und evangelische Träger haben das Projekt gemeinsam ins Leben gerufen. "Am Anfang waren die Organisatoren davon ausgegangen, dass das Angebot vielleicht ein oder zwei Jahre benötigt würde", sagt der Leiter des Diakonischen Werkes Hannover, Rainer Müller-Brandes. Vor 30 Jahren seien täglich etwa 15 bis 20 Menschen zur Essensausgabe gekommen. "Das ist eine so geringe Zahl, dass man sie sich heute schon gar nicht mehr vorstellen kann." 

Eine Mahlzeit mit Messer und Gabel

Allein in der Landeshauptstadt leben nach Schätzungen 3.000 bis 4.000 wohnungslose Menschen, sagte Müller-Brandes. "Etwa 300 bis 400 übernachten auch zu dieser Jahreszeit auf der Straße. Die Situation dieser Menschen führt uns die Realität in der Gesellschaft vor Augen." Bei der Essensausgabe in den Räumen der Heilsarmee bekämen die Bedürftigen nicht nur Essen und Trinken, sondern fänden auch Ansprechpartner, die ihnen in allen Lebenslagen weiterhelfen. Bis heute wird das Angebot allein durch Spenden finanziert.

Bei der Auswahl der Gerichte legten die Köche wert darauf, "dass die Besucher eine Mahlzeit bekommen, die man mit Messer und Gabel isst", sagte Cord Kelle vom Verein "Kochen für Obdachlose". Niemand solle mit einer dünnen Suppe abgespeist werden. "Außerdem versuchen wir stets, mehr Mahlzeiten bereitzuhalten, damit es auch für einen Nachschlag reicht. Das hat auch etwas mit der Achtung vor den Menschen zu tun." Gekocht wird jeweils tageweise in der Kantine der Norddeutschen Landesbank, im diakonischen Krankenhaus Friederikenstift und in einem Restaurant in der Nähe von Hannover. 

100 Besucher pro Tag

In den ersten Tagen des Dezember hätten bereits jeweils rund 100 Besucher das Angebot genutzt, sagte Sozialarbeiterin Isabelle Rank. "Doch das wird stark anziehen, wenn es sich erst wieder herumgesprochen hat."  Längst sei das Publikum stark durchmischt. Neben Wohnungslosen nähmen auch Arbeitslose, Geringverdiener, Rentner und kranke Menschen das Angebot wahr. "In den vergangenen Jahren haben wir zudem beobachtet, dass auch immer mehr Frauen zu uns kommen." 

Bis zum März 2018 ist die Essensausgabe montags bis sonnabends von 11 bis 13 Uhr geöffnet. Doch Rank betont: "Wenn es im März richtig kalt ist, werden wir auch eine Woche dranhängen." (epd)

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