Preisgekrönte Grüne Damen aus Hamburg-Eimsbüttel.

Mit viel Zeit für die Patienten

In ihrer Freizeit kümmern sie sich um das Wohl der Patienten: Evelyn Brumder und die anderen "Grünen Damen" aus dem Klinikum in Hamburg-Eimsbüttel. Jetzt haben sie sogar einen Preis gewonnen.

Evelyn Brumder besucht Patientin Margarethe Schirmer

Evelyn Brumder besucht Patientin Margarethe Schirmer Foto: Friederike Lübke

von Friederike Lübke

Hamburg. Evelyn Brumder muss noch schnell eine Zeitung kaufen. Der Patient in Zimmer 22 wartet. Mit der Bild-Zeitung in der Hand schlüpft sie rasch in sein Zimmer. Auf den Fluren des Agaplesion-Diakonieklinikums ist es noch ruhig, als sie im Anschluss daran zu ihrem Aufenthaltsraum läuft. An einer Kleiderstange hängen dort mintgrüne Kittel, wie auch Brumder einen trägt. 

Brumder ist eine „Grüne Dame“. Sie besucht Patienten, macht kleine Besorgungen für sie und begleitet sie auf Spaziergänge. Entweder sie fragt im Schwesternzimmer nach, wer sich über einen Besuch freuen würde, oder sie geht von Zimmer zu Zimmer, stellt sich vor und fragt: Wie geht es Ihnen? 

Jedes Mal neuer Kummer

36 Ehrenamtliche arbeiten als „Grüne Damen“ und „Grüne Herren“ im Diakonieklinikum in Eimsbüttel. Die meisten sind schon in Rente, so wie Evelyn Brumder, denn ihr Dienst findet vormittags von 9 bis 12 Uhr statt, wenn die Patienten noch keinen Besuch haben. An jedem Tag sind mindestens zwei aus dem Team im Krankenhaus, sogar am Wochenende. Mittwochs bringen grüne Damen die Patienten zur wöchentlichen Andacht, donnerstags richten sie das Patientencafé aus. 

„Wir sind Zeitspender“, sagt Evelyn Brumder. Häufig sagen Patienten zu ihr: „Sie haben bestimmte keine Zeit mehr.“ Dann freut sie sich, wenn sie ihnen versichern kann, dass sie es überhaupt nicht eilig hat. Manche Patienten sprechen über Sorgen oder Ängste, mit denen sie ihre Familie nicht belasten wollen. Andere müssen sich einfach einmal ausweinen. „Es ist ein Geschenk, wenn sich jemand öffnet“, sagt Brumder. Ihre Aufgabe ist es vor allem zuzuhören. Viele Patienten sind nur für wenige Tage im Krankenhaus. Jedes Mal werden die Ehrenamtlichen mit neuen Lebensgeschichten, neuem Kummer konfrontiert.

Nicht jeder kann das. Deshalb kommen alle, die sich für die Aufgabe interessieren, zuerst zu einem Vorgespräch und werden drei Monate eingearbeitet. So können sie in den Dienst hineinwachen – oder schnell merken, wenn er doch nicht zu ihnen passt. Neulich musste eine Frau aufhören, weil ihr die Arbeit zu nah ging.

Überrascht vom Preis

„Ich kann mich ganz gut abgrenzen. Wenn ich aus dem Haus gehe, lasse ich alles hier“, sagt Brumder. Vor zwölf Jahren hat sie als „Grüne Dame“ angefangen, damals noch im Elim-Krankenhaus, das 2011 in der neugebauten Agaplesion-Klinik aufging. Als sie als Lehrerin in den Ruhestand ging, wusste sie, dass sie sich in der neu gewonnen Freizeit engagieren wollte. Sie probierte verschiedenes aus, auch die Arbeit als Grüne Dame: „Nach der Hospitaion wusste ich: Das ist es“, sagt sie. Heute gehört sie zum Leitungsteam. 

Daher hat sie für ihr Team auch den Eimsbütteler Bürgerpreis entgegen genommen, den die Ehrenamtler in diesem Jahr bekommen haben. Agaplesion-Geschäftsführer Jörn Wessel hatte sie für den mit 2000 Euro dotierten Preis vorgeschlagen. „Wir waren überrascht und sehr angetan“, sagt Brumder. „Wir haben das Gefühl, dass das Krankenhaus hinter uns steht“, sagt sie. Das freue sie.

Der Dienst hat ihren Blick auf Menschen verändert. Manchmal liegt ein Patient mürrisch im Bett, aber sobald er anfängt zu erzählen, wirkt er plötzlich wie ausgewechselt. Seit sie das erlebt hat, überlegt sie manchmal sogar in der U-Bahn oder an der Supermarkt-Kasse, wie sie mit ihrem Gegenüber ins Gespräch kommen könnte. Als „Grüne Dame“ bedeute es ihr viel, wenn Patienten zu ihr sagen: „Wie schön, dass Sie da waren.“ 

Info
Das Team sucht noch Verstärkung. Interessierte können sich an Seelsorgerin Ute Schlemmer unter Tel. 040 / 790 20 10 30 oder per E-Mail unter ute.schlemmer@d-k-h.de wenden.

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