Landesbischof Meister im Gespräch

So kann der Wandel eine Chance für die Kirche werden

Wie soll Kirche die Zukunft meistern? Hannovers Landesbischof Ralf Meister hat sich darüber Gedanken gemacht.

Landesbischof Ralf Meister

Landesbischof Ralf Meister Foto: Jens Schulze / epd

von Ulrike Millhahn

Hannover. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sieht den demografischen Wandel in den nächsten Jahren auch als eine Chance für die Weiterentwicklung von Kirche. "Zwar werden wir trotz all unserer guten Initiativen und Anstrengungen kleiner werden", sagte der Bischof der größten evangelischen Landeskirche im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Das ist zwar bedauerlich, aber kein Grund zur Depression." 

Die Kirche werde künftig vermutlich nicht mehr so als Gesamtsystem bewirtschaftet werden können wie heute. Dies eröffne aber auch Möglichkeiten, schwerfällige Bürokratien und Hierarchien abzubauen und kreatives Engagement an der Basis stärker zu fördern. "Wir werden Toleranz lernen müssen, um alternative Schwerpunktsetzungen in den Kirchengemeinden zuzulassen." 

Pastoren an der Grenze der Belastbarkeit

In etwa zehn bis zwölf Jahren werde es in der hannoverschen Landeskirche mit heute rund 1.800 Pastorinnen und Pastoren voraussichtlich 600 Theologen weniger geben. Dagegen stünden die etwa 1.650 Kirchengebäude zwischen Hann. Münden und Cuxhaven dann immer noch, betonte Meister. In keinem anderen Land der Welt gebe es so viele sakrale Bauten wie in Deutschland. Wenn Pastoren im stark ländlich geprägten Niedersachsen mehrere Kirchengemeinden gleichzeitig versorgten, stießen sie irgendwann an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. "Wir müssen in viel größerem Ausmaß als bisher in die Ausbildung, Begleitung und Anerkennungskultur für Ehrenamtliche investieren." 

Dies bedeute auch, dass sich das Berufsbild des Pastors verändern werde. "Pastorinnen und Pastoren werden künftig noch viel stärker als bisher in der Gewinnung, Ausbildung und Begleitung von Ehrenamtlichen tätig sein", betonte Meister. Entsprechend geschulte Laien könnten dann vom Gemeindemanagement bis zu Gottesdiensten leitende Aufgaben übernehmen und gestalten. Voraussetzung dafür sei, die strukturellen Vorgaben radikal zu reduzieren, so dass Haushaltsführung und Gemeindemanagement fachkundig vor Ort geleistet werden könnten. 

Hohes Engagement

Das Gemeindeleben könne dann durchaus auch mit Menschen gestaltet werden, die vielleicht keine Mitglieder seien. Bei seinen Besuchen von Kirchengemeinden auf dem Lande erlebe er immer wieder "ein hohes Engagement, eine außergewöhnliche Identifikation mit dem Dorf und eine dichte soziale Gemeinschaft, die sich weit über die für sie willkürlichen Grenzen der Kirchenmitgliedschaft bewegt", unterstrich der Theologe.

Der Erhalt der Gebäude sowie die Pflege der Einrichtungen und Traditionen spiele für viele eine große Rolle. "Wer sich in der Kirche engagiert, denkt gemeinwohlorientiert." Dabei gehe es nicht unbedingt um missionarischen Eifer: "Vielmehr haben die Menschen Freude daran, mit anderen gemeinsam Dinge auf die Beine zu stellen, um ein kleines Unternehmen wie eine Kirchengemeinde 'marktfähig' zu halten und zu einem sozialen Mittelpunkt zu machen", sagte Meister und fügte hinzu: "Was dem Dorf dient, dient der Kirche und was der Kirche dient dem Dorf. Das war in der Vergangenheit so und wird auch in Zukunft so bleiben." (epd)

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