Dorkirche Görmin

Meisterwerk braucht Hilfe

Für das Schnitzkunstwerk in der Dorfkirche Görmin bei Greifswald läuft jetzt eine Spendensammlung – als Crowdfunding-Aktion im Internet. Zwei Stiftungen helfen kräftig mit.

Der Görminer Altar von 1710

Der Görminer Altar von 1710 Foto: Nicole Kiesewetter

von Nicole Kiesewetter

Görmin. Die Kirchengemeinde Görmin bei Greifswald ruft auf der Crowdfunding-Plattform „99 Funken“ zu Spenden für ihren wertvollen barocken Schnitzaltar auf. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Stiftung der Sparkasse Vorpommern für Wissenschaft, Kultur, Sport und Gesellschaft unterstützen die Restaurierung des Altars zunächst mit einer umfänglichen Grundförderung, die nicht näher beziffert wurde. Zusätzlich legen sie auf jeden gespendeten Euro gleich zwei oben drauf.

Ziel ist es, 2000 Euro bis Mitte Februar zu erreichen, „denn das ist die Summe, bis zu der die beiden Stiftungen verdreifachen“, erläutert Gemeindepastor Irmfried Garbe. Auf der Projekt-Webseite werden die Details erklärt.

Glanzstück der Barock-Kunst

Der Görminer Altar mit seinen Holzfiguren ist nach Garbes Worten „ein Glanzstück der vorpommerschen barocken Schnitzkunst“. In seinen drei Registern erzählt das Retabel die Passionsgeschichte Jesu. Es entstand 1709 in der Werkstatt des Stralsunder Kunsttischlermeisters Hans Broder. Seit längerem besteht die Vermutung, dass auch der bedeutendste Barockschnitzer Pommerns, Elias Keßler (um 1685 bis 1730), daran arbeitete.

Stilistisch weisen mehrere der geschnitzten Figuren darauf hin, vor allem die beiden Marien unter dem Kreuz. Auf dem zentralen Gemälde ist die Abendmahlsszene dargestellt, darüber das Gebet im Garten Gethsemane und – alles bekrönend – eine geschnitzte Kreuzigungsgruppe. Die vier Evangelisten stehen an und über den Säulen.

Der Altaraufsatz gilt als das kostbarste Ausstattungsstück der Kirche. Keßler lernte sein Handwerk bei dem berühmten Architekten Andreas Schlüter, der das Berliner Schloss entwarf.

Einsatz von Ehrenamtlichen

„Neben mehreren Engeln zeigen besonders die vier vollplastischen Evangelisten eine expressive Wirkung, wie sie selten angetroffen wird“, beschreibt Irmfried Garbe das Besondere des Altars. Doch Holzwurmfraß und verschiedene Übermalungen haben ihre Spuren hinterlassen, lose Holzteile fallen immer wieder herab. „Noch ist der Verfall zu stoppen, wenn die Restaurierung zeitnah erfolgt“, sagt Garbe. Nachdem ihm zunächst einige Stiftungen eine Förderabsage erteilt hatten, sei er „begeistert“ gewesen, als das Signal kam, dass die Sparkassen-Stiftungen die Kirche fördern und ein gemeinschaftliches Pilotprojekt auf der Crowdfunding-Plattform „99 Funken“ starten möchten. „Davon hatte ich schon etwas gehört, aber bisher hatten wir uns damit noch nicht beschäftigt. Das ist Neuland für uns“, sagt Garbe.

Auch für die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Stiftung der Sparkasse Vorpommern ist es ein Pilotprojekt. Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, sagt: „Es gehört zu den schönsten Aufgaben der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, die Kulturschätze im ländlichen Raum Vorpommerns wieder zum Strahlen zu bringen. Wir engagieren uns für die meisterlichen Holzfiguren und historischen Schnitzereien in Görmin vor allem auch deshalb, weil sich vor Ort viele Ehrenamtliche in beispielgebender Weise einsetzen.“

Neue Wege

Thomas Metzke von der Sparkasse Vorpommern betont, es sei wichtig, sich in allen Bereichen neue Wege zu erschließen: „Die Sparkasse Vorpommern schafft seit März 2018 mit ihrer Regionalplattform auf ‚99 Funken‘ die technischen Voraussetzungen dafür, dass gemeinnützige Einrichtungen in der Region ihre Projekte vorstellen und von der Crowd – also einem ‚Schwarm‘ an vielen Unterstützern – Spenden einsammeln.“

Dieser zeitgemäße und digitale Weg des Spendensammelns steht allen gemeinnützigen Einrichtungen in der Region offen und biete „auch einer altehrwürdigen Einrichtung wie einer Kirchengemeinde viele Chancen“. 

Damit sich die Görminer und ihre Gäste bald über einen restaurierten Altar freuen können, ist nun Spendenbereitschaft gefragt. Insgesamt werden rund 22 000 Euro für die Restaurierung gebraucht, im kommenden Sommer sollen die Arbeiten starten.

Info
Auch offline kann gespendet werden:
Name des Kontoinhabers: 99 Funken Crowdfunding
IBAN: DE64 3005 0000 7060 5064 12
BIC: WELADEDDXXX
Verwendungszweck: Restaurierung des Barockaltars in der Kirchengemeinde Görmin + Name mit Adresse für die Spendenbestätigung.

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