Klaus-Dieter Makarowski aus Neustadt

Ein Pastor, der Gedichte schreibt

Als Pastor war er nahe dran am Leben. Aus diesem Fundus schöpft Pastor Klaus-Dieter Makarowski im Ruhestand – und schreibt Gedichte.

Klaus-Dieter Makarowski an seinem Schreibtisch

Klaus-Dieter Makarowski an seinem Schreibtisch Foto: Marco Heinen

von Marco Heinen

Neustadt. Sein Gedicht „Entdecken“, das berge wohl sein literarisches Credo, meinte kürzlich ein befreundeter Pastor, als er Klaus-Dieter Makarowskis jüngsten Gedichtband „Meine Wünsche gehen barfuß“ in Händen hielt. Dort heißt es: „Ich liebe es,/meinen Glauben/im Gedicht/zu verstecken.//Ich liebe es,/Gott/in Poesie/zu entdecken.“

Die Zeilen passen gut zu diesem Pastor, der sein Berufsleben in Niedersachsen verbrachte und vor gut zehn Jahren mit seiner Frau nach Pelzerhaken zog, einem Stadtteil von Neustadt in Holstein an der Lübecker Bucht. Von seinem Schreibtisch aus schaut Klaus-Dieter Makarowski auf die Weite der Ostsee.

Hier kann man den Blick schweifen lassen, nach Klarheit suchen. Für Makarowski ist das ein wichtiges Stichwort. Die ­Suche nach Klarheit, die Suche nach dem Sinn im Leben. Das hat nicht nur ihn selbst beschäftigt, sondern auch die Menschen, denen er als Pastor, Kranken­hausseelsorger und Pastoral­therapeut begegnete.

Gedicht über Flüchtlinge

Seine Mutter – die wie der Vater zur christlichen Minderheit der Philipponen gehörte – flüchtete Ende des Zweiten Weltkriegs aus Ostpreußen. Sie strandete 1944 mit ihrer kleinen Tochter im vorpommerschen Demmin, wo sie Klaus-Dieter und seinen Zwillingsbruder zur Welt brachte. Sieben Jahre später war die Familie erneut auf der Flucht, diesmal von Ost- nach Westdeutschland. In Burgdorf bei Hannover kamen sie zur Ruhe. 

Der Vater kehrte, schwer kriegsverletzt, zurück zur Familie und eröffnete ein Marktgeschäft. „Wir als Jungen haben unseren Vater sehr unterstützt“, erinnert sich Makarowski. Es war eine Zeit, in der die Eltern viel über Zerbrochenes und Verlust sprachen. „So empfand ich mich selbst als Flüchtling, genau wie die vielen anderen Flüchtlinge“, so Makarowski. 

Über die Flüchtlinge von heute schreibt er in seinen Gedichten: „Schicke dein Brot/über das Wasser,/damit sie/bleiben können,/wenn sie/gekommen sind im Boot/über das Wasser“, heißt eine Strophe. Eine andere: „Belanglos/was Hungernde unterscheidet/nur wichtig/was am Leben hält.“ Hilfe ist erste Bürgerpflicht, davon ist Makarowski überzeugt. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe sich 2015 „zutiefst menschlich und christlich“ verhalten. „Was daraus folgt, wenn man geholfen hat, das steht auf einem ganz anderen Blatt“, meint der Pastor.

Sein Zufluchtsort war schon in frühester Jugend die Kirche. Hier habe er „emotionalen und existenziellen Rückhalt“ gefunden, sagt er – ob im Religionsunterricht oder im Kindergottesdienst. Schon als Bub habe er den Entschluss gefasst, Pastor zu werden. 

Wochenlange Arbeit

Der Wochenmarkt war für den Jungen der ideale Ort, um für das Leben zu lernen. Er lernte, die richtige Sprache zu finden, um die Menschen anzusprechen und zu gewinnen. Es wurde eine 20 Jahre währende „Schulzeit“ daraus, die bis zum Ende des Theologiestudiums andauerte. Die Studienjahre 1964 bis 1969 verbrachte Makarowski in Bethel, Tübingen und Göttingen. 

Nach dem Vikariat in Sarstedt und dem Predigerseminar in Hildesheim wurde er Pastor in Brunkensen bei Alfeld. Er blieb gute 16 Jahre. Nach einem knapp fünfjährigen Intermezzo in Soltau wechselte Makarowski dann 1992 in die Krankenhausseelsorge nach Melle, wo er noch einmal 16 Jahre bis zu seiner Pensionierung tätig war.

Als Pensionär hat Makarowski nun mehr Zeit zum Schreiben. Und die braucht er manchmal auch, wenn er das Ende eines Gedankens zu fassen bekommen hat und sich dann mitunter wochenlang damit beschäftigt, bevor ein Gedicht wirklich fertig ist. Das hört sich ein wenig verkopft an, doch es sind überwiegend leichtfüßige Poeme, die der Autor auf diese Weise zu Papier bringt. Und die er beinahe alle auswendig zu rezitieren weiß. 

Makarowski ist ein Wortspieler, der manchmal nur dem doppelten Sinn einer Redewendung nachspürt, aber auch explizit Theologisches aufgreift, wenn er so an seinem Schreibtisch vor der Weite des Meeres sitzt: „Gott weiter denken/Gott weiter glauben/Gott weiter suchen // den Menschen weiter denken/den Menschen weiter glauben/den Menschen weiter suchen//für ein Leben/weiter als bisher.“

Buchtipp
Klaus-Dieter Makarowski
Meine Wünsche gehen barfuß. Gedichte.
Deutscher Lyrik Verlag Aachen, 144 Seiten, 12,80 Euro.
ISBN 978-384-2245945

Das Buch können Sie in der Evangelischen Bücherstube bestellen. 
Die Evangelische Bücherstube gehört zur Evangelischen Zeitung.

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