Einweihung einer Winterkirche mit Altar

Neuer Altar bricht ungeschriebene Regel

In Blankenhagen ist mit dem Einbau eines neuen Altars aus portugiesischem Marmor eine ungeschriebene Regel gebrochen worden: Die Gemeinde sitzt im Winter hinter dem Altar und sieht in Richtung Orgel.

Der neue Altar in Blankenhagen steht "wie ein Fels".

von Marion Wulf-Nixdorf

Blankenhagen. Wie ein Leuchtturm steht der neue Alter aus portugiesischem Marmor im Chorraum der Blankenhäger Kirche, so sagt es Gemeindepastor Stefan Haack . Wie ein Fels, meint Kirchenälteste Kathrin Scheibler aus Poppendorf. Er ist die Mitte des hellen Chorraums, frisch gestrichen sind die Wände, restauriert die Fenster, ein neuer Ringleuchter wirft herrliches Licht. Das Altarkreuz aus Bruchglas kann umgestellt werden. Moderne Innenraumgestaltung, die auf mittelalterliche Gemäuer trifft.

Es ist ein Taufaltar – das war eine der Vorgaben des Kirchengemeinderates an die fünf zur Gestaltung eingeladenen Künstler. Das heißt, die Taufe ist Bestandteil des Altars und nicht, wie meist üblich, ein extra Ausstattungsstück. „Wir mussten mit dem uns im Chorraum zur Verfügung stehenden Platz umgehen“, sagt Pastor Haack. Denn der soll künftig als Winterkirche dienen. Aber der Altar soll auch im Sommer für die ganze Kirche das Zentrum sein. Die Künstler wurden zu einem Kolloquium eingeladen, auf dem ihnen die Wünsche der Kirchengemeinde besprochen wurden.

Neugestaltung bricht mit ungeschriebener Regel

Im Sommer wird die Gemeinde die Gottesdienste im Mittelschiff feiern, das Kreuz aus farbigem Bruchglas steht hinter dem Altar, und die Gemeinde sieht in Richtig Osten. Aber im Winter, von Ewigkeitssonntag bis Palmsonntag – wenn die große neue Glaswand Chor und Mittelschiff teilt – sitzt die Gemeinde vom Mittelschiff aus gesehen hinter dem Altar und sieht in Richtung Orgel im Westen. Damit ist eine ungeschriebene Regel gebrochen, die besagt, die Gemeinde sieht im Gottesdienst in Richtung Altar im Osten. In den meisten Kirchen ist es auch so. Das Kreuz wird dann umgestellt und steht für die Gemeinde hinter dem Altar.

„Mit der neuen Altargestaltung und dem Einbau der Winterkirche waren nicht alle glücklich“, weiß Haack, der seit knapp anderthalb Jahren Gemeindepastor für Blankenhagen und Bentwisch-Volkenshagen ist. Denn Anfang der 2000er Jahre wurden im neben der Kirche stehenden Pfarrhaus die Gemeinderäume saniert und die Gottesdienste im Winter fanden dort in einer sehr ansprechenden Umgebung statt. Musste nun eine teure neue Winterkirche eingebaut werden? Und ein Altar aus portugiesischem Marmor für rund 40 000 Euro? Aber die Meinungen sind – entgegen meiner Annahme – nicht geteilt in „Ureinwohner“ und Neuzugezogene.

So ist Mathias Kröger, der sein ganzes Leben schon in Blankenhagen wohnt, sehr angetan von dem neuen Altar. Und der erst 2003 Zugezogene Günter Dilling aus Hessen ist „nicht ganz so zufrieden“, hat aber dem Entwurf von Matthias Schmidt aus Hamburg zugestimmt. Kritiker wird es immer geben, meint er. Doch die überwiegende Mehrheit ist sehr zufrieden mit der neuen Gestaltung. Fünf Künstler waren eingeladen, einen Entwurf vorzulegen, eine Jury wählte aus und gab eine Empfehlung an den Kirchengemeinderat.

