Pastoren aus dem Norden erzählen

Die schrägsten Pannen im Gottesdienst zu Weihnachten

Auch vor dem größten Publikum des Jahres kann einiges schiefgehen: Pastoren aus dem Norden verraten ihre schrägsten Pannen – von einem Kurzschluss in der Hosentasche bis zu einem Esel mit einem dringenden Bedürfnis.

Zeichnung: Sisam Ben

von Catharina Volkert

Hamburg/Kiel. Sie hatten ein klassisches Krippenspiel geprobt: Maria und Josef, Hirten, Könige und Engel – alle Rollen waren in der Kirchengemeinde Hamburg-Finkenwerder besetzt. „Aber unerwartet wurde einer der Heiligen Drei Könige krank“, erzählt Pastorin Daniela Stieglitz. Eine kleine Schauspielerin überspielte das Fehlen ihres Kollegen, indem sie kurzerhand ihren Text änderte und den Besuchern verkündete: „Wir sind die heiligen zwei Könige“. Da sei ein Raunen durch die Kirche gegangen, erinnert sich die Pastorin. 

Grundsätzlich scheinen Krippenspiele Pannen anzuziehen. Das erlebte auch Rüdiger Hoffmann, der mittlerweile Pastor im Ruhestand ist. In der Schleswiger St.-Paulus-Kirche hatte ein Esel seinen großen Auftritt. „Als die Kirchentür sich öffnete und Maria und Josef einen Esel hineinführten, konnte es keiner glauben: ein echter Esel in der Kirche!“, erinnert sich Hoffmann. Das graue Tier trottete zu den Strohballen neben dem Altar – und auf einmal breitete sich ein stechender Geruch in der Kirche aus. Es war nämlich kein Gold, das der Esel hinterließ. Glücklicherweise standen Schaufel und Eimer bereit. 

Ein Segen für den Esel

Der Esel blieb den gesamten Gottesdienst über in der Kirche. „Beim Segen stellte er sich neben mich und stupste mich an. Er wollte wohl auch gesegnet werden“, erzählt Hoffmann mit einem Schmunzeln. Am Ausgang hörte er dann von einer Dame, dass ihr das Herz aufgegangen sei.

Dennis Pistol aus der Kirchengemeinde Heide erlebte 2013 einen Klassiker in seinem ersten Jahr als Pastor. Erst schallten entsetzliche Störgeräusche durch die Lautsprecherboxen, dann war kein Engel mehr zu hören. Einfacher Grund: Die Mikrofonanlage war ausgefallen. Er hat den schweißgebadeten Jugendlichen am Verstärker noch vor Augen, der verzweifelt versuchte, die Anlage in Ordnung zu bringen. „Aber nichts ging mehr“. Die Kinder reichten, wie zuvor bestens einstudiert, das Mikrofon von einem zum anderen und sagten brav ihren Text auf – bis zum Schluss. Nur hören konnte sie niemand. 

Der Grund für die Funkstille waren die Smartphones und Handys, die den Empfang gestört hatten. „Hinterher ist man ja immer schlauer“, sagt Dennis Pistol. Im Rückblick hatte die Panne sogar eine gute Seite: Später spendeten Besucher bereitwillig für eine neue Mikrofonanlage.

Hitze in der Hosentasche

Eine Panne kommt selten allein – und so hat Rüdiger Hoffmann nicht nur Erfahrungen mit Eseln, sondern auch mit der Technik gemacht. Der Pastor wollte deswegen Heiligabend auf Nummer Sicher gehen. Weil mehrere Gottesdienste anstanden, packte er einen Wechsel-Akku fürs Mikrofon ein. „Der 9-Volt-Block war in meiner Hosentasche, damit ich ihn jederzeit schnell zum Auswechseln hervorholen konnte“, sagt Hoffmann. „Ich brauchte ihn aber gar nicht und vergaß ihn.“

Vor seinem letzten Gottesdienst in der kleinen Kapelle des Schleswiger Holms, in der die Besucher dicht gedrängt standen, steckte er noch seinen Schlüsselbund ein, dann zog er wie gewohnt den Talar über die Hose, und der Gottesdienst begann.  „Da merkte ich auf einmal eine unglaubliche Hitze in der Hosentasche. Mitten in der Predigt wurde es kochend heiß“, sagt Hoffmann. Die Wärme hatte einen Grund: Ein Schlüssel hatte den Plus- und den Minuspol des Akkublocks miteinander verbunden. „Es hat sozusagen einen Kurzschluss in der Hosentasche geben“, erklärt der Theologe. „Ich versuchte, das Problem möglichst würdevoll und unauffällig zu lösen, richtig gelang mir das aber erst nach der Predigt.“ Denn: Sein Talar hatte einen Eingriff zur Tasche nur auf der rechten Seite, der Akku glühte hingegen in der linken Tasche. 

Erst nach der Predigt, beim anschließenden Lied, konnte der Pastor den Stromkreis in der Hosentasche beenden. Zuhause entdeckte er eine große Brandwunde auf seinem linken Oberschenkel. 

"Gnadenbringende Osterzeit"

Während in der Holmkapelle niemand merkte, wie sich ein Pastor zusammenriss, stolperte die Gemeinde in der Jugendkirche in Hamburg-Flottbek über Robert Zeidlers Liedauswahl. In Eile suchte der Theologe Liedtexte im Internet zusammen und ließ sie von der Gemeindesekretärin kopieren. Dann war es soweit: Der Pastor feierte die Christvesper, die Festgemeinde stimmte „O du fröhliche an“ an – und Zeidler hörte immer mehr Gelächter und Gekicher. Und der Pastor fragte sich: "Was ist denn hier falsch?"

Dann bemerkte er seinen Irrtum: Er hatte die falsche Version des Liedes kopiert, die Gottesdienstbesucher besangen die „Gnadenbringende Osterzeit“. Zeidler war das „furchtbar peinlich“.  In der Urfassung des Liedes von Johannes Daniel Falk werden nämlich die drei Hauptfeste der Christenheit genannt: Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Zeidlers Trost: Alle drei Anlässe sind Grund zum Freuen. 

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