Lange Nacht der Weltreligionen in Hamburg

In den Metropolen entscheidet sich die Zukunft der Religionen

In einer Großstadt habe die Religion das Potenzial, unterschiedliche Schichten anzusprechen. Doch es gebe auch Probleme.

Blick auf New York City

Blick auf New York City Foto: Tierney / Fotolia

Hamburg. Die Zukunft der Religionen wird sich im Zeitalter der Globalisierung maßgeblich in den Metropolen entscheiden. Die "Lange Nacht der Weltreligionen" des Hamburger Thalia-Theaters hat sich dieser Frage am Beispiel von New York, Hamburg und Beirut gewidmet. Die Stadt sei immer auch eine Utopie des friedlichen Miteinanders, sagte Thalia-Intendant Joachim Lux. Mit dem "Himmlischen Jerusalem" des Neuen Testaments, so die katholische Theologie-Professorin Christiane Büchner, sei der Sehnsuchtsort der Christen eine Metropole.

Der Stadtsoziologe Jens Dangschat warnte vor einer Idealisierung. Die meisten Stadtbewohner seien von der aktuellen Vielfalt überfordert. "Der angenehme Fremde ist jemand, der wieder geht." Geschätzt werde Vielfalt vor allem von gut situierten Menschen mit Selbstbewusstsein und Offenheit, so Dangschat. Tatsächlich würden die meisten Fremden jedoch in armen Stadtteilen leben. Die Geschichte der Stadt sei von Abschottung und Konkurrenz geprägt. 

Muslimische Lehrer fehlen

Die Religionen haben nach Einschätzung Büchners das Potenzial, in einer Stadt unterschiedliche soziale Schichten anzusprechen. Alle großen Religionen hätten den Anspruch, Gutes für die Schwächeren zu tun. Als größtes Hindernis für mehr Gemeinsinn sieht Lux dagegen den Absolutheitsanspruch von Judentum, Christentum und Islam. 

Schülerinnen der Horner Stadtteilschule brachten konkrete Ansprüche auf die Bühne. Sie forderten nicht nur mehr Respekt für Kopftuch und Fastenzeit, sondern auch interreligiöse Gebetsräume und schulfrei an nicht-christlichen Feiertagen. Der Schulalltag sei immer noch von den Kirchen geprägt, kritisierte die muslimische Religionspädagogin Hamida Behr. So fehlten für den Religionsunterricht muslimische Lehrkräfte. Auch würden sich die Ferien an Ostern und Weihnachten immer noch an christlichen Feiertagen orientieren. 

Doch New York und Beirut taugen offenbar nicht als Vorbild für eine solidarische Stadt. New York sei geprägt von einer strikten Abschottung der religiösen Gruppen, kritisierte die jüdische Schriftstellerin Deborah Feldman, die in ihren Büchern ihren Weg aus einer sektenartigen chassidischen Gemeinde beschreibt. "Die Stadt funktioniert nicht."

Was Gott wollte

Im libanesischen Beirut entluden sich die religiösen und politischen Spannungen 1975 in einem Bürgerkrieg. Jeder Mensch in Beirut müsse sich heute zwangsläufig einer religiösen Gruppe anschließen, sagte der Islamwissenschaftler Assaad Elias Kattan in einer Videobotschaft. Eine Zukunft habe Beirut nur, wenn Staat und Religionen getrennt würden. 

Im Gegensatz zum "Himmlischen Jerusalem" gilt Babel oder Babylon mit seinem legendären Turmbau als Stadt der Sünde. Ursprünglich sprachen die Menschen dort alle die gleiche Sprache. Das habe Gott offenbar nicht gefallen, so der Schriftsteller Jonathan Sacks in einem Filmbeitrag. Er habe gewollt, dass Menschen verschiedene Sprachen sprechen. (epd)

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