"Lernräume" geplant

Land und Kirchen wollen benachteiligte Schüler unterstützen

Beim Lernen von zuhause können viele Schüler nicht mithalten, oft scheitert es schon an der Technik. Ihnen wollen die Kirchen in Niedersachsen helfen – mit Geld und mit Räumen.

In Lüneburg gibt es bereits einen "Lernraum"

Hannover. Angesichts der Schwierigkeiten in der Corona-Krise wollen das Land Niedersachsen und die Kirchen benachteiligten Schülern zur Seite stehen. Dafür sollen evangelische und katholische Gemeindehäuser an vielen Orten im Land zu außerschulischen „Lernräumen“ werden, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD): „Es gibt Kinder und Jugendliche, die zu Hause keinen eigenen Schularbeitsplatz haben und denen die Familie beim Lernen nicht in dem Maße unterstützend zur Seite stehen kann, wie das in anderen Familien der Fall ist.“ Ziel sei, die Bildungsgerechtigkeit zu stärken. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Grundschüler.

Die Kinder sollen in den Lernräumen Hilfe bekommen, etwa durch ehrenamtliche „Lernpaten“, durch Computer-Arbeitsplätze oder durch spielerische Angebote, in denen Gelerntes vertieft wird. „Es geht uns darum, ein Betreuungsangebot zu schaffen, das die Eltern entlastet und von den Kindern Druck nimmt“, unterstrich der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover. Eines der Ziele sei, Schulstoff nachzuholen, der in den vergangenen Wochen gar nicht oder nur teilweise vermittelt worden sei. „Aber mindestens ebenso wichtig ist es, dass Kinder spielen können, sich mit anderen austauschen und dass Menschen da sind, die Zeit haben, ihnen zuzuhören.“

Langer Atem gefragt

Das Projekt soll zunächst bis zum Ende der Sommerferien laufen und möglicherweise bis zu den Herbstferien verlängert werden. Dafür hat das Land zunächst rund eine Million Euro eingeplant. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers will als größte Kirche in Niedersachsen rund 250.000 Euro zur Verfügung stellen, zudem wollen sich andere Landeskirchen und Bistümer beteiligen. Landesbischof Meister plädierte dafür, das Projekt nicht zu schnell wieder zu beenden: „Wir brauchen einen längeren Atem.“

Landesbischof Meister Foto: epd

Einzelne Initiativen gibt es bereits in Lüneburg, Bückeburg, Stadthagen, Bremerhaven, Wunstorf, Tostedt oder Eystrup. Andere sollen durch enge Kooperationen zwischen Schulen und Kirchen vor Ort neu entstehen. Die Teilnahme ist freiwillig und kostenlos. (Einen Bericht über die Initiative in Lüneburg lesen Sie hier)

Auf ins Freie!

Die für Bildung zuständige Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track betonte: „Kein Kind soll verloren gehen.“ Als Betreuer könnten auch Oberstufen-Schüler, Lehramtsstudierende, pensionierte Lehrkräfte oder Lehrende aus der Erwachsenenbildung mit einbezogen werden. Studierenden könne der Einsatz als Praktikum anerkannt werden. „So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe.“

In den Sommerferien seien zahlreiche Aktionen im Freien möglich, sagte die Theologin. Zum Beginn des neuen Schuljahres werde dann deutlich werden, was die Kinder und Jugendlichen im abgelaufenen Schuljahr nicht hätten lernen können. Deshalb hoffe sie auf eine Fortsetzung des Projektes. Die Landtagsfraktionen von SPD und FDP begrüßten die Initiative der Kirchen. Die FDP bemängelte allerdings, sie hätte eine eigene Initiative des Ministers für die Einrichtung von „Sommerschulen“ erwartet.

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