Digitale Kulturangebote während der Corona-Krise

Kreativ trotz Corona – digitale Kulturangebote

Was tun, wenn das Kulturleben brachliegt? Die öffentlich-rechtlichen Sender bemühen sich über die Mediatheken hinaus, Daheimgebliebene mit Kultur zu versorgen.

Öffentlich-rechtliche Sender bieten aktuell eine Vielzahl digitaler Kulturangebote an.

von Diemut Roether

Die Kulturschaffenden waren die Ersten, die die schärferen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu spüren bekamen. Mit der Absage aller öffentlichen Theater- und Konzertaufführungen, mit der Schließung von Museen wurde das öffentliche Leben in Deutschland vor knapp zwei Wochen stark eingeschränkt. Der Präsident des Bühnenvereins, Ulrich Khuon, beschrieb die Situation der Theater in „Titel, Thesen, Temperamente“ so: „Wir können nicht mehr die Unterbrecher sein, sondern wir sind selber unterbrochen.“

Die öffentlich-rechtlichen Sender bemühen sich seit der Schließung der Kultureinrichtungen, Kultur in die Wohnzimmer der Menschen zu bringen, die zu Hause bleiben müssen. Der Südwestrundfunk (SWR) schnürte bereits am 13. März ein „Quarantäne-Paket gegen das Coronavirus“ und wies auf die Kulturangebote in der Mediathek und im Netz hin, der Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) „macht Museum“ – online und im Fernsehen – und der Kultursender Arte streamt seit Mittwoch vergangener Woche unter dem Hashtag „United wie stream“ Vorstellungen von DJs aus den geschlossenen Berliner Clubs.

Besuch in der „Digitalen Kunsthalle“

Das ZDF macht die Ausstellung „Beethoven. Welt.Bürger.Musik“ in der Bundeskunsthalle in der „Digitalen Kunsthalle“ weiterhin zugänglich. Die Ausstellung, die viele Informationen über Beethoven und seine Zeit bietet, ist nach Angaben des Senders noch bis zu Beethovens Geburtstag am 17. Dezember im Netz.

Digitale Rundgänge durch die Nationalgalerie Berlin

Beim RBB-Fernsehen führte am vergangenen Sonntag der stellvertretende Direktor der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin, Martin Maischberger, durch das Alte Museum. Das Video ist weiterhin bei „RBBKultur“ und auf dem Youtube-Kanal des Senders zu sehen. Weitere Rundgänge durch die Alte Nationalgalerie, das Neue Museum, die Berlinische Galerie, das Deutsche Historische Museum und das Museum Barberini in Potsdam sollen folgen. RBB-Intendantin Patricia Schlesinger sagte: „Wir öffnen im Programm die Räume zu den Ausstellungen, weil die Museen sie leider für den Publikumsverkehr geschlossen halten müssen.“

Theater, Konzerte und Lesungen im Stream

Auch der Westdeutsche Rundfunk (WDR) bietet spezielle Führungen durch Museen in Nordrhein-Westfalen an. Unter dem Stichwort „#alleinimmuseum“ sprechen Museumsleiterinnen und Kuratoren im Selfie-Video über ihre Museen oder stellen ihr liebstes Kunstwerk vor. Zudem nimmt der Sender Konzerte und Theaterinszenierungen auf und lässt in der „Kulturambulanz“ Autorinnen wie Ulla Lenze und Verena Güntner sowie Autoren wie John von Düffel lesen. Auch der SWR und der Norddeutsche Rundfunk (NDR) streamen Lesungen. Kinderbuchautorinnen wie Kirsten Boie, Cornelia Funke und Isabel Abedi lesen in ihren privaten Wohnzimmern, die Lesungen werden am Nachmittag um 16 Uhr live auf www.ndr.de/mikado und im Kindernetz des SWR gestreamt.

Das Deutschlandradio hat alle Publikumsveranstaltungen bis zum 17. Mai abgesagt. Stattdessen bietet Deutschlandfunk Kultur jetzt Aufzeichnungen von Konzertveranstaltungen an und sendet am 27. März ein Live-Konzert aus der Jesus-Christus-Kirche in Berlin.

Ideenwettbewerb „Corona Creative“

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat angesichts der Corona-Krise zu einem Ideenwettbewerb aufgerufen. Unter dem Motto „Corona Creative“ sind Filmemacherinnen und Filmemacher eingeladen, bis zum 27. März Projektvorschläge für dokumentarische Kurzfilme bis zu 15 Minuten Länge zur Corona-Krise einzureichen. Sie müssen die Regeln einhalten, die auch für die Bevölkerung in der Krise gelten. MDR-Programmdirektorin Katja Wildermuth sagte, gesucht würden Kurzfilme, „die unter den den Bedingungen von Homeoffice, beschränktem Bewegungsradius und vorgeschriebenem Mindestabstand produziert werden“.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erinnerte angesichts der schwierigen Lage der Künstler und Kreativen, denen die Einnahmen wegbrechen, daran, dass Kultur „kein dekorativer Luxus“ ist, den man sich nur in guten Zeiten gönnt: „Wie sehr wir sie brauchen – insbesondere was den gesellschaftlichen Zusammenhalt betrifft – sehen wir jetzt, da wir in großen Teilen auf sie verzichten müssen.“ Vielleicht bleibt, wenn die Ausnahmesituation eines Tages wieder beendet wird, zumindest das: Das Bewusstsein, wie wichtig die Kultur für unser öffentliches Leben ist. (epd)

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