EKD-Kulturbeauftragter Johann Hinrich Claussen

"Kulturelle Integration ist wichtige Aufgabe für 2018"

Was den Kultubeauftragten der EKD für 2018 bewegt, hat er in einem Gespräch verraten.

Johann Hinrich Claussen

Johann Hinrich Claussen Foto: Norbert Neetz / epd

von Renate Kortheuer-Schüring

Frankfurt a.M. Die kulturelle Integration vieler Flüchtlinge ist nach Ansicht des Kulturbeauftragten der evangelischen Kirche, Johann Hinrich Claussen, eine der wichtigsten Aufgaben für 2018. Dabei gehe es nicht nur um "Heimatpflege", sondern darum, die Gesellschaft zu gestalten, sagte Claussen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bereits für Anfang Januar sei ein Gespräch mit dem Deutschen Kulturrat darüber geplant, wie dies praktisch umgesetzt werden könne.

Für die Kirche sei dabei die Religionskultur von zentraler Bedeutung. "Religion darf in Deutschland öffentlich sichtbar sein, sie ist Teil der Gesellschaft. Sie hat aber auch die Aufgabe, sich als sozialverträglich und nützlich zu erweisen", sagte der Hamburger Theologe. Die Herausforderung, vor der Kirchen und Gesellschaft stünden, sei nun, die Religionskultur so zu öffnen, dass "neue Religionsgemeinschaften" mit Rechten und Pflichten daran partizipieren könnten.

Kirchliche Kooperation

Der EKD-Kulturbeauftragte begrüßte die Initiative von Kulturrats-Geschäftsführer Olaf Zimmermann zu einer intensiveren Zusammenarbeit zwischen Kirchen, Kultur und Zivilgesellschaft. Dies sei "erfreulich und sinnvoll", sagte er. "Tolle Begegnungen" während des Reformationsjubiläums vergangenes Jahr hätten gezeigt, "dass es lohnt, wenn Kirche auf die Kultur zugeht", und es umgekehrt der Kultur gut tue, sich mit der Kirche auseinanderzusetzen.

So wollten sich die evangelische und katholische Kirche am Europäischen Kultur-Erbejahr 2018 unter dem Motto "Sharing Heritage" beteiligen. Kerngedanke sei dabei, "nicht aggressiv Heimat gegen Fremdes zu verteidigen", sondern das eigene kulturelle Erbe zu teilen und die kulturellen Schätze Europas ins Bewusstsein zu heben, sagte Claussen.

Ökumenisches Glockenprojekt

Ein ökumenisches "Glockenprojekt" solle auf die "traditionelle akustische Rhythmisierung des Alltags" aufmerksam machen und diese Tradition neu füllen, sagte Claussen. Neben dem Austausch von Klängen und "Soundscapes" in der digitalen Welt, der die Jugend ansprechen solle, sei ein großes bundesweites Glockengeläut geplant. Eine "kleine, feine Sache" sei zudem eine Ausstellung des EKD-Kulturbüros über Kirchennamen mit "Maria" und "Nikolaus". 

Die Kirchen seien gut beraten, ihre Kulturarbeit aufrecht zu erhalten und auszubauen, betonte Claussen. Das Bewusstsein dafür, dass die Kirchen ein Grundbestandteil der europäischen Kultur und das Christentum eine kulturelle Kraft sei, sei in jüngster Zeit deutlich gestiegen, sagte der Theologe mit Blick auf eine kürzliche erschienene Allensbach-Studie. Diese Tendenz zeige auch, dass die Kultur Zugänge zum Christentum eröffne für Menschen, die ansonsten eher kirchenfern seien. (epd)

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