Familienausstellung im Altonaer Museum

Redewendungen auf der Spur

Die Sonderausstellung "Mein Name ist Hase" im Altonaer Museum erläutert rund 150 Redewendungen und geht ihren Ursprüngen auf den Grund.

Ab dem 11. November ist im Kinderolymp des Altonaer Museums die Familienausstellung "Mein Name ist Hase" zu sehen.

Ab dem 11. November ist im Kinderolymp des Altonaer Museums die Familienausstellung "Mein Name ist Hase" zu sehen. Foto: Wikipedia.org/Vsop.de

Von Thomas Morell

Hamburg. "Schwein gehabt", wer im Altonaer Museum die "Rote Linie" findet und sich nicht "verheddert": Unter dem Motto "Mein Name ist Hase" eröffnet das Altonaer Museum in Hamburg am 11. November eine Familienausstellung, die rund 150 Redewendungen erläutert und ihren Ursprung erzählt. Es gebe in der deutschen Sprache rund 300.000 Sprichworte und Redensarten, sagte Kurator Rolf-Bernhard Essig bei der Präsentation. Schätzungsweise 100 verwende jeder Deutsche täglich. "Es geht nicht ohne." Die Ausstellung wird bis Ende Oktober 2019 gezeigt.

Von "spitzen Ohren" bis "olle Kamellen"

Empfangen werden die Besucher von einem Kopf mit "spitzen Ohren", ein Ausdruck für gutes Hören. Füchse und Hunde richten ihre Ohren auf, wenn sie sich auf Geräusche konzentrieren. Ein großer Metall-Kessel erläutert, was "pingelig" bedeutet: Zum Anrühren von blauer Farbe verwendeten die Färber früher einen Eisentopf ("Pingelpott") mit drei schweren Kugeln. Sie wurden im Topf bewegt, um Klumpen der Indigopflanzen zu zerreiben. "Pingelig" war, wer die wertvollen Farbreste in dem Topf bis auf das letzte Körnchen abschlug. Daneben stehen ein paar "olle Kamellen": welk gewordene Kamillenpflanzen ohne Wirkung.

Norddeutsche Redewendungen stammen häufig aus der Seefahrt

In ähnlicher Form war die Ausstellung bereits in Nürnberg, Berlin und Frankfurt zu sehen. Für das Altonaer Museum wurde sie norddeutsch ergänzt. Ins "Fettnäpfchen" trat jemand, der in einer Holsteiner Kate in das Fett unter dem abgehängten Schinken trat. Wer "Butter bei die Fische" gibt, verwendet wertvolle Butter anstelle von minderwertigem Fett. Ein weit gereister Seemann war "mit allen Wassern gewaschen". Noch nicht vollständig geklärt ist, wo es so unordentlich war wie "bei Hempels unterm Sofa": Die Zirkusfamilie "Hempel" soll ihren Müll unter dem Wohnwagen zurückgelassen haben, und vermutet wurde, unter ihrem Sofa sähe es ähnlich aus.

Manche Redewendung hat auch ihren Sinn verändert. Wer früher beim Schützenfest immer daneben schoss, erhielt als Spottpreis ein Schwein. Erst später sollen die Ehefrauen erkannt haben, wie wertvoll es ist, wenn ihre Männer "Schwein haben". In anderen Gegenden wurde ein Bock vergeben: Dann hatte jemand "einen Bock geschossen". "Spießer" waren Bürger, die aus alter Tradition immer noch einen Spieß mit sich herumtrugen, obwohl es angesichts der neu entwickelten Schusswaffen völlig sinnlos war. Ein Fechtlehrer, der seinen Schüler aus einer gefährlichen Situation nicht befreite, hat ihn "im Stich gelassen".

Auch eine Bibel steht inmitten der Ausstellung

Dass Menschen "die Haare zu Berge stehen" (Hiob), sie ihre "Hände in Unschuld waschen" (Psalm 26) oder "ein Herz und eine Seele" sind (Apg.4), steht schon in der Heiligen Schrift. Darin findet sich auch ein "Mann wie er im Buche steht".
Geführt werden die Besucher durch die Ausstellung mit einem "Roten Faden": Die britische Kriegsmarine kennzeichnete ihre Taue damit, dass sie einen roten Faden hineinflechten ließ. Die "Hede" ist der Rest von Fasern, die sich zum Spinnen nicht eignen und worin man sich "verheddern" kann. Das Motto der Ausstellung geht im Übrigen auf den Heidelberger Studenten Viktor Hase zurück. Bei einer Befragung vor Gericht 1854 verpfiff er einen Mitstudenten nicht, sondern sagte nur: "Mein Name ist Hase, ich verneine die Generalfrage. Ich weiß von nichts." (epd)

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