Wer an Heiligabend geboren wurde, kann doppelt feiern

Morgens Geburtstag – abends Weihnachten

Geburtstag an Heiligabend – das bedeutet zwei Feste auf einmal. Da kommt manches Geburtstagskind zu kurz. Könnte man meinen. Doch "Christkinder" wie Peter Uhde sehen das anders.

Peter Uhde feiert seinen Geburtstag am Morgen des Heiligabend

von Dieter Sell

Bremen. Die Bescherung will vorbereitet sein, der Baum geschmückt, der Braten angerichtet: Wer an Heiligabend Geburtstag hat, steht nicht uneingeschränkt im Mittelpunkt. Aber das sei kein Problem, meint der Bremer Peter Uhde, der am 24. Dezember seinen 57. Geburtstag feiert. „Ich kenn das ja nicht anders“, sagt der Mann, der den Tag so feiert wie viele Menschen, die an Heiligabend ihren Ehrentag haben: „Morgens wird der Geburtstagstisch gedeckt, abends ist dann Weihnachten.“

Peter Uhde ist einer von 1.393 Menschen, die allein in Bremen am 24. Dezember Geburtstag haben – laut Statistischem Landesamt fast gleichmäßig verteilt auf 693 Männer und 700 Frauen (Stand 2018). Eine Zahl für ganz Deutschland ist schwer herauszufinden. Aber das Bundesamt für Statistik hat auf epd-Anfrage immerhin ermitteln können, wie viele Kinder vergangenes Jahr an Heiligabend geboren wurden – Zahlen gab es aus allen Bundesländern außer aus dem Saarland. Ergebnis: Es kamen im vergangenen Jahr 1.409 „Christkinder“ zur Welt. Die meisten wurden in Nordrhein-Westfalen geboren (282), die wenigsten in Mecklenburg-Vorpommern (20). Insgesamt waren es etwas mehr Mädchen als Jungs.

Geschenke im Doppelpack

Doch zurück nach Bremen, zum „Christkind“ Peter Uhde. „Stress haben wir uns an dem Tag nie gemacht“, erinnert er sich an die Geburtstage seiner Kindheit. Das Datum hat auch Vorteile, denn an Heiligabend ist schließlich immer schulfrei und niemand vergisst den Tag. Nur große Geburtstagsfeste feierte Uhde als Kind eben nicht. „Habe ich auch nicht vermisst“, sagt der Ausbilder für Chemielaboranten. Dafür bekam er sein Lieblingsgericht aufgetischt: Schlesische Weißwürstchen mit Pfefferkuchensauce.

Christkind Alexa Domröse Foto: Privat

Und Geschenke gab es meist doppelt, morgens und abends. „Manchmal auch statt zwei Geschenken etwas Größeres wie eine teure Lokomotive für die Modelleisenbahn.“ Als Jugendlicher war Peter Uhde dann bei den Pfadfindern und hat mit ihnen öfter in seinen Geburtstag reingefeiert, inklusive großem Frühstück. „Danach war Weihnachten gelaufen“, erzählt er und lächelt. Heute feiert er mit Familie und langjährigen Freunden im kleinen Kreis den Vormittag – ein feststehendes Ritual, das nur einmal ausfallen musste. Das war 2002: „Damals war Eisregen und Stromausfall – da ging gar nichts mehr.“

Mehr Trubel herrscht im Stader Pastorenhaus der Familie Domröse. Tochter Alexa zählt ebenfalls zu den „Christkindern“ und wird an diesem Heiligabend 19 Jahre alt. „Morgens ist Geburtstag, da setzen wir uns in Ruhe zum Frühstück zusammen“, erzählt sie. Dann nimmt der Tag mächtig Fahrt auf. Vater Volker Dieterich-Domröse leitet am Nachmittag einen Familiengottesdienst in der evangelischen Markuskirche mit Krippenspiel, etwas später eine Christvesper. Mutter Sonja, ebenfalls Pastorin, hat auch alle Hände voll zu tun.

Fette Party fiel aus

Abends schließt sich der Kreis, dann kommt die Familie mit Schwester Kira und den Eltern bei Bescherung und dem kulinarischen Weihnachtsklassiker Kartoffelsalat mit Würstchen wieder zur Ruhe. Zu Grundschulzeiten war zwischendurch ihre beste Freundin da – „für eine Stunde“, erinnert sich Alexa Domröse. Eine richtig fette Party habe es nie gegeben. Aber sie hat den Geburtstag im Sommer an ihrem Tauftag 12. August regelmäßig nachgefeiert. „Dann gibt es drei Mal Geschenke“, meint Alexa Domröse und schmunzelt.

Hoch her ging es früher auch bei Patrick Kunkel: „Morgens mein Geburtstagstisch, mittags kamen Kinder aus der Nachbarschaft zum Feiern, abends dann der Weihnachtsmann“, blickt der gebürtige Bremer zurück. „Ich kannte das nicht anders, der ganze Tag war besonders“, betont der Mann, der in diesem Jahr 30 Jahre alt wird und mittlerweile als Fotograf am Bodensee arbeitet. Richtig groß hat er zu seinem 18. Geburtstag reingefeiert – damals in einer Bar.

Kirchenchor singt Ständchen

Das Gefühl des besonderen Geburtstages durch das Christfest hat auch die evangelische Pastorin Angelika Scheepker, die am 25. Dezember 1965 kurz nach Mitternacht zur Welt kam. Als Kind habe sie es gelegentlich vermisst, andere Kinder einladen zu können. „Das ging nicht, Weihnachten ist ja schließlich ein Fest der Familie“, sagt die Ostfriesin. „Rauschende Geburtstagsfeiern waren damals ohnehin nicht üblich.“ Trotzdem war viel los, denn sie ist mit acht Geschwistern aufgewachsen. Als Älteste habe sie ihre Mutter unterstützt: „In einer großen Familie lernt man früh mit anpacken.“

Was Geschenke angeht, so sei auch sie nie schlechter weggekommen. Sie erinnert sich insbesondere an einen Herzenswunsch, der ihr erfüllt wurde: Eine gemaserte Flöte aus Palisanderholz mit Elfenbein. Und ein „ganz persönlicher Moment“ war es für sie, als ihr der Kirchenchor beim Einsingen am Weihnachtstag ein Ständchen gesungen habe. Jetzt, als Pastorin der evangelischen Lambertigemeinde in Aurich, muss sie an ihrem Geburtstag nicht auf die Kanzel: „Die Kollegen schenken mir einen freien Tag – das ist ein besonderes Glück.“ (epd)

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