Besuch in einer Synagoge

Religiöse Vielfalt erleben

Im Rahmen eines Lebenskund­lichen Seminars besuchten Soldaten der Bundeswehr eine Synagoge in Hamburg. Einige von ihnen hatten dabei das erste Mal Kontakt mit einem Rabbi.

Soldaten der Helmut-Schmidt-Universität mit Rabbi Shlomo Bistritzky in der Hamburger Synagoge Hohe Weide

Soldaten der Helmut-Schmidt-Universität mit Rabbi Shlomo Bistritzky in der Hamburger Synagoge Hohe Weide Foto: Militärseelsorge

von Johanna Hullmann-Gast

Hamburg. „Ich weiß gar nicht, auf was ich hier achten muss!“ Eher unschlüssig standen Soldaten, die an der Helmut-Schmidt-Universität, der Universität der Bundeswehr in Hamburg, studieren, vor dem Tor der Synagoge. „Fragen Sie doch einfach den Rabbi!“, war die einfache Antwort von Militärdekan Michael Rohde, der für das Evangelische Militärpfarramt Hamburg I unter die Gruppe 4/C und 7/C unter der Leitung von Hauptmann Stefan Schonauer diesen Besuch organisiert hatte. 

Die Unsicherheit verflog sehr schnell, als der Hamburger Landesrabbiner Shlomo Bistritzky die Gruppe begrüßte. „Kommen Sie rein, und ich erzähle Ihnen von meiner Religion!“ Der Rabbi nahm die Gruppe mit auf eine Reise durch die Geschichte des Judentums, die Funktionen einer Synagoge, den Ablauf des Gottesdienstes und berichtete von jüdischem Leben in Deutschland. Die Soldaten, die die Synagoge im Rahmen eines Lebenskundlichen Seminars besuchten, fragten interessiert nach. 

Tora-Rollen unter der Lupe

Viele hatten das erste Mal direkten Kontakt mit einem Rabbi. Militärdekan Rohde freute sich über das Interesse: „Für mich ist es wichtig, den Studierenden Möglichkeiten zu eröffnen, ihren Horizont zu erweitern und auch im Bereich von verschiedenen Religionen sprachfähig zu werden und Fakten zu kennen. Meistens funktioniert das am besten, wenn man direkte Erfahrungen machen kann.“ 

Als weiterer Höhepunkt des Besuchs eröffnete der Landesrabbiner der Gruppe die Möglichkeit, die verschiedenen Tora-Rollen anzuschauen, die in der Synagoge aufbewahrt und im Gottesdienst verwendet werden. Auch rezitierte er einen Psalm. Hellmut Königshaus, der ehemalige Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, war als Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft extra aus Berlin nach Hamburg gekommen, um die Gruppe zu begleiten: „Es ist gut, wenn Soldaten Interesse für unterschiedliche Religionen und Kulturen haben. Mir liegt natürlich die jüdische Kultur vor allem am Herzen, und ich finde es gut, wenn die Universität der Bundeswehr auch in Unterrichten diese Möglichkeit eröffnet.“

Oberst Bjarne Krause, der Leiter des Studierendenbereichs und damit militärischer Vorgesetzter aller Soldaten an der Helmut-Schmidt-Universität, hofft auf eine Fortsetzung dieser Begegnungen: „Beeindruckt haben mich die Offenheit und die Zeit, die sich der Landesrabbiner für uns genommen hat. Ich hoffe, diesen Kontakt weiter ausbauen zu können.“

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