Landesbischof Ulrich hält letzten Bericht vor der Synode

"Kirche darf sich nicht verschließen"

Sich einmischen im gesellschaftlichen Dialog – das gehört für den scheidenden Landesbischof Ulrich für Kirche dazu. Vor der Synode hat er auch ein dunkles Kapitel angesprochen.

Landesbischof Ulrich bei seinem letzten Bericht

Landesbischof Ulrich bei seinem letzten Bericht Foto: Nordkirche

Rostock. Landesbischof Gerhard Ulrich hat die Nordkirche zum Ende seiner Amtszeit dazu aufgerufen, mit jenen Menschen im Dialog zu bleiben, "die nicht zu uns gehören". "Dafür muss Kirche aus sich herauskommen, nicht ganz dicht sein", sagte Ulrich vor der Landessynode in Rostock-Warnemünde. Kirche solle an fremde Orte gehen, "auf Marktplätze, in Fabrikhallen, in Theater, Kinos und Messehallen".

Kirche dürfe nicht aufhören zu reden und "sich einzumischen, teilzunehmen am gesellschaftlichen Dialog, ihre unverwechselbare Stimme einzubringen in all die Unsicherheit und Angst hinein". Dazu gehöre auch, über den Verlust an Bedeutung von Religion und Kirche in dieser Gesellschaft zu reden. Zum 31. März geht Ulrich als erster Landesbischof der 2012 gegründeten Nordkirche in den Ruhestand.

Christen in der DDR

Ulrich forderte die Nordkirche auf, weiterhin "Unrecht aufzuarbeiten und sich somit der Schuld zu stellen". Dies betreffe die Fälle von Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch Amtsträger der Kirche. Als 2010 Betroffene aus Ahrensburg den Mut gefunden hätten, mit dem ihnen zugefügten Leid an die Öffentlichkeit zu gehen, hätten sie die Kirche gezwungen, ein "dunkles Kapitel" aufzuschlagen: "Wir mussten sehen, dass Amtsträger ihnen anvertraute Menschen unsägliche Gewalt angetan hatten und die Organisation versagt hat, weil sie sie nicht geschützt hat." 

Aufarbeitung sei ebenso wichtig mit Blick auf das Unrecht in der NS-Zeit und in der DDR. Es gelte als gesichert, so Ulrich, dass sich der Einfluss der Stasi-Aktivitäten nicht auf die Christen in der DDR beschränkt habe, sondern auch kirchliche Partnerschaftsarbeit in erheblichem Umfang betroffen gewesen sei. Kirche schulde jenen Menschen Aufarbeitung, "die widerständig gewesen sind und die gelitten haben".

Die Fähigkeit zum Dialog werde für die Zukunft der Nordkirche nach innen und außen entscheidend sein, so Ulrich weiter. "Unsere Landeskirche ist ein Ergebnis der Wende vor fast 30 Jahren, ein Ergebnis der friedlichen Revolution, die die trennende Mauer zum Einsturz brachte und Grenzzäune überwand." Noch sei der Weg des Zusammenwachsens der drei ehemaligen Landeskirchen mit ihren unterschiedlichen Kulturen und Geschichten nicht abgeschlossen: "Doch wir sind schon gut vorangekommen."

Wahl steht an

Die 156-köpfige Synode der evangelischen Nordkirche tagt noch bis Sonnabend in Rostock-Warnemünde und in Greifswald. Themenschwerpunkte sind die Wahl des künftigen Bischofs im Sprengel Mecklenburg und Pommern sowie mehrere Berichte und Kirchengesetze.

Die Wahl des Bischofsnachfolgers von Andreas von Maltzahn (Schwerin) und Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald) beginnt am Freitag im Greifswalder Dom St. Nikolai mit einem Gottesdienst (10.30 Uhr), in dem der Schleswiger Bischof Gothart Magaard Schleswig predigt. Zur Wahl stehen der Dresdner Superintendent Christian Behr (58) und der mecklenburgische Ökumenepastor Tilman Jeremias (52). Gewählt ist, wer die Mehrheit von 79 Stimmen erhält.

Die Nordkirche erstreckt sich über die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sie hat rund zwei Millionen Mitglieder in 987 Kirchengemeinden mit ihren 1.900 Kirchen. (epd)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Schleswig-Holstein

Bislang liegt der Norden bei den Kosten weit über dem Durchschnitt. Bis die Reform in Kraft tritt, dauert es noch.

Top-Thema

Neue Ideen für ein gutes Miteinander hatten Konfirmanden aus einer Kirchengemeinde bei Kiel. Sie haben sie aufgeschrieben – als die "Zehn Gebote für...

Top-Thema

Durch stürmische See hat Landesbischof Gerhard Ulrich die junge Nordkirche in ruhige Gewässer geführt. Jetzt verlässt der Kapitän die Brücke. Mit...