Synode der hannoverschen Landeskirche

Mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise

Wegen der Pandemie nimmt die Landeskirche weniger Kirchensteuern ein, doch der Rückgang ist nicht so dramatisch wie befürchtet. Dafür kommt ein anderes Finanz-Problem auf.

von Michael Grau

Hannover. Die hannoversche Landeskirche ist finanziell bislang glimpflicher durch die Coronakrise gekommen als befürchtet. Im Jahr 2020 nahm sie lediglich 24,8 Millionen Euro weniger an Kirchensteuern ein als im Vorjahr, wie Finanzchef Rolf Krämer vor der digital tagenden Landessynode berichtete. Das entspricht Verlusten von rund vier Prozent. Zeitweise war mit Mindereinnahmen von bis zu 15 Prozent oder 90 Millionen Euro gerechnet worden. „Bei den pandemiebedingten Einbrüchen sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte Krämer.

Nach seinen Angaben nahm die Landeskirche im vergangenen Jahr insgesamt 587 Millionen Euro ein gegenüber 611,8 Millionen im Jahr davor. Bezieher von Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld zahlen keine Kirchensteuern. „2020 war ein Wechselbad der Gefühle“, sagte Krämer. Eine Haushaltssperre von zehn Prozent habe jedoch viele Verluste auffangen können. Nach Angaben der Landeskirche konnten zudem etwa durch ausgefallene Veranstaltungen pandemiebedingte Einsparungen von rund 60 Millionen Euro erzielt werden.

Rücklagen aufgelöst

Das Haushaltsjahr 2020 schloss dennoch mit einem rechnerischen Minus von rund 396 Millionen Euro. Der Grund sind hohe Versorgungsrückstellungen für die Altersbezüge pensionierter Pastoren und Kirchenbeamter. Um diese Lasten zu decken, wurden zum Teil Rücklagen in dreistelliger Millionenhöhe aufgelöst. Ein weiterer größerer Teil soll über viele Jahre hinweg abgetragen werden. „Damit wird uns gewissermaßen ein Menetekel an die Wand gemalt“, betonte der Vorsitzende des Landessynodalausschusses, Jörn Surborg. Die Landeskirche müsse in Zukunft darüber nachdenken, wieviele Menschen sie im Beamtenverhältnis beschäftigen wolle.

Rolf Krämer, Finanzchef der Landeskirche Hannovers Foto: Jens Schulze

Finanzchef Krämer sagte, im laufenden Jahr werde sich die Situation bei der Kirchensteuer entspannen, weil es Anzeichen für eine positive Entwicklung in der Wirtschaft gebe. So könnten auch die landeskirchlichen Haushaltspläne bis 2022 voraussichtlich eingehalten werden. „Alles im Lot“, bilanzierte Krämer. Bis 2025 sei trotz sinkender Mitgliederzahlen mit leicht steigenden Kirchensteuer-Erträgen zu rechnen.

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Doch ab 2026 müsse die Kirche Einsparungen umsetzen, wenn sie bei dann stagnierenden Kirchensteuern wegen steigender Kosten nicht hohe Defizite anhäufen wolle. Damit müsse sie möglichst bald beginnen, mahnte der Finanzchef: „Deshalb gilt: schlüssig planen, entschlossen entscheiden und konsequent umsetzen.“ Krämer rief zudem dazu auf, die Kirchengemeinden vor Ort dabei besonders im Auge zu behalten: „Wenn Kirche für die Menschen da ist, dann bleiben die Menschen auch für die Kirche da.“

Komplett per Videokonferenz

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers ist mit 2,4 Millionen Mitgliedern in 1.230 Gemeinden zwischen Hann. Münden und der Nordsee die größte evangelische Kirche in Deutschland. Wegen der Corona-Pandemie tagte die Synode zum zweiten Mal komplett per Videokonferenz. Die Beratungen dauern noch bis zum Freitag. (epd)

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