Hamburger Gemeinde feiert seit 20 Jahren einen Mini-Gottesdienst

Mit dem Bobbycar durch die Kirche

Kleine Christen bis zu sechs Jahren feiern in Hamburg-Schnelsen einmal pro Monat ihren Mini-Gottesdienst. Daraus sind schon viele Freundschaften entstanden.

Pastor Hago Michaelis und die ehrenamtliche Helferin Anja Brunnemann vor Handabdrücken von Kindern und Eltern

von Friederike Lübke

Hamburg. Einmal ist der Pastor sogar aus einem Wal gekrochen. Es ging um den Propheten Jona. Und Hago Michaelis, Pastor der Kirchengemeinde Schnelsen, spielte ihnen die Geschichte mit einem selbstgebastelten Wal ganz anschaulich vor. Auch sonst haben er und das Team der Ehrenamtlichen sich einiges einfallen lassen. Sie haben sich verkleidet oder mit Playmobil, Handpuppen und Krippenfiguren Bibeltexte nachgespielt.

Seit 20 Jahren findet in Schnelsen einmal im Monat ein Mini-Gottesdienst, der Migo, für Kinder bis sechs Jahre und ihre Familien statt. Jetzt hat die Gemeinde den runden Geburtstag der Migos mit vielen Kindern und anschließendem Grillfest gefeiert.

Schon ganz zu Anfang dachte und hoffte Hago Michaelis, dass sich das Angebot halten würde. Es habe einen „Festivalcharakter“ gehabt, erinnert er sich. Die Türen im Christophorushaus standen offen, die Kinder liefen herum, die Erwachsenen unterhielten sich. Seine Tochter war gerade erst in die Grundschule gekommen, sein Sohn noch im Kindergarten. Seine Frau und er kannten deshalb viele Familien und konnten sie einladen.

Lebendige Kirche

Der Migo, der damals noch Krabbelgottesdienst hieß, sollte ein Format sein, in dem sich Familien wohlfühlen. Die Eltern wurden schnell eingebunden. Drei bis fünf Mütter und Väter gestalten die Gottesdienste. Im Schnitt blieben die Eltern etwa fünf Jahre im Team, erklärt Hago Michaelis. Meist so lange die eigenen Kinder klein waren. Anja Brunnemann war als Ehrenamtliche sogar sieben Jahre dabei und hat die Zeit als sehr positiv empfunden. „Die Kinder lernen, dass Kirche lebendig ist“, sagt sie.

Der Ablauf ist über die Jahre hinweg fast gleich geblieben. Begrüßung, Kerze entzünden, Lied, Geschichte, Gebet, Ansagen und Segen gehören dazu. Manchmal basteln die Kinder zwischendurch noch etwas. Vor dem Altar wird extra ein Teppich ausgerollt, damit die Kleinen ganz vorn sitzen können. Der Migo hat eine eigene Liedermappe, in die nach und nach neue Lieder aufgenommen wurden, aber kaum je eines entfernt. Inzwischen umfasst sie 102 Lieder und endet mit „Von guten Mächten“, einem der wenigen „Erwachsenenlieder“, die manchmal auch gesungen werden, wie Michaelis erklärt.

Mittagessen entlastet Familien

Das Ehrenamtlichen-Team hat sich über die Jahre vieles einfallen lassen: Ein Höhepunkt für Mitarbeiterin Anja Brunnemann war immer der Bobbycar-Gottesdienst vor den Sommerferien. Das Team lieh sich etwa 25 Bobbycars aus den umliegenden Kitas zusammen, viele Kinder brachten noch ihr eigenes mit und ratterten damit über die Fliesen im Christophorushaus.

Zwischen 25 bis 40 Kinder mit Familienangehörigen kommen zu jedem Gottesdienst. Bewährt haben sich Spiele, bei denen sich alle bewegen können, auch die Erwachsenen. Etwa ein Parcours im Gottesdienstraum. Auch Bewegungslieder kommen sehr gut an. „Wenn du fröhlich bist, dann klatsche in die Hand“ könnten die Kinder den ganzen Gottesdienst lang singen, erklärt Anja Brunnemann. Das Mittagessen trage ebenfalls einen großen Teil zum Erfolg des Konzepts bei. Es entlastet die Familien, wenn sie nicht zum Kochen nach Hause müssen.

„Hier versteht man endlich mal was“

Die Ehrenamtliche Petra Kellermann bereitet das Essen seit vielen Jahren zu. Es gibt keinesfalls nur Nudeln, sondern zum Beispiel auch Kürbissuppe, Fischgerichte oder Aufläufe. Etwa die Hälfte der Besucher bleibt zum Essen. Die Eltern sitzen danach zusammen und reden, die Kinder spielen weiter. Zum Beispiel mit den zahlreichen Krippenfiguren der Gemeinde.

Inzwischen waren einstige Migo-Kinder schon im Konfirmandenunterricht und einstige Konfirmanden kommen mit ihren eigenen Kindern in den Migo. Freundschaften sind entstanden. Eine Sängerin und ein Musiker unter den Eltern taten sich für Benefizkonzerte zusammen, die sie bis heute für Gemeindeprojekte geben, unter anderem für Straßenkinder in Argentinien.

Hago Michaelis erinnert sich besonders gern, wie er einmal erwachsene Männer im Migo sagen hörte: „Hier versteht man endlich mal was.

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