St. Nikolai in Pasewalk soll wieder genutzt werden

Neues Leben für alte Kirche

Lange stand sie leer, jetzt hat ein Arbeitskreis Großes vor mit der St.-Nikolai-Kirche in Pasewalk. Es soll wieder Leben einziehen: mit Ausstellungen, Konzerten und irgendwann auch Gottesdiensten.

Beim Konzert an diesem Sonntag um 19 Uhr wird die Pasewalker Nikolaikirche prunkvoll illuminiert

von Sybille Marx

Pasewalk. Leuchtende Farben sollen die St.-Nikolai-Kirche Pasewalk fluten, wenn sie an diesem Sonntag, 18. Juli, ihre Pforten zu einem Festkonzert öffnet. Farben, die den Besuchern signalisieren: Diese Kirche ist in neuem Licht zu sehen.

St. Nikolai, ein Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert, war zuletzt nur noch Lagerraum der evangelischen Gemeinde. „Für viele ist diese Kirche aber noch Identifikationsort, weil die Friedensgebete zu DDR-Zeiten von hier ausgingen“, erinnert Pastor Johannes Grashof. 1984 war der Turm der Marienkirche eingestürzt, bis 2000 bildete St. Nikolai darum das Zentrum der Gemeindearbeit. Erst frisch saniert luchste St. Marien ihrer Schwester diesen Rang wieder ab.

Kirche als Heizkraftwerk? Nein, danke!

Rund 10.000 Menschen leben in Pasewalk, darunter 1400 Protestanten. Eine Kirche wäre genug für alle. „Darum gab es immer Überlegungen für eine andere Nutzung von St. Nikolai“, erzählt Grashof, dessen Frau auch als Pastorin arbeitet. „Die waren zum Teil sehr abenteuerlich.“ Ein Heizkraftwerk sollte die Kirche etwa werden. Nicht mehrheitsfähig.

Aber jetzt gibt es in Pasewalk Menschen, die sich einig sind, was aus St. Nikolai werden soll: ein Ort der Bildung, des Gottesdienstes und der Kultur. Und zwar schnell. „In ein paar Jahren ist die Kirche wegen Einsturzgefahr gesperrt, wenn wir nichts tun“, sagt Grashof. Um Ideen und Fördermittel zu gewinnen, hat sich ein Arbeitskreis gegründet, zu dem neben den Grashofs auch die Cellistin und Orchestermanagerin Gertrud Ohse, Mitglieder der katholischen Gemeinde und andere gehören. Gertrud Ohse erzählt: „Ich träume davon, dass wir mit St. Nikolai das Kulturleben in der Region in Schwung bringen und auch der Gemeinde zusätzliche Impulse geben.“

Gottesdienste mit Schülern

Rund 30.000 Euro Fördermittel hat sie für erste Schülerprojekte eingeworben. Auch Konzerte, Führungen, Ausstellungen, Kino und eine Festwoche in St. Nikolai sind geplant, alles unter dem Motto „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland und Europa“. Pastor Grashof will St. Nikolai aber auch als Gottesdienstort wiederbeleben, etwa mit Schülern und Kindergartenkindern hier feiern. Und der Tatsache Rechnung tragen, dass immer mehr Stettiner auf der Suche nach Grundstücken in die Uecker-Randow-Region ziehen. Die ökumenischen Gottesdienste sollen künftig in St. Nikolai stattfinden, auf Deutsch und Polnisch. Auch die anderen Veranstaltungen sollen als zweisprachige Events Deutsche und Polen in Kontakt bringen.

Große Pläne

Und dann schwebt Grashof noch etwas ganz anderes vor: in Pasewalk eine Fachhochschule oder sogar Uni zu gründen, mit Schwerpunkt Pflegemanagement, Tourismus oder anderen regional wichtigen Berufen; getragen von Stiftungen und Unternehmen. So dass St. Nikolai die Aula wäre. „Die Uni Stettin haben wir schon als Partner gewonnen“, erzählt er. Alles weitere ist Zukunftsmusik.

Jetzt hat der Arbeitskreis die Kirche erstmal geräumt und geputzt, damit am Sonntag um 19 Uhr das Konzert „Von Liebe und Finsternis“ erklingen kann. Das Collegium für Alte Musik Vorpommern spielt Werke des jüdischen Komponisten Rossi. „Fantasievoll und träumerisch“, wie Gertrud Ohse beschreibt. Auch eine Stolperstein-Ausstellung wird eröffnet. Das alles in der bunten Kirche – ein Gesamtkunstwerk, sagt Ohse.

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