Nazi-Verdacht

Landeskirche in Hannover überprüft Kunstwerke von Erich Klahn

War der Künstler Erich Klahn dem Nationalsozialmus zu nah? Die hannoversche Landeskirche hat ein Gutachten in Auftragen gegeben. Denn Klahn hat in vielen Kirchen im Norden seine Spuren hinterlassen.

Im Kloster Mariensee war bis 2014 ein Klahn-Museum untergebracht

Hannover/Celle. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers stellt die Werke des umstrittenen norddeutschen Künstlers Erich Klahn (1901-1978) auf den Prüfstand. Dabei geht es insbesondere Klahns Kunstwerke aus der Zeit des "Dritten Reiches" und um seine Rolle im Nationalsozialismus, wie ein Sprecher in Hannover mitteilte. Die Kirche wolle herausfinden, wie sie künftig mit den Werken umgehen solle.
Klahn schuf zwischen 1928 und 1959 unter anderem sieben Flügelaltäre, von denen fünf noch in Gebrauch sind. Kirchen gehörten zu seinen wichtigsten Auftraggebern. Unter anderem stattete er die Taufkapelle in der Celler Stadtkirche und das Kloster Amelungsborn bei Holzminden aus. Hinzu kommen Fenster, Bilder und Kunstteppiche für Kirchen in Norddeutschland. Einer seiner Wandteppiche hing bis vor kurzem im niedersächsischen Landtag, der zurzeit umgebaut wird.

Tagung zu Künstlern im Dritten Reich

Um Klahns Werke besser bewerten zu können, hat die Landeskirche ein Gutachten beim Kunsthistoriker Herbert Pötter im Auftrag gegeben, das am nächsten Dienstag vorgestellt werden soll. Zudem veranstaltet sie am 14. März in Hannover gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Loccum die Tagung "Künstler und Kirche im Dritten Reich", bei der Erich Klahn im Mittelpunkt stehen wird. Dessen Werke seien im Blick auf ihre kunsthistorische Bedeutung und ihre theologische Brisanz bis heute nur unzureichend interpretiert und kommentiert worden, hieß es.
Die Werke von Erich Klahn beschäftigen zurzeit auch die Klosterkammer Hannover. Die staatliche Behörde, die ehemals kirchliches Vermögen verwaltet, befindet sich in einem Rechtsstreit mit den Erben des Künstlers. Sie will die Werke Klahns nicht länger im Kloster Mariensee bei Hannover zeigen. Dort unterhielt die Klosterkammer bis 2014 ein Klahn-Museum. Sie hatte 2014 ihre Zusammenarbeit mit der Klahn-Stiftung gekündigt.

Streit vor Gericht

Zwei Gutachten des Kunsthistorikers Henning Repetzky und des Historikers Thomas Vogtherr belegen aus Sicht der Behörde eine zu große Nähe Klahns zum Nationalsozialismus. Dieser habe im völkischen Spektrum der 1920er und 1930er Jahre ein hervorgehobene Position gehabt. Der Rechtsstreit ist zurzeit beim Oberlandesgericht Celle anhängig. Vor rund einem Jahr hatte das Landgericht Hannover in erster Instanz den Erben des Künstlers Recht gegeben und die fristlose Kündigung des Vertrags für unwirksam erklärt (Az.: 6 O 145/14). Dagegen legte die Klosterkammer Berufung ein. (epd)

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