Kirchenparlament

Synode diskutiert über Frieden

Friedensethik steht im Mittelpunkt der Tagung. Zwei Helfer vom Forum ziviler Friedensdienst erzählen über ihre Arbeit im Libanon.

Benedikt Brammer beim Besuch eines Flüchtlingslagers im Libanon

Benedikt Brammer beim Besuch eines Flüchtlingslagers im Libanon Foto: Fietzek / forumZFD

von Kerstin Kempermann

Oldenburg. Stereotype, Vorurteile und fehlendes Wissen: Bei ihrer Arbeit mit Flüchtlingen und Einheimischen im Libanon haben Christa Hering und Benedikt Brammer mit ähnlichen Problemen zu tun, wie sie derzeit auch in Deutschland beim Umgang mit Flüchtlingen zum Tragen kommen. Die beiden sind als Friedensfachkräfte im Bekaa-Tal im Einsatz.  Auf der dortigen Hochebene im Libanon leben 400 000 Einheimische und genauso viele Flüchtlinge. „Hier gibt es also noch eine ganz andere Dynamik als in Deutschland“, berichten Brammer und Hering.

Über ihre Arbeit für das Forum ziviler Friedensdienst (ZFD) werden Brammer und Hering auch auf der Tagung der Synode der oldenburgischen Kirche in Rastede berichten. Von diesem Donnerstag bis Freitag trifft sich das Kirchenparlament. Einen ganzen Nachmittag widmen die Synodalen dabei ihrem Jahresthema, der Friedensethik.

Jeder soll mitdiskutieren

„Die Auseinandersetzung auf der Synode soll der Auftakt sein für den Diskussionsprozess über das Thema Friedensethik, der in der ganzen oldenburgischen Kirche geführt werden soll“, betont Olaf Grobleben. Der Beauftragte für Ethik- und Weltanschauungsfragen gehört zur Vorbereitungsgruppe für die Synode. „Uns ist es wichtig, das Thema Friedensethik ganz breit zu diskutieren“, betont er. Das zeigt sich auch an den geplanten Workshops. Von Friedensansätzen in der Jugendarbeit, über Rüstungsexporte und die Bedeutung der Entwicklungszusammenarbeit bis zur Arbeit von Friedensfachkräften in Konfliktregionen wird ein breites Spektrum abgedeckt.

Und es wird die schwierige Frage gestellt: Kann Religion Frieden? Sowohl für die Workshops als auch für die einleitenden und abschließenden Vorträge konnte das Vorbereitungsteam namhafte Referenten gewinnen. Nach Rastede kommen unter anderem Militärbischof Sigurd Rink, der Friedensbeauftragte der EKD, Renke Brahms, und der ehemalige Auslandsbischof Martin Schindehütte. Impulse von außen geben unter anderem ein Polizeioberrat und die Friedensfachkräfte vom ZFD.

„Es ist toll, dass die Synode dieses Thema aufgreift und wir über unsere Arbeit berichten können“, freut sich Brammer auf den Workshop. Denn beide Friedensfachkräfte betonen, das Thema Friedensfachkräfte sei oft unterbeleuchtet. „Es ist wichtig, sich damit zu beschäftigen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt als militärische“, betont Hering. Voraussetzung für den Einsatz von Friedensfachkräften sei aber immer, dass in dem Gebiet keine Kampfhandlungen stattfinden.

Libanon spürt Folgen des Bürgerkriegs

Im Libanon arbeiten Brammer und Hering mit lokalen Partnern zusammen. „Wir machen den Menschen deutlich, selbst wenn man unterschiedlich ist, man sitzt zur selben Zeit im selben Boot“, erläutert Brammer. Daraus erwachse die Aufgabe, das Zusammenleben zu gestalten. Ein gutes Beispiel dafür berichtet Peter Tobiassen, der den Workshop mit Hering und Brammer moderiert. Bei einem Besuch im Bekaa-Tal erfuhr er, dass es in einer Ortschaft immer Ärger an der einzigen Quelle gab, die sowohl von den Einheimischen, als auch von den Flüchtlingen genutzt wurde. Der Platz war vermüllt, es gab lange Wartezeiten. Doch die Vermittler, die Brammer und Hering unter den Libanesen und Syrern ausbilden, erarbeiteten gemeinsam mit den Betroffenen in Workshops, wie sie gemeinsam die Quelle besser organisieren können. Das Ergebnis: mehrere Wasserhähne, Bänke für die Wartezeit und ein sauberer Platz. Und natürlich weniger Konfliktpotenzial.

Wie wichtig die Arbeit der Friedensfachkräfte im Libanon ist, wird deutlich, wenn man auf die Vergangenheit des kleinen Landes schaut, das an Syrien und Israel grenzt. Zum einen seien die Bürgerkriegsgeschehen noch nicht aufgearbeitet und die Folgen immer noch spürbar, berichtet Hering, zum anderen ist auch das Verhältnis zu den nun als Flüchtlingen kommenden Syrern nicht unproblematisch. „Vor ein paar Jahren kamen die Syrer noch als Besatzer“, sagt Tobiassen.

Doch die Arbeit des ZFD ist nicht nur für die Gegenwart wichtig. „Wir arbeiten ja auch mit den Flüchtlingen, die in ihr Land zurückgehen wollen, sobald das möglich ist“, betont Hering. Das Wissen über den Umgang mit Konfliktsituationen würden diese dann mit zurücknehmen und in ihre Gesellschaft einbringen.

Weiteres Thema der Synode ist der Zwischenbericht der AG Haushaltsstabilisierung. Außerdem werden die Synodalen das sogenannte Predigtlektoren- und Prädikantengesetz beraten.

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