Einsichten – die christliche Kolumne

Neue Körner

Über Verzicht und das, was daraus erwächst, schreibt Albrecht Jax. Er ist Pastor der Münstergemeinde in Bad Doberan in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Johannes 12, 24

Viele Menschen in meinem Umfeld haben schon vor Wochen überlegt, welche Art von Fasten sie in diesem Jahr für sich wählen, worauf sie verzichten werden. Mich hat dieses Überlegen erst mal eher widerständig gemacht, muss ich doch zur Zeit sowieso auf so vieles verzichten. Die Einschränkungen sind so massiv, sie betreffen ja nicht nur die lieb gewordenen Gewohnheiten, sondern gehen für viele Menschen an die Substanz.

Ich halte es dennoch für not-wendig (nämlich die Not wendend), nicht einfach auf mein Recht zu pochen. Ich verzichte auf einen Teil meiner Freiheit, ja. Ich verzichte auf das Recht, hinzugehen oder hinzufahren, wohin und wann immer ich will. Ich verzichte darauf, mich zu treffen, mit wem ich will. Ich verzichte darauf, zu konsumieren, was ich will. Es geht nicht mehr darum, was ich will, sondern darum, was auch für alle anderen gut ist. So kann Verzicht letztendlich sogar Leben retten.

Was das Leben rettet

Und mich beschleicht seit Längerem immer stärker die Einsicht: Ganz grundlegend kann nur Verzicht das Leben retten. Vor diesem Hintergrund lese ich dieses altbekannte Bibelwort vom Weizenkorn zum Sonntag Laetare­, dem kleinen Osterfest.

Jesus sagt diesen Satz, bevor er in Jerusalem seinem Tod entgegengeht. Er wird verraten und von allen verlassen werden, man wird ihm keinen gerechten Prozess machen. Man wird ihn demütigen, foltern und am Ende des Tages töten. Und es wird niemand kommen, um ihn – den Sohn Gottes – zu befreien.

Jesus wird auf alles verzichten, auch auf alle Beweise von göttlicher Allmacht und Stärke. Er wird ganz unten sein. Ganz allein. Und: Er wird sterben. Das Weizenkorn liegt allein, ganz tief unten in der Erde. Es vergeht – löst sich auf –, damit etwas Neues entstehen kann: ein kleiner Keim, ein grüner Halm, am Ende eine Ähre voller neuer Körner. Es sind viele. Und: Sie werden leben!

Unser Autor
Albrecht Jax ist Pastor der Münstergemeinde in Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern).

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.

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