Interreligiöser Dialog der anderen Art

Zur Kieler Woche picknicken die Religionen

Die Schura Schleswig-Holstein, das Erzbistum Hamburg und die Nordkirche laden ein zum interreligiösen Picknick anlässlich der Kieler Woche. Denn Wasser verbindet – nicht nur zum jährlichen Maritim-Spektakel.

Bei der Picknick-Probe (v.l.): Abdullah Emir Öztürk, Özge Güzelhan von der Schura, Pastoren Claudia Bruweleit und Niels-Peter Mahler sowie Gemeindereferentin Anne Koep

Bei der Picknick-Probe (v.l.): Abdullah Emir Öztürk, Özge Güzelhan von der Schura, Pastoren Claudia Bruweleit und Niels-Peter Mahler sowie Gemeindereferentin Anne Koep Foto: Catharina Volkert

von Catharina Volkert

Kiel. Segler aus aller Welt bringt die Förde nach Schleswig-Holstein, wenn Jahr für Jahr die Kieler Woche die Stadt verändert. Einst brachte die Förde auch Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland, die an den Werften arbeiteten. Wasser verbindet. Und bringt Religionen zusammen. Denn viele brachten damals ihren Glauben mit nach Kiel, den Islam.

„Wasser verbindet“ steht über dem interreligiösen Picknick, das drei Religionsgemeinschaften am ersten Tag der Kieler Woche, am Sonnabend, 16. Juni, im zentralen Hiroshima-Park veranstalten. Die Schura Schleswig-Holstein, die die islamische ­Gemeinden des Nordens vertritt, das katholische Erzbistum Hamburg und die evangelische Nordkirche laden ein zum Essen auf der grünen Wiese: Speisen wie gefüllte Weinblätter und Teigtaschen, Fladenbrot und Tomaten soll es geben. 

Auf neutralem Grund

„Die Kieler Woche ist ein Fest der Völkerverbindungen“, sagt Claudia Bruweleit, Landeskirchliche Beauftragte für das Land Schleswig-Holstein. „Begegnungen entstehen, wenn viele verschiedene Menschen zusammen kommen und feiern.“ So soll auch das interreligiöse Picknick ein Zeichen des friedlichen Miteinanders der Religionen sein und zum Kennenlernen unter den Gläubigen beitragen. „Im Neuen Testament wird Jesus häufig als Gastgeber geschrieben. Bei diesen Mahlzeiten entstehen Beziehungen. Darum geht es auch uns“, erklärt Pastor Niels-Peter Mahler aus der Kieler Paul-Gerhardt-Gemeinde.

Das Picknick auf der Wiese findet auf neutralem Grund statt. Das betont die Katholikin Anne Koep, Gemeindereferentin von St. Nikolaus. „Es gibt den Tag der Offenen Moschee, und auch wir öffnen regelmäßig unsere Kirchentüren. Aber nun verlassen wir alle unser vertrautes Terrain und unsere Sicherheit“, sagt sie. Der Boden ist neutral, und die Gastgeber gsind leichberechtigt – darauf kommt es den ­Veranstaltern an. 

Planungen laufen seit dem Winter

Ein Posaunenchor wird spielen, die „Bienengruppe“ muslimischer Kinder aus Rendsburg singen. Tische, Bänke und Verpflegung sind organisiert. „Man darf natürlich auch gern eigene Speisen und Picknickdecken mitbringen“, sagt Bruweleit. Wichtig sei, dass jeder teilnehmen kann. Auch das Jugendpfarramt und der Kirchenkreis Altholstein beteiligen sich. 

Seit dem Winter planen sie bereits die Begegnung am Kleinen Kiel – die Idee kam von der Schura. Die Religionsvertreter diskutierten während ihrer Vorbereitungen über das, was sie verbindet. „Wir kamen auf das Thema Heimat“, erinnert sich Pastor Mahler. „Jeder hat eine unterschiedliche Geschichte seiner Heimat“, sagt er. „Sie zu erzählen, das schafft Verbindungen.“ Die Heimat Kiel bedeute auch, das Ostseewasser als Heimat zu haben. 

Wasser, das ist auch ein Element der Religionen. Christen taufen. Muslime nehmen rituelle Waschungen vor. Zugleich zeugt es von verschiedenen Zuständen, gibt Abdullah Emir Öztürk von der Schura zu bedenken. „Wir möchten, dass sich die Menschen kennen lernen,“ sagt er „Sie sollen untereinander das Eis brechen.“ Wenn das Eis bricht und schmilzt, bleibt Wasser. 

Info
Das Picknick findet am Sonnabend, 16. Juni, von 12 bis 14 Uhr am Brunnen im Hiroshima-Park statt. Der Eintritt ist frei. Die Kieler Woche endet am 24. Juni. 

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