Synode der Braunschweiger Landeskirche

Mehr als 100 Missbrauchsfälle bei Niedersachsens Protestanten

Eine unabhängige Kommission spricht den Betroffenen Leistungen zu. Landesbischof aus Braunschweig begrüßt geplante EKD-Studie.

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Goslar/Hannover. In den evangelischen Landeskirchen von Braunschweig, Hannover und Oldenburg sind nach Angaben der Braunschweiger Landeskirche 107 Fälle sexualisierter Gewalt seit 1950 bekanntgeworden. Davon hätten sich 95 Fälle in der Diakonie und zwölf in der verfassten Kirche ereignet, sagte Landesbischof Christoph Meyns vor dem im Goslar tagenden Kirchenparlament. Eine unabhängige Kommission, die für alle Kirchen in Niedersachsen tätig ist, habe den Betroffenen Anerkennungsleistungen und die Erstattung von Therapiekosten zugesprochen.

Auch in der braunschweigischen Landeskirche ist es dem Theologen zufolge zu Missbrauchshandlungen gekommen. Aus den Jahren 1950 bis 1970 seien fünf Fälle bekanntgeworden. "Davon betreffen drei Fälle zwei Pfarrer im Kontext der verfassten Kirche, zwei Fälle diakonische Einrichtungen."

Meyns begrüßt die geplante Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Aufklärung von sexualisierter Gewalt und sexuellem Missbrauch. "Ich halte es für richtig, wenn wir uns als Kirchen in Niedersachsen an der geplanten Studie beteiligen und sie gegebenenfalls durch eigene Untersuchungen ergänzen." Er sprach sich zudem dafür aus, die seit 2010 in der braunschweigischen Landeskirche eingeführten Präventionsmaßnahmen in der Kinder- und Jugendarbeit zu überprüfen.

Elf-Punkte-Plan zur Aufarbeitung

Bislang sind in den evangelischen Kirchen in Deutschland 479 Missbrauchsfälle seit 1950 aufgedeckt worden. Die meisten Übergriffe ereigneten sich bereits zwischen 1950 und 1970. Zwei Drittel betreffen diakonische Einrichtungen. Die EKD-Synode hatte in der vergangenen Woche in Würzburg einen Elf-Punkte-Plan zur Aufarbeitung und Prävention von Missbrauch verabschiedet. Er sieht unter anderem eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene vor. Zudem sollen zwei Studien zur Aufklärung des Dunkelfeldes und von Risikofaktoren in der evangelischen Kirche beauftragt werden.

Die Kirche will außerdem mit dem Unabhängigen Beauftragten des Bundes für Fragen sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, eng zusammenarbeiten. Für die Aufarbeitung will die EKD im kommenden Jahr 1,3 Millionen Euro ausgeben.

Die braunschweigische Synode tagt noch bis zum Sonnabend in Goslar. Zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig gehören 342.000 Mitglieder in 329 Gemeinden zwischen Wolfsburg und dem Südrand des Harzes. (epd)

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