Ökofaire Gemeinde in Hamburg ausgezeichnet

Kraftakte für die Umwelt

Sie sind Vorreiter in Sachen Klimaschutz: Die Markus-Kirchengemeinde ist als erste ökofaire Gemeinde Hamburgs ausgezeichnet worden. Um die Mitglieder zu überzeugen, greift der Pastor auch zu ungewöhnlichen Maßnahmen.

Bischöfin Kirsten Fehrs, Pastor Johannes Calliebe-Winter, Linda Corleis („Brot für die Welt“) und Judith Meyer-Kahrs (Zentrum für Mission und Ökumene, v.l.)

Bischöfin Kirsten Fehrs, Pastor Johannes Calliebe-Winter, Linda Corleis („Brot für die Welt“) und Judith Meyer-Kahrs (Zentrum für Mission und Ökumene, v.l.) Foto: Privat

von Friederike Lübke

Hamburg. Stolz sei er schon, sagt Johannes Calliebe-Winter, vor allem auf die Ehrenamtlichen, die das möglich gemacht hätten. Im Januar nahm der Pastor der Markus-Kirchengemeinde in Hohenhorst und Rahlstedt-Ost von Bischöfin Kirsten Fehrs die Auszeichnung als ökofaire Gemeinde entgegen. Damit ist sie die erste dieser Art in Hamburg.

Die Aktion soll Kirchengemeinden dazu bringen, sich dauerhaft für faires und ökologisch verantwortungsvolles Verhalten einzusetzen. Anhand eines Kriterienkataloges kann man sich zehn Maßnahmen aussuchen, wie etwa fair gehandelte Produkte kaufen, bei Gemeindefesten vegetarische Mahlzeiten anbieten oder die Beleuchtung in Kirchen- und Gemeinderäumen auf LED-Produkte umstellen. Jede Gemeinde, die teilnehmen möchte, muss eine Selbstverpflichtungserklärung unterzeichnen und die Umsetzung ihrer Maßnahmen prüfen lassen.

Es begann mit einer Solaranlage

Die Rahlstedter haben die Ausschreibung gelesen, sich die Kriterien angeschaut und festgestellt, dass sie bereits viele erfüllen, so Calliebe-Winter. In Kirchen und Gemeindehäusern brennen nur noch LEDs, die Mitarbeiter fahren häufig Fahrrad. Für die Gemeinde kaufen sie fair gehandelte Produkte wie Kaffee, Tee und Honig bei der GEPA, einem Importeur für fair gehandelte Produkte. Wasser beziehen sie von der Wasserinitiative „Viva con Agua“.

Das alles gibt es jedoch nicht erst seit vergangenem Jahr. „Wir hatten einen großen Vorlauf“, sagt Pastor Johannes Calliebe-Winter. Ihr Einsatz für das, was sie als „Bewahrung der Schöpfung“ verstehen, begann bereits vor mehr als zehn Jahren. Auslöser war die Arbeit mit den Konfirmanden zu Themen wie Gerechtigkeit, Schöpfung und Nachhaltigkeit. 2004 wurde auf einer der beiden Kirchen der Gemeinde eine Solaranlage installiert. Die Konfirmanden arbeiteten daran mit. Und weil die Solaranlage durch Spenden finanziert wurde, floss der Ertrag auf ein Konto, von dem die Gemeinde dann wieder andere Aktionen bezahlen konnte – zum Beispiel alle Glühbirnen in zwei Kirchen und zwei Gemeindehäusern gegen LEDs auszutauschen. 

„Das ist ein Kraftakt“, sagt Calliebe-Winter. Die Lampen seien jedoch ein gutes Beispiel dafür, dass die ökofaire Haltung der Gemeinde auch Vorteile bringe. War bislang eine Glühbirne kaputt, musste man eine Hebebühne holen, um sie unter der rund zehn Meter hohen Kirchendecke auszutauschen. Seit es die neuen LED-Lampen gibt, sei das nicht mehr vorgekommen, berichtet der Pastor. Seit vier Jahren brennen sie schon, bis zu zwanzig Jahre sollen sie halten. 

Senioren nach Blind-Verkostung überzeugt

Das Besondere ist, dass alle Gruppen in der Markus-Gemeinde das Engagement mittragen. „Das geht, glaube ich, auch nicht anders“, sagt Calliebe-Winter. Zwar waren die Seniorenkreise zuerst nicht begeistert vom fair gehandelten Kaffee und wollten ihre gewohnte Sorte zurück. Doch der Pastor griff zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Als die Gemeinde jedoch eine Kaffeeverkostung durchführte und ohne Namensnennung fünf verschiedene Kaffees servierte, gewann die fair-gehandelte Sorte – und die Senioren waren überzeugt.

Reicht der ökofaire Standard? Nein, findet der Pastor. Stillstand „geht nicht“. Man müsse sich immer weiterentwickeln. „Durch die Auszeichnung gehen wir auch eine Verpflichtung ein“, sagt er, schließlich werde weiter geprüft, ob man die Kriterien erfülle. Auch nachgebessert wird noch. Erst vor Kurzem hat die Gemeinde einen Garten eingerichtet, dessen Pflanzen den Altar schmücken sollen. Außerdem wollen sie Geld aus ihren Rücklagen an Oikocredit geben, ein Unternehmen, das faire Kredite an Initiativen in Schwellenländern vergibt. Und der Gemeindebrief wird bald nur noch auf Umweltpapier gedruckt.

„Ich möchte den anderen Gemeinden Mut machen, sich auch um das Siegel ,ÖkoFaire Gemeinde‘ zu bewerben“, sagt Calliebe-Winter. „Wir haben als Gemeinde die große Chance, das als Multiplikatoren nicht nur in die Gemeinde, sondern auch in die Stadtteile zu bringen – und es lohnt sich.“

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