Golfer mit geistiger Behinderung trainieren für Special Olympics in Kiel

Mit Schwung zum Titel

Sie trainieren auf einem Golfplatz im Kreis Ostholstein: Acht Sportler mit geistiger Beeinträchtigung wollen bei den Landesmeisterschaften gewinnen.

Das Team der Vorwerker Diakonie bereitet sich in Curau auf die Special Olympics vor

von Johanna Tyrell

Curau. „Hier sind Markierungen, da müssen meine Hände hin“, erklärt Mirko Kurth und blickt kritisch auf seine Hände. Der 49-Jährige geht in die Knie, wippt vier, fünf, sechs Mal auf und nieder, holt aus, schlägt, der Ball hebt ab. „Ah, schon wieder zu weit links“, schimpft er boxt mit der linken Hand verärgert in die Luft. Er nimmt einen neuen Ball. Der Korb ist noch halb voll. Am Ende des Trainings werden alle Bälle auf dem weiten Grün der Driving-Range liegen.

Seit vergangenem Herbst trainiert der 49-jährige Mirko Kurth zusammen mit sieben weiteren Sportlern mit geistiger Behinderung der Vorwerker Diakonie auf dem Golfplatz in Curau im Kreis Ostholstein. Ihr Ziel: die Landesspiele der Special Olympics am 27. und 28. Mai in Kiel.

Premiere für die Landesspiele

„Es ist das erste Mal, dass in Schleswig-Holstein Landesspiele durchgeführt werden, und Golf ist dabei“, freut sich Dieter Lutz, Initiator und Vizepräsident von Special Olympics Schleswig-Holstein. „Das ist etwas Einmaliges. Für mich ist ein kleiner Traum wahr geworden.“ Je nach Können starten die Sportler in fünf verschiedenen Kategorien – vom Einzelgeschicklichkeitswettbewerb bis hin zur 18-Loch-Runde. Insgesamt haben sich mehr als 200 Aktive für die verschiedenen Disziplinen der Landesspiele gemeldet.

Heute hat Trainer Johann Georg von Kahlden-Klug etwas Besonderes vor. Jeder Golfer wird beim Abschlagen von vorn und von der Seite fotografiert. „Technikanalyse“, erklärt er. Wie ist die Bewegung des Körpers? Die Haltung des Schlägers? „Der Unterschied zu anderen Anfängergruppen ist nicht groß“, sagt von Kahlden-Klug. Aktuell werden verschiedene Schläge trainiert.

Stefie Lutz weiß genau, worauf es ankommt. „Richtiger Schläger, richtig stehen und dann den Ball zu der Fahne und nicht zu den Bäumen spielen“, erklärt sie. Und auch wenn sie in einer Golferfamilie aufgewachsen ist: „Ich hätte nie gedacht, dass Golf meine Sportart ist“, sagt die 49-Jährige und schiebt ihre Sonnenbrille höher auf die Nase.

Wie die Idee entstand

„Ich habe früher immer den Caddy gemacht und den Wagen hinterhergezogen.“ Irgendwann habe sie die Schläger ihres Vaters ausprobiert. „Aber die waren viel zu groß. Ich brauche Kinderschläger.“ Mit denen klappt es nun. Die Idee, Menschen mit Behinderungen das Golfen nahezubringen, entstand bei einem Schnuppertag beim Golf-Club-Curau im vergangenen September. Die Begeisterung war groß.

„Für unsere Werkstattmitarbeiter ist das eine arbeitsbegleitende Maßnahme“, erklärt Sönke Wollentin vom Sportbereich der Vorwerker Diakonie.­ Bei dieser Art von Maßnahmen gehe es darum, vorhandene Fähigkeiten zu erhalten oder auszubauen. „Beim Golf kann das die Motorik sein oder die Fähigkeit sich zu konzentrieren. Beim Fußball wäre das zum Beispiel Kommunikation oder Teamfähigkeit.“ Ende Juni geht es dann für einige Sportler weiter zur Deutschen Meisterschaft nach Berlin. Dort treten die Teilnehmer in Fußball, Tischtennis und Badminton gegeneinander an. Vor den Landesspielen ist Stefie Lutz schon ein bisschen aufgeregt. „Aber ich freue mich drauf“, sagt sie.

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