Landesarbeitsgemeinschaft plädiert für verstärkte Erinnerungsarbeit

Die Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit im Saarland (LAG) warnt vor dem Erstarken rechter Tendenzen und fordert eine Intensivierung der Aufklärungsarbeit über die NS-Zeit. „Eine Rolle rückwärts in reaktionäre, wieder gesellschaftsfähige Anschauungen und Haltungen“ dürfe es nicht geben“, sagte LAG-Sprecher Frank-Matthias Hofmann vom Evangelischen Büro des Saarlands am Mittwochabend im Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

Als Beispiel nannte der Kirchenrat den Umgang des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger (Freie Wähler) mit der Flugblatt-Affäre. Der Umstand, dass Aiwanger trotzdem weiter im Amt bleiben konnte, zeige, dass „wir ein Problem in unserer Gesellschaft haben“, kritisierte er.

Als positiv bewertete Hofmann, dass sich saarländische Politiker zur Gedenkstätte „Neue Bremm“ in Saarbrücken bekennen. Aber anders als bei der rheinland-pfälzischen Gedenkstätte Lager Hinzert wollten Stadt und Land kein Geld dafür ausgeben, kritsierte der Theologe. „Hier dürfen wir nicht nachlassen.“ Die Gedenkstätte „Neue Bremm“ erinnert seit 2004 an die Geschichte des Lagers an der deutsch-französischen Grenze. Das Saarbrücker NS-Lager war in den Jahren 1944 und 1945 Durchgangsstation für mehr als 20.000 Häftlinge. Sie kamen überwiegend aus Frankreich und wurden in Konzentrationslager weitertransportiert.

Der Generaldirektor der Völklinger Hütte, Ralf Beil, sprach sich bei der LAG-Mitgliederversammlung dafür aus, bei der Erinnerungsarbeit stärker das Medium Film zu berücksichtigen. So zeige die ab 15. Oktober in Völklingen zu sehende Jahresausstellung „Der deutsche Film 1895 bis heute“, wie das Nachkriegskino mit zur Aufarbeitung der NS-Zeit beigetragen hat. Als Beispiel nannte Beil die Satire „Rosen für den Staatsanwalt“ von 1946, die in der Ausstellung beleuchtet wird.

Zur Vernetzung der Arbeit zur Erinnerung an die NS-Zeit hatten sich im Jahr 2018 Vereine, Organisationen und Schulen im Saarland zur Landesarbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Sie soll die Erinnerungsarbeit im Saarland bündeln, stärken und bekannt machen. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt der LAG auf dem Thema „Zwangsarbeit“. 2024 will sie sich schwerpunktmäßig mit der sogenannten Provenienzforschung, die sich der Herkunft von Kunstwerken und Kulturgütern widmet, beschäftigen.