Einsichten – die christliche Kolumne

Neue Wege wagen

Über eine Bibelstelle, die wie eine Sirene schrillt, schreibt Cornelia Götz. Sie ist Dompredigerin in Braunschweig.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.“ aus Matthäus 7, 24-27

Als ich die Zusage für diesen kleinen Text gegeben habe, lag der Sommer verheißungsvoll vor uns: mit leuchtend gelben Getreidefeldern und Pfifferlingen im dunklen Moos, dem glitzernden grünblauen Meer.

Der Predigttext für den 1. August hätte dann freundlich wie ein Leuchtturm geblinkt: Achtung, nicht leichtfertig werden! Verspielt nicht den Herbst für die Schulkinder! Seid vorsichtig! Nehmt euch zu Herzen, dass Jesus Christus sagt: „Wer diese meine Rede – die Bergpredigt! – hört und tut sie, der gleicht einem klugen Menschen, der sein Haus auf Feld baute.“ Pass also auf, dass das, was du tust, barmherzig ist und sanftmütig, gerecht und zukunftstauglich! Verschwende keine kostbaren Ressourcen, weil du unbedacht und kurzsichtig bist, sondern gestalte deine Welt mit Verstand und Liebe, voller Achtsamkeit für deine Mitschöpfung – so, dass auch deine Kinder da noch wohnen können!

Lange Entbehrungen

So hätte es nachts herüber geblinkt, und tagsüber hätten wir das Leben nach den langen Entbehrungen geliebt. Aber jetzt schrillt der Text wie eine Sirene und hämmert uns rund um die Uhr ein: Wen Jesu Rede nicht berührt und verändert, dessen Lebenshaus ist auf Sand gebaut, denn: „…  als nun der Platzregen fiel und die Wasser kamen und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.“ So ist es inzwischen gekommen. Der Regen fiel und hat Menschen und Häuser mitgerissen. Es traf nicht die, die leichtfertiger sind als wir. Es traf die, die sind wie wir und nur fast hinhören, nur beinahe danach leben.

Damals, „als Jesus das sagte, erschraken sich die Menschen“. Erschrecken wir uns jetzt? Fangen wir jetzt an, zu hören und danach zu leben, klug zu bauen?

Hoffentlich! In genau dieser Rede heißt es doch auch: „Bittet, so wird euch gegeben. Das sollten wir jetzt tun für alle, über die das Wasser kam und endlich neue Wege wagen, denn: „Suchtet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wir euch aufgetan.“

Unsere Autorin
Cornelia Götz ist Dompredigerin in Braunschweig.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.

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