Pilgern rund um Hamburg

Mit Gott im Grünen

Pilger suchen die Nähe zur Natur, zur Schöpfung und oftmals zu anderen Menschen. Die Gruppe vom Pilgerteam St. Jacobi beschreitet Wege in und um Hamburg.

Die Pilgertour durch den Volksdorfer Wald haben Vivian Reuther (l.) und Susan Heit organisiert. Fotos

Die Pilgertour durch den Volksdorfer Wald haben Vivian Reuther (l.) und Susan Heit organisiert.

von Bettina Albrod

Hamburg. Regenjacke, Rucksack, festes Schuhwerk und Stock sind die Utensilien, die einen zünftigen Pilger schon von Weitem erkennbar machen. Knapp 20 von uns haben sich in Volksdorf an der U-Bahnstation versammelt, um in einer Tagestour mit Susan Heit und Vivian Reuther vom Pilgerteam St. Jacobi in Hamburg 13 Kilometer zu pilgern.

„Wir haben gerade die Pilgerbegleitausbildung gemacht“, erzählt Susan Heit, die vor neun Jahren über eine Freundin zum Pilgern gekommen ist. „Ich bin eine von denen, die dann nicht mehr davon loskommen.“ Hintergründe und Geschichte des Pilgerns gehören ebenso zur Ausbildung wie der spirituelle Hintergrund, denn Pilgern ist mehr als nur Wandern. „Unsere Tour heute steht unter dem Motto ‚Auf dem Weg zum Frieden‘“, sagt Vivian Reuther.

Pilgern liegt im Trend

Spätestens seit Hape Kerkeling seine Erzählung über den Jakobsweg herausgebracht hat, machen sich immer mehr Menschen auf, um zu Fuß den Weg ins Innere zu finden. Das muss nicht immer in Spanien sein: Es gibt viele Angebote von Tagestouren rund um und in Hamburg für das Beten mit den Füßen. Eine davon führt über den Volksdorfer Rundweg.

Zum Start gibt es ein Lied, und viele Vögel zwitschern munter mit. Sonnenstrahlen fallen durch das Blätterdach, und hier im Wald duftet es nach frischer Erde. Nach einem Gebet von Franz von Assisi geht es mit Gott ins Grüne. Schnell finden sich auf dem Weg die Wanderpaare, denn beim Pilgern kommt man gut miteinander ins Gespräch.

„Ich schätze am Pilgern die Gemeinschaft, die Bewegung, und ich wandere gern“, erklärt Hannelore – Pilger sind alle per Du. „Man muss nicht die ganze Zeit reden, sondern es gibt auch Schweigephasen.“ Wer häufiger pilgert, trifft Bekannte wieder und freut sich, ein Stück gemeinsam zu gehen. Mit den Füßen laufen die Gedanken: Simone schätzt am Pilgern besonders die Ruhe und die Zeit zum Nachdenken. „Ich habe das Pilgern über die Pilgermesse entdeckt und finde auch das Christliche daran sehr gut“, sagt sie. Irgendwann wolle sie auch mal den Jakobsweg gehen.

„Wer pilgert, ist sich der Dinge bewusst“

Hohe Bäume säumen den Weg, Jogger kreuzen, und der eine oder andere Hund bleibt stehen, als die Gruppe vorbeizieht. Dann wird es einsamer im Wald, und die Geräusche des Stadtverkehrs bleiben zurück. Pilger sind eins mit der Natur, ob man die Beeren am Wegesrand probiert oder das Buschklo benutzt.

„Ich will Natur erleben“, sagt Corinna, die zum ersten Mal beim Pilgern dabei ist und in der Schöpfung auch den Schöpfer sieht. „Der Klimawandel sensibilisiert für die Ressourcen, die man hat“, sagt sie. Mit denen muss man behutsam umgehen, und im Volksdorfer Wald zeigt sich die Natur von ihrer schönsten Seite. Ein Baumläufer macht seinem Namen alle Ehre und läuft einen Baum hoch, eine halbstarke Amsel demonstriert, dass sie schon fast fliegen kann, und dann gibt eine graue Wolke von oben ein bisschen Wasser dazu.

„Das Geistlich-Spirituelle geht ins Herz und ins Bewusstsein“

Nach der ersten Etappe machen wir eine Pause, und die beiden Organisatorinnen geben über einen Text von Anne Frank Impulse zum Nachdenken. „Der spirituelle Anteil beim Pilgern ist sehr schön, da kann man auch die Seele auftanken“, diese Erfahrung hat Thomas gemacht. Er ist vor eineinhalb Jahren zufällig zum Pilgern gekommen. Damals, erinnert er sich, habe er in einer Kirche den letzten Flyer mit Pilgertouren bekommen und eine mitgemacht. „Danach war ich begeisterter Laie.“ Mittlerweile hat er schon selbst eine Pilgertour geführt. „Beim Pilgern habe ich auch Weggefährten gefunden.“

Mit denen kann man reden oder zusammen schweigen. Pilgern macht Spaß und Blasen an den Füßen, es führt Menschen zusammen und Pilger zu sich selbst. „Das Geistlich-Spirituelle geht ins Herz und ins Bewusstsein“, sagt Susan Heit, „wer sich fürs Pilgern entscheidet, ist sich der Dinge bewusst.“
Dann öffnet sich unvermittelt der Blick auf einen Seerosenteich, alle halten für einen Moment gebannt inne. Von ferne weht der Klang der Volksdorfer Kirchenglocken herüber. Schritt für Schritt kommen die Pilger ans Ziel. Kaum ist man da, hat man ein neues Ziel: beim nächsten Mal wieder dabei sein.

Die Termine stehen online unter www.pilgern-im-norden.de.

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