Zu Fuß auf der Insel im Atlantik

Madeira – Blumen, Levadas und eine Prinzessin aus Mecklenburg

Dem Reiz dieser Insel konnten sich selbst Prinzessinnen nicht entziehen – und Wanderer schon gar nicht. Das Wegenetz entlang der Wasserrinnen, den Levadas, ist einmalig. Unsere Autorin wäre beinahe auf ihrer Trauminsel geblieben.

Porto des Torres

von Christine Senkbeil

Dass diese Insel im Atlantik blütenreich sein muss, voller Grün – das hatten wir vor unserer Reise schon auf Fotos gesehen. Aber wie üppig alles blüht und duftet, das war dann doch überraschend. Überhaupt steckt es voller Überraschungen, dieses Madeira. Die erste erwartete uns schon bei der Ankunft am Flughafen. Denn: Wer hätte gedacht, dass es eine ganz „dufte“ Verbindung zwischen Madeira und Mecklenburg gibt, das ja gleich neben unserer Heimat Vorpommern liegt – außer, dass beider Namen mit M beginnen?

Mit einem Namen hat diese Verbindung zu tun, wie wir schon im Bus von der temperamentvollen Reiseleiterin erfuhren. Und, natürlich, mit einer Blume – der Strelitzie nämlich. Jeder Blumenladen am Flughafen bietet sie in praktischer Mitfliege-Verpackung an. Aber natürlich wächst sie in leuchtendem Orange auf der ganzen Insel, in den Dörfern und am Wegesrand. Ihre Namensgeberin war eine Prinzessin, nämlich eine Neustrelitzerin. Sophie Charlotte, Herzogin zu Mecklenburg-Strelitz (1744-1818).

Berühmter Brief

So schön war sie, dass König Georg III. von Großbritannien und Irland sich in ihr Konterfei verliebt und sie praktisch vom Bild weg geheiratet hat. Eine begnadete Briefeschreiberin soll sie außerdem gewesen sein, wie ich später zu Hause las. Es heißt, dass der Prinz durch einen Brief auf sie aufmerksam wurde. Sie hatte sich beim preußischen König über das Betragen seiner Armee in Mecklenburg beschwert. Der Brief erlangte Berühmtheit, wurde gedruckt und gelangte so nach England.

Farbenfroh: eine Strelitzie auf Madeira Foto: Christine Senkbeil

Georgs Gesandter soll dann das Bild besorgt und den Handel mit Charlottes Mutter klargemacht haben. Wie es heißt, habe sie auf der Überfahrt nach England auf ihrem Cembalo „God save the King“ geübt, während ihre Reisebegleiter mit der Seekrankheit kämpften. Noch am Abend ihrer Ankunft wurde geheiratet. Charlotte war 17, Georg 23. Sie sollen sich wohl tatsächlich geliebt haben.

Nach Madeira kam Charlotte nie. Im Gegensatz zu einer anderen Prinzessin, nämlich Sissi. Auf sie sind die Madeirer stolz. Sogar zweimal weilte die österreichische Kaiserin hier, versichert die Reiseleiterin und zeigt uns die Sissi-Statue. Ausgerechnet vor einem Casino. Denn zu Sissis Zeiten stand hier die Quinta da Vigia, wo sie residierte. „Sissi liebte unsere Insel.“

Tragisches Ende

Und auch Charlotte hätte sie geliebt! Denn die Botanik war ein weiteres ihrer Steckenpferde. Ihre frühere Ausbildung bei dem lutherischen Theologen Gottlob Burchard Genzmer in Naturphilosophie, Mineralogie und Botanik kam ihr hierbei zugute. Für ihre Verdienste um die Botanischen Gärten wurde ihr später vom britischen Volk der Ehrentitel „Queen of Botany“ verliehen. Und der Leiter des Londoner botanischen Gartens Kew benannte ihr zu Ehren die Pflanzengattung nach ihr. Strelitzie.

Die schöne Geschichte endet leider tragisch. Ihr Gatte erkrankte früh an einer als Wahnsinn missdeuteten Geisteskrankheit, und ihre Söhne verdarben durch Eskapaden und Geldverschwendung den Ruf der königlichen Familie, sodass Charlottes Kutsche sogar mit Steinen beworfen wurde.

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