Niedersachsen

Weniger Christen wählen ihren Kirchenvorstand

Bei den Kirchenwahlen in Niedersachsen ist die Beteiligung gesunken. Doch es gibt auch einen Lichtblick: Viele junge Erstwähler gaben ihre Stimme ab.

Foto: Mikko Lemola / Fotolia

Hannover/Oldenburg. In Deutschlands größter evangelischer Landeskirche haben sich weniger Menschen an den Kirchenvorstandswahlen beteiligt als vor sechs Jahren. Gegenüber 2012 sank die Wahlbeteiligung in der hannoverschen Landeskirche von 18,6 Prozent um 3,3 Prozentpunkte auf 15,3 Prozent, teilte die Landeskirche in Hannover mit.

Ein starkes Zeichen gegen diesen Abwärtstrend setzten nach Angaben eines Sprechers die 14- und 15-Jährigen, die erstmals wählen durften: Von den knapp 9.400 Jugendlichen gaben mehr als 35 Prozent ihre Stimme ab. Insgesamt gingen von den rund 2,2 Millionen wahlberechtigten Gemeindemitgliedern mehr als 343.000 zur Wahl. Landeskirche und Gemeinden versuchten mit vielen Aktionen, jugendliche Erstwähler an die Urne zu locken.

Landesbischof Ralf Meister dankte "den vielen kreativen und hochmotivierten Kirchenmitgliedern", die er bei seinen Besuchen im Vorfeld der Wahl und am Wahltag selbst erlebt habe. "Leider schlägt sich dieses Engagement nicht in der Wahlbeteiligung nieder. Wir werden jetzt sorgfältig schauen, wo die Gründe für dieses Ergebnis liegen", sagte der Theologe. Besonders hob der Bischof die Wahlbeteiligung der Jugendlichen hervor, die wesentlich über der durchschnittlichen Beteiligung gelegen habe.

Briefwahl auf Probe

Die Landeskirche umfasst drei Viertel Niedersachsens. Mit 21,8 Prozent sei der Anteil der Briefwähler im Vergleich zu vor sechs Jahren mit 16,1 Prozent deutlich gestiegen. Ein Grund dafür sei die allgemeine Briefwahl, die zum ersten Mal probeweise in 55 der mehr als 1.260 Kirchengemeinden angeboten wurde, hieß es. Von den insgesamt knapp 10.000 Kandidaten wurden mit 58,3 Prozent 3.913 Frauen gewählt. Damit stieg der Frauenanteil um 1,2 Prozent. Die höchste Wahlbeteiligung verzeichne der Sprengel Hildesheim-Göttingen mit 18,6 Prozent. Dahinter folgten Lüneburg (15,5 Prozent), Hannover (14,6 Prozent), Stade (14,5), Osnabrück (13,9 Prozent) und Ostfriesland-Ems (13,3 Prozent).

Auch in der oldenburgischen Kirche ist die Beteiligung an den Wahlen gesunken. Gegenüber 2012 verringerte sie sich um 2,93 Prozentpunkte auf 11,28 Prozent, teilte Pressesprecher Dirk-Michael Grötzsch mit. Von 369.365 wahlberechtigten evangelischen Kirchenmitgliedern beteiligten sich am Sonntag rund 41.669 an der Wahl der Gemeindekirchenräte, die in anderen Landeskirchen auch Kirchenvorstände genannt werden. Von den rund 9.000 wahlberechtigten Jugendlichen unter 16 Jahren gaben 1.058 ihre Stimme ab. Das sind 11,76 Prozent. Die Zahl der Briefwähler sei mit 16,6 Prozent in etwa gleich geblieben. Der Vertreter im Bischofsamt, Oberkirchenrat Thomas Adomeit, würdigte das große Engagement der Kirchengemeinden: "Viele evangelische Christinnen und Christen fühlen sich mit ihrer Kirchengemeinde eng verbunden."

Die Aufgaben der Kirchenvorstände

Zum ersten Mal konnten am Sonntag die rund 3,1 Millionen wahlberechtigten Mitglieder aller fünf niedersächsischen Kirchen von Braunschweig, Hannover, Oldenburg, Schaumburg-Lippe und der reformierten Kirche ihre Stimmen am gleichen Tag abgegeben. Es kandidierten rund 20.000 Bewerber für die rund 16.000 Ämter in den kirchlichen Leitungsgremien. Pastoren sind von Amts wegen Mitglieder in den Vorständen. Die Kirchenvorsteher oder Presbyter stellen Mitarbeiter ein, geben Gebäudesanierungen in Auftrag, beschließen den Haushalt oder kümmern sich um Kindergärten und Friedhöfe. Gewählt werden sie derzeit für sechs Jahre. (epd)

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