Museum in Güstrow

Krippen aus aller Herren Länder

Im Norddeutschen Krippenmuseum in Güstrow beginnt die Saison seit 2007 jeweils am ersten Adventswochenende. Jedes Jahr sind Exemplare aus 80 Ländern zu sehen.

Eine der ausgestellten Krippen

Eine der ausgestellten Krippen Foto: Mitchell Grell

von Marion Wulf-Nixdorf

Güstrow. Ihre Lieblingskrippe kommt aus Indonesien: Wayang-Kulit-Figuren, traditionelle Schattenspielfiguren aus Horn und Leder des Wasserbüffels an Stäben. In der Mitte ist Jesus in der Krippe dargestellt, darüber ein Baum, in dem man ein Kreuz erkennt. Rechts und links Maria und Joseph, außen ein Engel und ein Teufel. Alle in leuchtenden Farben. „Diese Krippe ist doch wie das Leben von jedem von uns“, sagt Eva Steinkraus. „Geburt und Ende, Gutes und Böses gehören dazu.“

Seit gut einem Jahr ist die ehemalige Bibliothekarin und Beamtin in der Verwaltung Eva Steinkraus (66) Vorsitzende des Freundeskreises Krippenmuseum in Güstrow und Nachfolgerin von Heidemarie Wellmann in diesem Amt, die den Vorsitz aus Altersgründen in neue Hände geben wollte.  

Über mehrere Wochen haben Heidemarie Wellmann und Gabriele Gerth vom Freundeskreis auch in diesem Herbst den Bestand im Archiv des Museums durchgesehen. Das sind inzwischen rund 360 Krippen von der Hamburgerin Mechthild Ringguth, die „ein Bett“ für ihre aus 65 Ländern der Welt zusammengetragenen Krippen suchte und hier in Güstrow fand. Die zweite Säule des Bestands sind rund 100 Krippen von Hedwig Steffler aus Münster, weitere 60 von Heidemarie Wellmann und einige von Einzelstiftern. Alle in Kartons verpackt, auf denen ein Foto der Krippe ist. „Uns werden immer wieder Krippen angeboten“, erzählt Eva Steinkraus. Über die Aufnahme in das Archiv entscheide der siebenköpfige Vorstand, dessen Vorsitzender der Güstrower Bürgermeister Arne Schult ist, zweiter Vorsitzender ist der Pastor der Pfarrkirchengemeinde, Dr. Mitchell Grell. 

Aufbau im November

Aufgebaut wir die neue Ausstellung jedes Jahr im November. Eine Gruppe vom Freundeskreis leistet den Aufbau gemeinsam. 25 Mitglieder  hat der Freundeskreis, 22 halten die Kirche zu den Öffnungszeiten offen, erbitten Eintrittsgeld von 3 bzw. 1,50 Euro und stehen für Fragen zur Verfügung, fünf bieten Führungen an. Sie können zu fast jeder Krippe Geschichten erzählen. „Viele sind von Anfang an dabei“, sagt Eva Steinkraus. „Inzwischen auch über 80-Jährige. Wir können die Kirche nur durch den Dienst der Ehrenamtlichen offen halten.“ Und das in den beiden Saisons vom ersten Advent bis 15. Januar und im Sommer vom 1. Juni bis 31. Oktober täglich. In der restlichen Zeit ist montags geschlossen. 

57 265 Besucher zählte das Museum von Beginn an bis zum 31. Oktober 2018. Obwohl der vergangene Sommer „museumsunfreundlich“ war, wie Eva Steinkraus sagt, kamen in diesem Jahr bisher mehr Besucher als 2017. „Nächstes Jahr rechnen wir mit dem 60 000. Besucher.“ 

Gottesdienst inmitten der Krippen

In diesem Jahr wird bereits die 12. Krippenausstellung im Norddeutschen Krippenmuseum eröffnet. Im Oktober wurde bei laufendem Besucherbetrieb die wertvolle Barockholzdecke zu einem Drittel restauriert. Im Februar geht die Restaurierung weiter – dann aber ohne Gerüst. Die weiteren Arbeiten können vom ersten Stock aus erledigt werden. Die Kosten für die Restaurierung belaufen sich auf etwa 35 000 Euro, die zum Teil aus Eigenmitteln und aus Fördermitteln  aus dem LEADER-Programm stammen.

Jedes Jahr wird traditionell der Gottesdienst an Epiphanias inmitten der Krippenfiguren gefeiert. Mehrere Veranstaltungen finden übers Jahr verteilt in diesem besonderen Raum statt, unter anderem kommen der Musizierkreis um Familie Daewel, der ehemaligen Landespastor für Diakonie, der Chor Kontraste, eine Bambus-Flötengruppe und der Ökumenische Musizierkreis, beide unter der Leitung von Birgit Schaub. Den Anfang im neuen Jahr macht die Märchenerzählerin Sylvia Paul mit dem Gitarristen Marco Wackernagel am Sonnabend, 5. Januar, um 16 Uhr. 

Info
Das Krippenmuseum hat geöffnet vom 1. Advent bis 15. Januar sowie von Juni bis September täglich 11 bis 17 Uhr; 16. Januar bis 31. Mai sowie Oktober bis November Dienstag bis Sonntag 11 bis  16 Uhr. Besuche außerhalb der Öffnungszeiten sind nach vorheriger Anmeldung unter Tel.: 03843 / 466744 möglich. 

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