Bremer Ausstellung zeigt Bilder von nackten männlichen Körpern

Muskelberge und Schwungmasse

Mal athletisch, mal lässig, mal in schmerzverzerrter Pose: Der nackte männliche Körper auf Papier ist das Thema einer Schau, die in der Bremer Kunsthalle mit Zeichnungen und Druckgraphiken zu sehen ist.

In der Bremer Kunsthalle ist die Ausstellung "Manns-Bilder" zu sehen

von Dieter Sell

Bremen. Wer in Deutschlands Galerien nach gemalten oder gezeichneten Aktdarstellungen Ausschau hält, findet vor allem Frauen. Die Männer sind eher als Künstler präsent, selten auf dem Papier oder auf der Leinwand. Dorothee Hansen, Kunsthistorikerin und Vize-Direktorin der Bremer Kunsthalle, spricht in diesem Zusammenhang von der „männlichen Minderheit“. Dem begegnet das Haus jetzt mit einer ganzen Ausstellung, die allein dem männlichen Akt auf Papier gewidmet ist.

Dass die Männer als Akt-Motiv so selten auftauchen, ist eigentlich verblüffend, waren sie doch zentrales Thema der europäischen Kunstgeschichte seit der griechischen Antike. Und so nimmt die Bremer Ausstellung unter dem Titel „Manns-Bilder“ bis zum 6. November eine Zeit in den Blick, die vom 15. bis ins 20. Jahrhundert reicht. Zu sehen sind mehr als 70 teils selten präsentierte Zeichnungen und Druckgrafiken aus dem Bestand des Museums.

Zum ersten Mal ausgestellt

„Antike Helden mit athletischen Körpern, christliche Märtyrer in schmerzverzerrter Pose, lässige Badende und Freizeitsportler, klassische Aktmodelle und Selbstbildnisse“, beschreibt Kuratorin Christine Demele ihre Auswahl. Unter den Arbeiten sind Werke von Albrecht Dürer, Paul Cézanne, Paula Modersohn-Becker und Max Beckmann. Eine neu entdeckte Zeichnung von Giulio Clovio ist ebenso zu sehen wie eine erstmals ausgestellte Zeichnung von Anton Raphael Mengs.

Mehr als 70 Zeichnungen und Druckgrafiken sind in der Ausstellung zu sehen Foto: Hannes von der Fecht / epd

„Die Werke stellen zeitlose Fragen nach Schönheit und Männlichkeit, die uns bis heute bewegen“, verdeutlicht Demele. Und natürlich startet sie mit den Muskelbergen der Antike: Perfekte Proportionen und ausgewogene Körperhaltungen sind die Zutaten einer idealen Nacktheit des jungen muskulösen Mannes. „Äußere Wohlgestalt und Ebenmaß sollen Ausdruck der inneren Schönheit und Harmonie sein“, erläutert Demele. Dass sich das muskelmäßig auch übertreiben ließ, zeigt eine Halbgott-Darstellung vom „Großen Herkules“ von Hendrick Goltzius, die seinem Helden den scherzhaften Beinamen „Knollenmann“ einbrachte.

Die Ausstellung in den Studiensälen des Kupferstichkabinetts gliedert sich in sieben Kapitel: Neben erotischer Renaissancegrafik hat Demele mythologische Akte, christliche Themen, Allegorien, Aktstudien und Selbstbildnisse, Badende und Sportler sowie bewegte Körper aufgehängt. Darunter sind nahezu pornografische Arbeiten des deutschen Künstlers Sebald Beham (1500-1550), Miniaturen, gerade acht mal fünf Zentimeter groß. Der Kupferstecher wurde zu Lebzeiten als „gottloser Maler“ bezeichnet, bediente dabei aber durchaus die Vorlieben seiner Käufer. Auch Beham wusste schon: Sex sells.

Selten gezeigte Objekte

Wer mit der bereitliegenden Lupe genauer hinschaut, entdeckt unter seinen Arbeiten ein Paar, das an Adam und Eva erinnert und das sich gegenseitig mit den Händen befriedigt, dabei düster dreinblickend. Verstörend daran ist die offenkundig sexuell erregte Figur des Todes, die hinter dem Mann steht. Beham ergänzte seinen Stich unter dem Titel „Der Tod und das unzüchtige Paar“ mit einer Inschrift, die übersetzt lautet: „Der Tod ist die letzte Grenze aller Dinge.“

Zentrale Arbeiten der Ausstellung sind zwei selten gezeigte Blätter von Paula Modersohn-Becker, Werke von Rembrandt und von Dürer, der mit dem ersten naturgetreuen Akt-Selbstbildnis der Kunstgeschichte vertreten ist. Und bei den Sportlern war Kuratorin Demele sichtlich nicht bereit, Erwartungen der Ausstellungsgäste nach wohlgeformten Körpern und Modell-Atheleten zu bedienen. Stattdessen zeigt sie das Leben, wie wir es alle kennen: Körper mit ordentlich Schwungmasse, dazu stämmig-untersetzte Kerle. Und einen sichtlich ermatteten Boxer nach dem Kampf. (epd)

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