Weitenhagen bei Greifswald

Auch im Haus der Stille wird's manchmal laut

Das Haus der Stille in Weitenhagen wurde von der Nordkirche in die Trägerschaft des Pommerschen Kirchenkreises zurückgeführt – und bietet nicht nur ruhige Angebote.

Das Haus der Stille in Weitenhagen bei Greifswald

Das Haus der Stille in Weitenhagen bei Greifswald Foto: Anja Goritzka

von Anja Goritzka

Weitenhagen. Das Ansversus-Haus in Schleswig-Holstein, ein kirchliches Einkehrhaus der Nordkirche, wurde 2016 geschlossen. „Somit sind wir nun die einzige Einrichtung dieser Art in der Nordkirche“, sagt Pastor Michael Wacker. Seit etwa zwei Jahren leitet er das „Haus der Stille“ in Weitenhagen bei Greifswald. Das plötzliche Alleinstellungsmerkmal wirke sich positiv auf die Buchungen aus, sagt er.  

2018 ist das Haus an nahezu jedem Tag belegt. Allerdings nicht nur mit ruhigen Angeboten wie Exerzitien, Einkehrtagen oder Stillen Tagen. Auch Oster- und Sommerfreizeiten, die bewusst auf Familien und Kinder zugeschnitten sind, bietet Wacker zusammen mit seiner Frau Luise und Mitgliedern der Offensive Junger Christen an. „In diesem Haus ist es oft nicht still“, scherzt er. „Aber vom Charakter müssen die Veranstaltungen hineinpassen.“ 

Viele Spenden eingegangen

Das Haus der Stille versteht sich als „Angebot für Menschen, die Erneuerung und Vertiefung in ihrem Leben suchen – aus der Begegnung mit Gott“, heißt es auf der Internetseite. Entstanden ist es 1966 als ein Einkehrhaus, das in der Pommerschen Kirche das Gebet als Quelle der Erneuerung in den Fokus rücken sollte. Mit der Gründung der Nordkirche ging es in die Trägerschaft der neuen Landeskirche über, vor Kurzem erfolgte eine Rückführung in den Pommerschen Kirchenkreis. Derartige Einrichtungen erwirtschafteten keinen Gewinn und seien auf Zuschüsse angewiesen, sagte Propst Gerd Panknin kürzlich als Vorsitzender des Pommerschen Kirchenkreisrats. Aber das Haus schaffe immaterielle Werte, die gar nicht zu beziffern seien. Und:  „Seine Bedeutung für den Kirchenkreis nimmt spürbar zu.“ 

Michael Wacker bestätigt, dass der Kirchenkreis das Haus für Tagungen nutzt. „Bald findet hier zum Beispiel der nächste Ausbildungsgang der Telefonseelsorge Vorpommern statt.“ Die Übernachtungszahlen insgesamt hätten im vergangenen Jahr wieder die Zahl von 2014 erreicht: 3.000 pro Jahr. „Und es gibt eine große Spenderzahl, das ist ganz erstaunlich“, sagt Wacker. Aus ganz Norddeutschland kommen die Unterstützer, insgesamt rund 60.000 Euro gaben sie im vergangenen Jahr für die Arbeit.  

Michael Wacker will das Haus der Stille nicht nur zur Gemeinde hin offen halten, sondern weiter auch für Nichtgläubige. „Unser Haus arbeitet schon seit kurz nach der Wende mit dem Greifswalder Haus der Hoffnung, der Offensive Junger Christen zusammen“, erklärt er. In diesem Jahr gibt es wieder einen Glaubenskurs, der sich besonders an Nichtchristen richtet, die durch persönlichen Kontakt eingeladen wurden. „Das wird eine spannende Zeit“ meint er und betont, auch alle anderen Angebote seien offen für alle. 

Nur ein tägliches Gebet fehlt

Den Begriff „Mission“ mag Michael Wacker dafür nicht verwenden: „Der löst meist Missverständnisse aus“, sagt er. „Hier kann jeder ankommen, wie er ist – ohne Druck.“ Die geistliche Begleitung während des Aufenthaltes in Weitenhagen sei ihm dann wichtig. „Gott ist mit allen irgendwie unterwegs“, glaubt Wacker. „Wenn der Einzelne das herausspüren kann, geschieht auch etwas.“

Einen Trägerkreis für das tägliche Gebet würde Michael Wacker im Haus der Stille gern aufbauen. „Hier gibt es noch keine Kommunität, die morgens, mittags, abends und nachts betet“, sagt er. „Wenn sich zukünftig etwas anböte, wäre das eine ganz wertvolle Sache“, ist er überzeugt. Denn dieses Angebot würde die Aufgabe des Hauses noch mehr unterstreichen. Er allein kann dieses Angebot allerdings nicht stemmen; die Personaldecke im Haus ist dünn, der Terminkalender voll. Und mit halber Stelle ist er als Pastor auch für die Kirchengemeinde in Weitenhagen zuständig. Das Haus der Stille sei eine Bereicherung für die Gemeinde, sagt Wacker. Aber beide Stellen miteinander zu vereinbaren, oft ein Balanceakt.

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