Thomas Weber als Pastor in Südkorea dabei

Das deutsche Olympia-Team ist seine Gemeinde

Er hält Andachten und ist Ansprechpartner für die Athleten und das gesamte Team. Thomas Weber begleitet seit Jahren die deutsche Mannschaft zu den Olympischen Spielen – auch in Pyeongchang.

Pastor Thomas Weber (2. v.l.) mit deutschen Bob-Fahrern bei den Spielen in Sotschi 2014

Pastor Thomas Weber (2. v.l.) mit deutschen Bob-Fahrern bei den Spielen in Sotschi 2014 Foto: Privat

von Mirjam Rüscher

Gevelsberg. Es war ein tragischer Unfall und der Tiefpunkt in der Geschichte der deutschen Olympia-Mannschaft: Der Tod von Kanu-Trainer Stefan Henze bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro infolge eines Verkehrsunfalls schockierte das gesamte deutsche Team. Thomas Weber wurde plötzlich zum Notfallseelsorger. 

Seit vielen Jahren ist er der deutsche evangelische Olympia-Pastor und begleitet das deutsche Team zu den Wettkämpfen. „Es war das erste Mal, dass das Thema Tod und Sterben so präsent war, wie in diesem Moment“, erinnert sich Thomas Weber. Er half unter anderem, die Trauerfeier im Olympischen Dorf in Rio mitzuorganisieren, bot Trost und Gespräche an. 

Der Todesfall war eine Extremsituation, ganz klar. Der Alltag als Olympiaseelsorger ist für den 57-Jährigen ein anderer. „Ich mache seelsorgerliche Angebote, bin Ansprechpartner für das gesamte deutsche Team“, erklärt Weber. Sportler, Trainer, Betreuer – wenn Weber auf deutsche Teammitglieder trifft, stellt er sich immer als Pastor vor. Wenn man ins Gespräch komme, ergebe sich vieles spontan. „Ich bete dafür, möglichst oft an der richtigen Stelle zu sein und Gespräche zu führen“, sagt Weber. Viele wüssten es zu schätzen, dass sie auch mal über andere Themen als Sieg und Niederlage oder Finanzen sprechen können. „Es geht einfach mal um das Leben“, so Weber.

Urlaub für Olympia

Auch Andachten und Gottesdienste im olympischen Dorf gehören für den Gemeindepastor aus Gevelsberg in Westfalen dazu. Außerdem sieht Weber sich als Schnittstelle zur Kirche. „Es geht darum, als Kirche da zu sein, wo Gesellschaft ist. Es geht aber auch um die Frage, wie wir als Kirche mit Hochleistungssportlern umgehen. Helfen wir da? Oder sagen wir zu jungen Sportlern, die viel unterwegs sind: Wenn du nicht regelmäßig sonntags in die Kirche gehst, konfirmieren wir dich nicht?“, fragt Weber.

Der Vater von zwei erwachsenen Kindern ist selbst ein sportlicher Mensch. Er spielt Tennis, fährt Ski und spielt Fußball. „Ich habe nie Hochleistungssport gemacht, aber ich habe dafür viel Verständnis“, sagt Weber. Er ist davon überzeugt, dass er als Sportbeauftragter der westfälischen Landeskirche das große Los gezogen hat. Auch wenn er nur für die Hälfte der Dauer der Olympischen Spiele befreit wird. „Die andere Hälfte muss ich Urlaub nehmen“, betont Weber. Dafür bekomme er aber ja auch etwas Tolles geboten. 

Die Winterspiele in Südkorea werden bereits seine achten Olympischen Spiele. Außerdem war er bereits sieben Mal bei der Universiade dabei. Etwa 150 Athleten und 250 Trainer, Betreuer und Funktionäre werden in Pyeongchang dabei sein. Für Thomas Weber ist es seine Gemeinde auf Zeit.

Athletin fragte nach Trauung

„Das Alter reicht von etwa 20 bis 65 Jahre. Es sind Menschen in ganz verschiedenen Lebenssituationen“, weiß der Pastor. Auch wenn er schon so oft dabei war, sei es schwierig, Kontakt zu halten und Freundschaften zu pflegen. „Es sind nicht so sehr viele Athleten, die mehrfach bei Olympia dabei sind“, sagt Weber. Trotzdem seien Bekanntschaften über die Jahre entstanden. Er führe viele tiefe Gespräche, die in guter Erinnerung blieben. 

Auch die Sportler erinnern sich an Weber. So hat er sich mit einer Athletin im Flieger auf dem Weg nach Peking unterhalten und noch mal in London. „Irgendwann rief sie mich an. Sie hat erzählt, dass sie heiraten will, und gefragt, ob ich das übernehmen kann“, so Weber. Das habe ihn natürlich gefreut. Momente wie diese gäben ihm das Gefühl, „dass ich gebraucht werde“, betont Weber. Er versucht, insbesondere den jungen Sportlern Perspektiven aufzuzeigen, erinnert sie daran, sich ein zweites Standbein neben dem Sport aufzubauen. „Der Ruhm ist vergänglich. Es gibt zwar Bestenlisten und Rekorde für die Ewigkeit, wie man sagt, aber das sind trotzdem alles nur Momentaufnahmen." 

Er fiebert mit den Sportlern

Seine Begegnungen und Erlebnisse – natürlich ohne Namen – nimmt Thomas Weber mit nach Hause und teilt sie mit seiner Gemeinde. „Ich erzähle viel davon und ziehe auch immer Vergleiche zwischen dem Leben dort und hier“, so Weber. In Südkorea war er bereits zweimal, von dort hat er sich bereits Inspirationen geholt und sich über das Christentum im Land informiert. „Südkorea ist das christlichste Land in Asien. 30 Prozent der Menschen sind Christen, und man sieht überall Kreuze. Seit ich da war, wünsche ich mir für meine Gemeinde in Gevelsberg auch ein großes beleuchtetes Kreuz auf dem Dach, auch wenn es etwas kitschig ist“, so Weber. 

Südkorea sei ein sehr spannendes Land, und er freue sich schon sehr auf die Begegnungen vor Ort – menschlich wie sportlich natürlich. Denn klar ist auch: Thomas Weber fiebert bei vielen der sportlichen Events mit den Athleten. Beim Skispringen denke er jedes Mal, wie viel Mut es erfordere, die Schanze hinunterzufahren. Gleiches gilt für die Bobfahrer und Rodler, die sich in den Eiskanal stürzen. 

„Es gibt aber keine Sportarten, die ich um keinen Preis verpassen möchte. Ich finde alles spannend und sehe mir auch gern neuere oder unbekanntere Disziplinen an“, sagt Weber. Sport ist einfach seine Passion. Sein Ehrenamt ist für ihn ein großer Gewinn.

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