Hossa und Halleluja

Wie eine Hamburger Gemeinde einen Gottesdienst zum Schlagermove feiert

Ein Pastor mit Blumenschmuck und eine bunte Gemeinde: In Hamburg-Winterhude wird am Vorabend des Schlagermove ein Schlager-Gottesdienst gefeiert. Auch die Predigt soll sich mit dem Thema des Abends beschäftigen.

Auch im vergangenen Jahr wurde auf dem Schlagermove kräftig gefeiert

Auch im vergangenen Jahr wurde auf dem Schlagermove kräftig gefeiert Foto: Henning Angerer

von Timo Teggatz

Winterhude. Den Talar lässt er im Schrank. Für den Gottesdienst am Freitag, 13. Juli, zieht Pastor Matthias Liberman eine Albe an – „vielleicht mit etwas Blumenschmuck verziert“, wie er sagt. Das passt zum Thema des Abends: Denn der Theologe feiert in der Winterhuder Epiphanienkirche einen Schlager-Gottesdienst, und das am Vorabend des Schlagermove. Deshalb heißt es in der Kirche nicht nur „Halleluja“ – sondern auch „Hossa“.

Gesungen werden in dem Gottesdienst keine klassischen Kirchenlieder, sondern ausschließlich Schlager, erzählt Liberman. Die Orgel wird schweigen, Kantorin Irene Otto nimmt an einem Flügel Platz. Auch das Kyrie und das Gloria werden mit Hits aus der Schlagerwelt begangen. Zum Kyrie soll „Merci“ von Udo Jürgens erklingen, ein Lied, das von Scheitern und dem Ende einer Beziehung erzählt und deshalb für Liberman geeignet ist. Und zum Gloria soll es „Wunder gibt es immer wieder“ von Katja Ebstein geben. „Wunder haben immer mit Gott zu tun“, begründet der Pastor seine Wahl. 

Religiöse Motive in Schlagern

In der Predigt will Liberman ebenfalls ein Thema behandeln, das im weitesten Sinne aus einem Schlager stammt. Passend zur Fußballweltmeisterschaft soll die Gemeinde als Predigtlied „Er steht im Tor“ von Wencke Myhre anstimmen, die in dem Schlager auch über ihren „Schatz“ singt. Deshalb will der Pastor über Schätze sprechen.

Entstanden ist die Idee „aus einer Sektlaune“ heraus, wie Liberman sagt. Bei einer Veranstaltung der Winterhuder Kirchengemeinden sei man ins Gespräch gekommen und irgendwann bei der Idee gelandet, einen Schlager-Gottesdienst zu veranstalten. Der Weg zum Vorabend des Schlagermove in St. Pauli sei dann naheliegend gewesen. 

Und so findet der Gottesdienst nun in der Epiphanienkirche statt, die zu Libermans Nachbargemeinde gehört. Schlager und Gottesdienst, das passt für Pastor Liberman durchaus zusammen. „Schlager haben oft religiöse Motive“, sagt er und nennt als Beispiel Liebe und die Sehnsucht nach einem geglückten Leben.

"Verrückte Atmosphäre"

Die Stimmung während des Gottesdienstes müsse nicht so getragen sein wie üblich, sagt der Theologe. „Wir wollen nicht mit einem „Hossa“ durch die Kirche ziehen, aber wenn es fröhlich und ausgelassen zugeht, dann haben wir einen Nerv getroffen“, sagt der Pastor, der selbst auch schon mal den Schlagermove besucht hat und von der „verrückten Atmosphäre“ begeistert war. Nach dem Gottesdienst steigt in der Kirche eine Schlager-Party. Die Stühle werden einfach beiseite geschoben, sodass eine Tanzfläche entsteht. 

Mit dem Gottesdienst möchte Liberman Menschen aus Kirchengemeinden genauso ansprechen wie Leute, die mit Kirche bislang nichts am Hut haben. Er setzt dabei auf den Überraschungseffekt. „Wenn diese Menschen kommen und sagen: „Wow, auch das ist Kirche!“, haben wir etwas erreicht.“

WAS: Gottesdienst zum Schlagermove
WANN: am Freitag, 13. Juli, um 19 Uhr
WO: Epiphanienkirche, Großheidestraße 44, in Hamburg-Winterhude

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Top-Thema

Am Buß- und Bettag lädt die Evangelische Jugend Hamburg zum Nachdenken über Leben und Tod ein. Beim diesjährigen Jugendtag rechnen die Organisatoren...

Top-Thema

Ulrike Hillmann ist neue Präses, der Haushalt ist beschlossen und ein Abschied vollzogen – das war wichtig auf der Synode der Nordkirche.

Mecklenburg-Vorpommern

Zum Abschluss der ersten Veranstaltungsreihe zum antijüdischen Relief von Bützow predigt der Schweriner Bischof Andreas von Maltzahn in einem...