Gemeindeaufbau von unten

Hinter der neuen Gestaltung der Winterkirche mit dem Altar steht ein Gemeindekonzept, berichten die Kirchenältesten. Blankenhagen liegt in einem Zuzugsgebiet. Viele neue Häuser stehen auch auf Kirchenland, was der finanziellen Situation der Gemeinde sehr hilft. Junge Familien ziehen zu, es gibt eine Grundschule und eine Kita in dem kleinen Ort. „Wir wollen Gemeinde bauen, von unten“, sagen die Kirchenältesten. Und so soll die Taufe im Altar ein Zeichen sein. Bei umfangreichen Arbeiten in den 1950er Jahren bis hinein in die 60er Jahre war das Niveau im Chorraum erhöht worden. Der Fußboden ist nun wieder durchgängig ebenerdig und damit auch behindertengerecht. Die Fenster sind restauriert und mit Schutzglas versehen. Das alte neugotische Altarbild von Gaston Lenthe mit der Auferstehung Christi schmückt weiterhin die Nordwand im Kirchenschiff. Die viele Jahrzehnte genutzte neugotische Tauffünte steht jetzt zusammen mit dem Kanzelrest im Eingang zum Chorraum.

Die Winterkirche ist Ausdruck des Gemeindebildes

Gottesdienst soll im ganzen Jahr in der Kirche gefeiert werden. (Kirche als ein freundlicher, einladender, wohltuender Raum, den die Menschen neu ins Herz schließen, Lieblingsort … nun im Sommer immer offen und viel besucht!! …; früher war die Blankenhäger Kirche als ausgesprochen eisigkalte zugige Kirche bekannt). Ein besonders schöner Effekt: Schiebt man die neue Glaswand zwischen Kirchenschiff und neuer Winterkirche zu, spiegelt sich das Altarfenster mit dem Pfingstthema von Lothar Mannewitz aus den 1960er-Jahren in der Glaswand. Zum Einweihungsgottesdienst am Sonntag, 20. Juni, um 15 Uhr, wird Bischof im Sprengel Tilman Jeremias erwartet.

Nach dem Bau ist vor dem Bau

Die Vorbereitung des II. Bauabschnittes läuft auch Hochtouren. Kürzlich bekam die Gemeinde 372 000 aus dem Denkmalschutzsonderprogramm des Bundes. Gehörte in den ersten Bauabschnitt mit einem Finanzvolumen von knapp 290 000 Euro die komplette Sanierung des Chorraumes samt Einbaus einer Fußbodenheizung, sollen nun im zweiten Bauabschnitt, der rund 800 000 Euro kosten wird und 2022 beginnen soll, der Dachstuhl über dem Schiff gesichert, das Dach neu eingedeckt und auch der Innenraum saniert werden. Die Kirchengemeinde ist dankbar für alle finanzielle Hilfe. Eine Finanzierungslücke bleibt noch zu schließen, dafür wird es im Herbst eine großangelegte Spendensammelaktion geben. Wenn noch Geld übrig ist, könnte auch der Turm gestrichen werden. Außerdem, dies ist ein besonderer Wunsch des Vorsitzenden des 2016 gegründeten Fördervereins, Fritz Panke, soll eine Lautsprecheranlage installiert werden.

Seit 2020 gehört Blankenhagen zum Pfarrsprengel Rostocker Heide aus den Kirchengemeinden Bentwisch-Volkenshagen sowie Graal-Müritz und Rövershagen. Zur Kirchengemeinde Blankenhagen, die mit der Kirchengemeinde Bentwische-Völkenshagen vereinigt ist, gehören rund 430 Mitglieder (zusammen mit Bentwisch ca. 1000). Gottesdienste werden in Blankenhagen mindestens 14-tägig gefeiert, in den Kapellen in Gelbensande und Gresenhorst alle sechs bis acht Wochen und in der mittelalterlichen Kirche in Dänschenburg etwa sechswöchentlich. Im Winter finden Gottesdienst nur in Blankenhagen und Dänschenburg statt. In Bentwisch ist ebenfalls vierzehntägig Gottesdienst und in Volkenshagen etwa vierwöchentlich.

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