Evangelischer Häuser im Norden bangen um Zukunft

Leere Flure, wenig Gäste

In den Evangelischen Häusern gibt es seit Monaten Gastgeber, die kaum Gäste empfangen. Die Pandemie macht zudem ein weiteres Problem der Häuser sichtbar.

Das Gästehaus des Kollegs in Breklum steht leer

von Catharina Volkert

Hamburg/Kiel. Die ersten Gäste sind wieder da im Christian-Jensen-Kolleg (CJK). Es sind weniger als zehn, berichtet Pastorin Nora Steen, die Geschäftsführerin und Geistliche Leiterin des Tagungs- und Bildungszentrums. Nur ein Bruchteil der 145 Betten des Hauses sind damit belegt. „Mit wirtschaftlichem Denken hat das nichts zu tun“, sagt sie. Viel mehr mit den Möglichkeiten: Denn Breklum liegt in Nordfriesland, Modellregion für den Tourismus während der Pandemie. Wer im Kolleg übernachtet, muss sich daher alle zwei Tage auf das Virus testen lassen.

„Unsere Mitarbeiter sind froh, dass sie nun wieder etwas zu tun haben“, sagt die Pastorin. Denn seit November 2020 ist das Haus für den Tagungs­betrieb geschlossen, geöffnet war es nur über die Sommer­monate, in den Herbst hinein. Die meisten aus dem 34-köpfigen Team sind nun zu jeweils 50 Prozent aus der Kurzarbeit zurückgekommen.

Auf Gruppen ausgerichtet

Etwa 45 Evangelische Häuser gibt es in Hamburg und Schleswig-Holstein. Sie leben von Tagungen, Jugendgruppen, Konventen oder Chorfreizeiten und sind entsprechend ausgestattet und organisiert: große Tische, feste Essenszeiten. „Die Häuser sind ursprünglich auf Gruppen ausgerichtet“, sagt auch Ulrich Schmidt von der Fachstelle Kirche und Tourismus. „Einzelgäste sind sozusagen die Sahnehaube.“

Doch die Einzelgäste buchen nicht nur allein ein Zimmer, sie brauchen auch andere Bedingungen. „Sie wollen­ nicht um 18.30 Uhr Abendessen.“ Geht es nach Schmidt, so sind viele Häuser nicht mehr zeitgemäß. „Sie müssen flexibler werden und beispielsweise ein Online-Buchungssystem anbieten, gastfreundlich sein – unabhängig von Büro­zeiten“, sagt er.

Nora Steen Foto: Stephanie Klumpp

Bei der Vorwerker Diakonie ist Holger Graw für das Gästehaus Domkloster in Ratzeburg, das Christophorus­haus in Bäk und die evangelischen Jugend-, Bildungs-, und Freizeitstätte am Koppelsberg zuständig. „In den drei Häusern gehen unsere Mitarbeitenden mit und ohne Behinderungen weiter ihrer Beschäftigung nach“, erzählt er. „Trotz Lockdown gibt es viel zu tun, um die Gebäude und ihre Außen­anlage in Schuss zu halten.“

Seit Beginn des Lockdowns im November 2020 beträgt die Auslastung der Häusern der Vorwerker Diakonie­ nur noch fünf Prozent – durch Gruppen, die vor allem aus beruflichen Gründen beherbergt werden dürfen. „Zuletzt war beispielsweise das Landesjugend­orchester für Proben auf dem Koppelsberg zu Gast. Das ging auch nur mit einem speziellen Hygiene­konzept und entsprechendem personellen wie organisa­torischen Zusatzaufwand“, berichtet Holger Graw.

Renovierungen müssen her

Doch es gibt ein weiteres Problem, das im wahrsten Sinne des Wortes an die Substanz geht: „Viele Häuser haben einen Renovierungsstau – und jetzt haben sie keine Rücklagen mehr“, betont Ulrich Schmidt.

Auch in den Häusern der Vorwerker Diakonie kennt man dieses Problem. „Wir haben diese Herausforderung bereits länger im Blick“, sagt Graw. Denn die Häuser sind in die Jahre gekommen. „Auf dem Koppelsberg gibt es beispielsweise noch vielfältige Übernachtungskategorien, vom Einzel- bis zum Sechsbett-Zimmer“, erzählt Graw. Insgesamt müssen in die drei Einrichtungen mittelfristig siebenstellige Millionenbeträge investiert werden. Dazu steht Graw in enger Abstimmung mit den Verpächtern, dem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg und der Nordkirche. Die Investitionen dienen hauptsächlich der Modernisierung. Außerdem entsteht am Domkloster derzeit ein modernes Tagungszentrum. 2022 soll es in Betrieb gehen.

Haus am Schüberg wird geschlossen

Während die einen neu öffnen möchten, mussten die anderen bereits schließen. Der Kirchenkreis Hamburg-Ost gab kürzlich bekannt, sich zum 30. Juni vom Tagungshaus am Schüberg in Ammersbek zu trennen. „Die Corona-Krise hat die bereits bestehende schwierige wirtschaftliche Situation des Tagungshauses deutlich verschärft“, hieß es. Ulrich Schmidt befürchtet, dass noch weitere evangelische Häuser vor dem Aus stehen. „Es stehen massive Kürzungen in der Nordkirche an“, gibt er zu bedenken. Als „sehr durchwachsen“ bezeichnet er die Lage einiger Unterkünfte im Norden.

Derartige Zukunftssorgen gibt es in Breklum derzeit nicht. Ab August ist das CJK komplett ausgebucht, wenn auch unter Vorbehalt.

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