Melanie Ludwig, Urlauberpastorin in der Propstei Neustrelitz, im Interview

Was macht eine Tourismuspastorin eigentlich im Winter?

Die Theologin kümmert sich um die Betreuung der Pilgerwege, Kontakte zu Campingplätzen – und hat auch in der kalten Jahreszeit viel zu tun.

Tourismuspastorin Melanie Ludwig

Tourismuspastorin Melanie Ludwig Foto: Nicole Kiesewetter

Frau Ludwig, was macht eine Tourismuspastorin im Winter?

In meinem Fall: Sie kümmert sich um die Kirchengemeinde Stuer, die sie ebenfalls betreut! Außerdem bin ich dabei, die neue Tourismussaison zu planen.

Was steht auf dem Programm?

Unter anderem möchte ich die Campingplatz-Seelsorge ausweiten. Im vergangenen Jahr habe ich bereits mit Gute-Nacht-Geschichten auf dem Campingplatz Boek an der Müritz angefangen. Ich wollte ein niedrigschwelliges Angebot für Kinder schaffen. Also habe ich an ein Lagerfeuer eingeladen, wir haben Lieder gesungen, Stockbrot gebacken und ich habe Geschichten erzählt und die Kinder mit Themen des Glaubens in Berührung gebracht.

Wie haben die Campingplatz-Besucher auf Sie reagiert?

Zuerst haben die Erwachsenen ein wenig skeptisch geschaut, wo ihre Kinder da hingehen und haben sich das angesehen. Manche sind dann gleich selbst mit dort geblieben. Beim zweiten Abend kamen schon mehr Kinder. In dieser Atmosphäre sind sehr intensive Gespräche mit den Kindern entstanden. Die Kinder öffnen sich, erzählen von sich und ihren Sorgen, beispielsweise von dem sterbenden Großvater. Hier kann Seelsorge stattfinden.

Als Tourismuspastorin sind Sie auch für den „Pilgerweg Mecklenburgische Seenplatte“ zuständig, den es seit 2011 gibt. Was gibt es da Neues?

Der Pilgerweg ist ein Gemeinschaftsprojekt des Landeskreises Mecklenburgische Seenplatte, des Müritz-Nationalparkamts und der Propstei Neustrelitz. Mitarbeitende aus allen drei Bereichen haben sich in einer Arbeitsgemeinschaft zusammen gefunden und unterstützen teilweise ehrenamtlich das Projekt. Wir treffen uns drei- bis viermal im Jahr in Neustrelitz, um anstehende Aufgaben zu besprechen. Dazu gehören beispielsweise die Kontrolle der ausgewiesenen Strecken und die Suche nach weiteren Quartiergebern. Ab diesem Jahr planen wir eine engere Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte mit Sitz in Röbel.

Wie soll das konkret aussehen?

Wir schauen: was macht ihr, was können wir anbieten? Der Tourismusverband hat, was Werbung und Öffentlichkeitsarbeit angeht, ganz andere Möglichkeiten als wir. So kann beispielsweise unser Angebot „Kirchenpilgern“, also das Pilgern zu drei oder vier Kirchen, viel besser beworben werden.

Der Pilgerweg als ein Angebot des Tourismusverbandes?

Es geht vor allem um Infrastruktur. Ich bin ja weiterhin für das christliche Profil des Pilgerwegs zuständig. Inhaltliche Anfragen oder Fragen zur Pilgerbegleitung kommen weiterhin an mich. Wir haben schließlich etwas zu bieten, was die anderen nicht haben.

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