Seemannsclub Duckdalben in Hamburg

Am Heiligabend gibt's ein Fest für Seeleute

Viele Seemänner müssen Weihnachten ohne ihre Familien verbringen. Abschalten können sie im Seemannsclub Duckdalben, inklusive Bescherung von Weihnachtselfe Swaanke Wibel.

Weihnachtselfe Swaanke Wibel

Weihnachtselfe Swaanke Wibel Foto: Timo Teggatz

von Timo Teggatz

Hamburg. Es war Heiligabend, aber dieser Seemann war in keiner feierlichen Stimmung. Mit hängendem Kopf kam er in den Seemannsclub Duckdalben. Seine Frau zu Hause sei sehr krank, erzählte er den Mitarbeitern. Sie könne sich keinen Arzt leisten, weil er ihr sein angespartes Geld nicht überweisen könne. Im Seemannsclub konnten sie helfen, und zwar gleich doppelt. Per Schnellüberweisung transferierten die Angestellten Geld auf die Philippinen, und dann bekam der Mann auch noch ein Geschenk – überreicht von der Weihnachtselfe Swaanke Wibel.

„Als er das Geschenk in den Händen hielt, konnte der Mann doch noch lachen“, erinnert sich die 18-Jährige. Per Skype wünschte er seiner kranken Frau und seinen drei Kindern frohe Weihnachten. Dass nicht nur bei ihm, sondern auch bei allen anderen Seeleuten das Fest fröhlich wird, dazu trägt Swaanke Wibel seit vielen Jahren bei. Heiligabend zieht sie ihr Elfen-Kostüm an – Stiefel, Rock und natürlich eine Mütze. Denn etwa 200 Seeleute aus aller Welt kommen dann zum Duckdalben. Auf dem Programm steht erst einmal ein internationaler Gottesdienst. Dort wird die Weihnachtsgeschichte vorgelesen. In welcher Sprache das passiert, entscheidet sich spontan. Wer möchte, darf aufstehen und einen Teil vorlesen.

Elfe im Stress

Danach essen die Seeleute gemeinsam mit den Mitarbeitern im Seemannsclub Raclette, ehe die Bescherung folgt. Weihnachtselfe Swaanke verteilt gemeinsam mit dem Weihnachtsmann Tüten mit Geschenken. Darin sind Nüsse, Mandarinen und Rasierer, aber auch Telefonkarten, damit die Seeleute ihre Familien anrufen können. Die meisten wollen auch noch ein Foto von sich und Swaanke Wibel machen lassen, damit sie ihren Liebsten beweisen können, dass auch sie Weihnachten gefeiert haben. So zieht sich die Bescherung meist über zwei Stunden hin. „Eine anstrengende Aufgabe“, sei das, sagt sie. Aber dafür sehe sie viele strahlende Gesichter, manche würden ihr aus Dankbarkeit sogar einen Handkuss geben. Aufgeregt wie kleine Kinder seien aber alle Seeleute, sagt die Weihnachtselfe.

Heiligabend im Duckdalben ist für die Seeleute eine willkommene Abwechslung. „Ihr Job ist wirklich hart“, berichtet Swaanke Wibel. Sie müssten rund um die Uhr verfügbar sein, und manche seien bis zu zehn Monate pro Jahr auf den Weltmeeren unterwegs. Die meisten von ihnen kommen von den Philippinen, aber auch zahlreiche andere Nationalitäten sind vertreten, etwa Indien, Russland oder Sri Lanka. Auch deutsche Seemänner feiern Weihnachten in Duckdalben. Selbst wenn sie nur ein paar Hundert Kilometer von ihren Familien entfernt sind, können sie sie doch nicht sehen. „Ihre Schiffe liegen nur kurze Zeit im Hafen“, sagt Swaanke Wibel. Bevor Heiligabend vorüber ist, liegen sie meist schon wieder ab und fahren die Elbe flussabwärts.

Praktikum auf den Philippinen

Schon ihr ganzes Leben hat Swaanke Wibel im Duckdalben geholfen, schließlich leitet ihre Mutter Anke Wibel den Seemannsclub. Schon als kleines Kind hat Swaanke im Gottesdienst zu Heiligabend die Jesus-Figur in die Krippe gelegt. Ab Sommer möchte sie in Hannover Religionspädagogik und Soziale Arbeit studieren, um später als Seemannsdiakonin zu arbeiten. Gerade hat sie auf den Philippinen ein siebenwöchiges Praktikum in einem Waisenheim absolviert. So wollte sie die Kultur und die Menschen kennenlernen.  Jetzt könne sie den Seeleuten im Duckdalben viel besser ein Gefühl von Heimat geben – nicht zuletzt, weil sie etwas Tagalok, die Sprache der Philippinen, spricht.

Manchmal hilft aber nichts mehr. Der traurige Seemann kehrte ein Jahr später wieder Heiligabend zum Duckdalben zurück, mit einer traurigen Nachricht. Seine kranke Frau sei inzwischen gestorben, berichtete er. Trotzdem sei er dankbar: Mit dem Skype-Telefonat zum vorangegangenen Fest habe er seiner Frau eine große Freude machen können.

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