Als Kirche vor Ort präsent sein

Mit Bollerwagen und pinkfarbenem Kreuz durch Eilbek

Unter dem Motto „Raus aus der Kirche und mit Gottes Wort nahe an die Menschen" tour das „Segensmobil“ durch Hamburgs Stadtteil Eilbek.

Sind mit dem „Segensmobil“ in Eilbek unterwegs: Pastorin Antje William, Kai Uwe Boos und Cornelia Stöber (v.l.).

von Kristina Tesch und Thorge Rühmann

Hamburg. „Guck mal, Mama, da ist die Kirche“, ruft ein kleiner Junge und zeigt auf den Bollerwagen mit dem pinkfarbenen Kreuz. Drum herum steht ein Trio aus zwei Frauen und einem Mann. Es sind Antje William, Cornelia Stöber und Kai Uwe Boos, die das „Segensmobil“ der Versöhnungskirche Eilbek durch den Hamburger Stadtteil ziehen. Szenen wie diese spielten sich auf der Tour öfters ab, so Stöber: Die Aktion sorge mit Garantie für Aufmerksamkeit.

Das Projekt mit dem „Segensmobil“ begann bereits vor der Pandemie. Zugrunde liege der Wunsch, auf die Straße zu gehen, die Passanten anzusprechen und ihnen von der Liebe Gottes zu erzählen, sagt die stellvertretende Kirchengemeinderatsvorsitzende, die seit dem Start an der Aktion teilnimmt. „Wir drei gehen alle 14 Tage los, mal schließt sich jemand an von der Gemeinde und mal nicht.“ Auch Pastorin Antje William interessierte sich für die Initiative, die aus mehreren Gottesdiensten im Freien hervorging. „Daraus wurde dann die Idee geboren: Wir gehen durch Eilbek und segnen den Stadtteil“, so Stöber. „Ein bisschen so, wie der Papst es auch macht.“

„Team-Versöhnung“

Allerdings: Gebäude oder auf unpersönliche Weise Menschen zu segnen, das fände William aufgesetzt. So zieht das Trio von der Eilbeker Kirche bis zum Bahnhof und wieder zurück – und spricht unterwegs die Menschen an. „Team-Versöhnung“ steht auf den gelben Leuchtwesten, die die Kirchenvertreter tragen. Gerade kommt ihnen ein Mann ent­gegen, der an Krücken läuft. Ein kurzes Gespräch, ein freundliches Lächeln, ein Segen und weiter geht’s. Wenig später sitzt eine Frau auf einer Bank und telefoniert. Stöber geht hin und gibt ihr eine kleine Karte mit einem Psalm darauf. Sie unterbricht ihr Gespräch und ruft mit einem Lächeln: „Danke, das ist mein Lieblingspsalm.“

Nicht länger hinter den Kirchenmauern verstecken

So wie sie freuen sich viele über ein Gebet und einen anschließenden Segen, andere lehnen ab, danken und gehen weiter. Das Team vom „Segensmobil“ bleibt stets offen und freundlich – und überlässt es den Menschen selbst, ob es zu einem Austausch kommt. Es gehört Mut und Kraft dazu, solche Touren zu unternehmen. Wichtig ist daher allen dreien, sich nicht selbst ein „Muss“ aufzuerlegen. „Ich muss nicht das Ziel erreichen, zehn Gespräche geführt zu haben“, sagt Stöber. „Wir lassen das auf uns zukommen. Mal gibt es intensive Gespräche, mal ein ‚Sich-Wegdrehen‘ der Passanten.“

Antje William ist vor jeder Tour ein bisschen aufgeregt. Doch die Aktion ist ihr wichtig: „Wir wollen präsent sein – das ist ein Bekenntnis“, sagt sie. Als Kirche sichtbar zu sein in einem Stadtteil, der keine sozialen Brennpunkte, der keine Schwerpunkte hat – das sei nicht einfach, ergänzt Cornelia Stöber. Aber: „Wenn Kirche in unserer Gesellschaft weiter existieren und weiterhin eine Stimme haben will, können wir uns nicht länger hinter den Kirchenmauern verstecken.“

Trio mit dem pinkfarbenen Kreuz auf dem Bollerwagen

Das hätten vor 2000 Jahren schon Paulus und Jesus vorgelebt. „Wir haben es uns heute gemütlich gemacht“, so William. „Die Kirchentüren waren oft zu – das muss sich jetzt ändern. Wir sind nicht für uns selbst, sondern für die Menschen da.“
Rund um das Eilbeker „Segensmobil“ sind so kurze Begegnungen und längere Gespräche entstanden – im Umfeld der nah gelegenen Psychiatrie ebenso wie am Bahnhof und an und in der Kirche. Das Trio mit dem pinkfarbenen Kreuz auf dem Bollerwagen startet alle 14 Tage, immer am ersten und dritten Donnerstag des Monats ab 16 Uhr an der Kirche. Aktuell findet zudem täglich um 17 Uhr ein Friedensgebet vor dem Spielplatz am Park statt.

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